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Resonanzen

Weil mir das Schnuppern in Hartmut Rosas Resonanz in den Schoß fiel, und ich dabei entdeckte, dass mir seine Unterscheidungen sowohl taugliche Begriffe für die Einordnung von zuletzt Erlebtem und Erlittenem anboten als auch Abgrenzungsmotive auslösten, hatte ich mich insbesondere mit Rosas horizontalen Resonanzachsen und hier mit der Familie als Resonanzhafen auseinandergesetzt. Die Ergebnisse hatte ich einigen Freunden zukommen lassen - nicht ohne Resonanz (lieber Wolfgang, Dir danke ich für Deine - wie immer instruktive und anregende Rückmeldung - die Lektüre Deiner Rezension des Rosa-Bändchens über Unverfügbarkeit steht auf der Tagesordnung - bis bald, liebe Grüße Jupp).

Hartmut Rosa: Resonanz - Eine Soziologie der Weltbeziehung

Alles in allem 815 Seiten - heute am 14.08.2020 für € 20,- gekauft, bereits 2016 erschienen, nunmehr vorliegend in der 3. Auflage im Suhrkamp-Verlag (stw 2272). Das heißt nicht weniger und nicht mehr, als dass ich es eigentlich noch hätte wahrnehmen und auch rezipieren müssen im vorletzten Jahr meiner Tätigkeit in der Uni an einer der zentralen Nahtstellen der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung.

Inzwischen bin ich jedoch in jeder Hinsicht entschleunigt - zuletzt durch den Tod meiner fast 97jährigen Schwiegermutter; mit ihr gemeinsam habe ich in den letzten drei Jahren versucht, eine Praxis der Entschleunigung zu entwickeln bzw. zu gestalten.

Die endgültige Trauerrede(n) für Lisa - meine Schwiegermutter - mit einer kleinen, aber gewichtigen Ergänzung (11.8.2020 - 5.45 Uhr)

Der letzte Wendepunkt - Zum Tod von Elisabeth Rothmund, unserer Mutter, Schwiegermutter, Oma und Uroma (11.8.20)

Der letzte Wendepunkt im Leben von Elisabeth Rothmund hat sich am 6. August in der Frühe um 9.00 Uhr vollzogen - in den Armen ihrer Tochter Claudia. Ich weiß, dass nicht jeder angesichts des Todes von einem letzten Wendepunkt sprechen würde. Ein alter Freund hat seine Todesanzeige selbst gestaltet und legte dabei Wert auf die Feststellung: „Ins nackte Dasein geworfen, gehen wir ins immerwährende Nichts."

Was bleibt?

Ist die letzte Ahne gegangen, rückt man im generativen Geschehen zwangsläufig in die vorderste Reihe. Die Sorge und die Fürsorge den alten Eltern gegenüber endet mit deren Tod. Man schaut zurück und legt sich Rechenschaft ab. Das eigene Sterben und der eigene Tod treten stärker in den Vordergrund. Und alles, was man angesichts des Todes der Nächsten getan, unterlassen, erlebt, beobachtet und gesagt hat, fällt als Segen oder als Fluch auf einen zurück. Unserem Bestatter und unserem Pfarrer Lucas gegenüber habe ich darum gebeten, mir im Rahmen des Trauergottesdienstes für meine Schwiegermutter die Totenrede zu gestatten, Ihr sozusagen die letzte Ehre zu erweisen. Totenreden sind ein heikles Unterfangen, nicht zuletzt, weil wir uns in der Regel vom nihil nisi bene de mortuis (nichts, wenn nichts Gutes über die Toten) leiten lassen.

Der letzte Wendepunkt - Zum Tod von Elisabeth Rothmund, unserer Mutter, Schwiegermutter, Oma und Uroma

Der letzte Wendepunkt im Leben von Elisabeth Rothmund hat sich am 6. August in der Frühe um 9.00 Uhr vollzogen - in den Armen ihrer Tochter Claudia. Nicht jeder würde angesichts des Todes von einem letzten Wendepunkt sprechen. Unser Freund Gerd Wayand hat seine Todesanzeige selbst gestaltet und hat dabei Wert gelegt auf die Feststellung„Ins nackte Dasein geworfen, gehen wir ins immerwährende Nichts." In der Totenrede auf Gerd habe ich Zweifel geäußert, ob man als noch Lebender dies so wie eine Tatsache in den Raum stellen kann. Sein Gewährsmann - Jean Paul Sartre -  jedenfalls deutet nolens volens darauf hin, dass allem Diesseitigen das Jenseitige ein Rätsel bleiben muss:

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund