debekabanner.svgcafe hahn bannerreuffel banner

<<Zurück

 
 
 
 

Hildes Geschichte und wie es weitergegangen ist? In Vorwegnahme von Hildes 96stem Geburtstag am 3. Juli 2020 

Sterbebegleitung naher Angehöriger - zumal der Mutter - bedeutet heute grundsätzlich, sich in eine Grenzsituation zu begeben. Dies hat einerseits damit zu tun, dass die meisten von uns in den relativen Komfortzonen mitteleuropäischer Wohlfahrtsstaaten leben; Grenzsituationen sind uns fremd bzw. man kann sie meiden. Dies bedeutet andereseits, dass man sie annehmen muss, um zu erfahren, was Sterben u.U. heute im gewohnten medizinischen Parcours bedeutet. Im Falle meiner Mutter gab es weder eine Patientenverfügung noch eine Vorsorgevollmacht. Gewiss liegt eine Anregung darin, über entsprechende Regelungen nachzudenken und sie mit Sorgfalt zu gestalten.

Wahl - auch mein Bruder hatte im Vorfeld des 21.6.1994 eine Wahl oder: Der Lebenslauf besteht aus Wendepunkten, an denen etwas geschehen ist, was nicht hätte geschehen müssen - vor allem für meinen Freund Reinhard Voß

Eine Auskopplung aus: Im w.w.w. unterwegs - was ein ganz und gar unpassender Titel ist, weil es auch hier in aller erster Linie um  F A M I L I E  geht!

Wahl

Im Kosmos
der Möglichkeiten
bekommt
die Welt ihr Gesicht
durch das,
was sie sein könnte.
Beschreiben wir die Welt
als einen Raum
von Möglichkeiten,
hat unsere Wahl
hohes Gewicht.

26 - 65: Für Willi von 1994 bis 2020

Lieber Willi,

in diesem Jahr würdest Du 65! Auf Deinen 38sten Geburtstag - am 12.11.1993 - folgte kein weiterer. Gestern las ich in der Rhein-Zeitung: "Die enge Bindung der Ratzinger-Brüder - Eine hoch emotionale Reise, die den emeritierten Papst fordert"; der 93jährige Joseph besucht seinen kranken Bruder, den 96jährigen Georg. Den beiden ist bis ins hohe Alter vergönnt, was und beiden - als Brüdern - vor 26 Jahren genommen wurde. Auch zwischen uns lagen gut 3 1/2 Jahre, und sicher wäre es gleichermaßen spannend wie unspektakulär, wie sich unsere Beziehung als Brüder weiter entwickelt und gestaltet hätte. Da wir - trotz aller vordergründigen Unterschiede - dazu neigten, die gleichen Fehler zu machen, hätten wir bis ins höchste Alter genügend Gesprächsstoff gehabt.

F A M I L I E

Die Großeltern haben Besuch (Erich Kästner)

Für seine Kinder hat man keine Zeit.
(Man darf erst sitzen, wenn man nicht mehr gehen kann.)
Erst bei den Enkeln ist man dann soweit,
dass man die Kinder ungefähr verstehen kann.

Spielt hübsch mit Sand und backt euch Sandgebäck!
Ihr seid so fern und trotzdem in der Nähe,
als ob man über einen Abgrund weg
in einen fremden bunten Garten sähe.

Spielt brav mit Sand und baut euch Illusionen!
Ihr und wir Alten wissen ja Bescheid:
Man darf sie bauen, aber nicht drin wohnen.
Ach, bleibt so klug, wenn ihr erwachsen seid.

Wir möchten euch auch später noch beschützen.
Denn da ist vieles, was euch dann bedroht.
Doch unser Wunsch wird uns und euch nichts nützen.
Wenn ihr erwachsen seid, dann sind wir tot.

Botho Strauß oder der Mut zur Zumutung - Paare, Passanten

Ein guter Freund hat mir einmal den Unterschied zwischen Mut und Tapferkeit nahegebracht. Danach enthält der Mut immer auch ein gewichtiges Körnchen der Ignoranz gegenüber den unausweichlichen Gefahren in Grenzsituationen, während die Tapferkeit sehenden Auges den Gefahren und Gefährdungen trotzt. Botho Strauß' Paare, Passanten liegt mir in der Lizenzausgabe für die Süddeutsche Zeitung aus dem Jahre 2004 vor. Dieser Lizenzausgabe wiederum liegt die Textfassung der 1981 im Carl Hanser Verlag erschienen Ausgabe zugrunde. Strauß war da etwa 37 Jahre alt - er lebt immer noch, hochdekoriert, eigensinnig und oft mißverstanden - oder zumindest als häufig Mißverstandener geltend. Mit knapp 37 war Strauß schon fertig - fertig mit der Welt der Paare und der Welt der Passanten. Was er seinerzeit - 1981 - publiziert hat, davon hatte ich auch schon eine Ahnung; und nicht nur eine Ahnung, sondern dem entsprach eines meiner frühen paardynamischen Traumata.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund