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Stefan Slupetzky - Wir sind im besten Fall Chronisten, allerdings kämpferische! Wie schon bei Hanna Schmitz und Franz Streit

Dieser Beitrag knüpft auch an Christian Geulen an: Völkische Schatten, in ZEIT 5/2017, S. 38

Auch dieser Beitrag beginnt mit einem Dank. Ich danke Barbara und Michael für ihr Weihnachtsgeschenk: Stefan Slupetzky: Der letzte große Trost, Hamburg 2016. Die Fiktion mäandere um die Realität herum, meint Stefan Slupetzky in einem Interview, das der Rowohlt-Verlag zu seinem aktuellen Roman verbreitet (Stefan Slupetzky im Live-Interview mit Heinz Sichrovsky im Rahmen der Sendung: erlesen - sendung 133 ). Auf die Frage, wieviel Stefan Slupetzky in seinem Hauptprotagonisten Daniel Kowalski stecke, antwortet er: 60 - 70%. Sein Roman handelt - nach eigenem Bekenntnis - "von der Last der zweiten Nachkriegsgeneration, Chronisten der eigenen Großeltern zu sein".

Wolf Biermann - Danke für dieses Buch

Warte nicht auf bessre Zeiten! Wolf Biermann - Die Autobiographie - Berlin 2016

Das autobiographische Gedächtnis - Hans J. Markowitsch und Harald Welzer halten es für das Pänomen, das "den Menschen zum Menschen macht". Das autobiographische Gedächtnis liefere ihm das Vermögen, die persönliche Existenz in einem Raum-Zeit-Kontinuum zu situieren und auf eine Vergangenheit zurückblicken zu können, die der Gegenwart vorausgegangen sei. Dies Vermögen versetze uns in die Lage "mentale Zeitreisen" (Endel Tulving) vornehmen zu können und damit Orientierungen zu generieren für zukünftiges Handeln. Erlerntes und Erfahrenes könnte auf diese Weise für die Gestaltung und Planung von Zukünftigem genutzt werden.

Dietmar Kampers Traumbuch

Tun wir so, als hätten wir keine Zeit zu verlieren. Dietmar Kamper hatte keine Zeit zu verlieren:

"Beten und Ficken - das sind, nach Baudelaire die Tätigkeiten, die einen sensiblen Zeitgenossen in der Moderne am Leben halten. Beten heißt hören, ob ein Anderer spricht. Ficken heißt Spüren, dass ein Anderer da ist. Beide Male geht es um Gegenwart, einmal der Stimme, zum anderen des Körpers, aber nicht des Selbst, sondern des Anderen, der sonst keine Realität hat." (33)

Ein paar Daten zu Dietmar Kamper aus dem Autorenverzeichnis:

Noch mehr Besinnliches zum Fest - Odo Marquard sei Dank

In den hier schon häufiger bemühten philosophischen Essays Odo Marquards findet sich eine kleine Festrede, die sich im Sinne einer kleinen Philosophie des Festes für die überlebensnotwendige Bedeutung des Moratoriums im Alltag ausspricht. Wie meist, überzeugt Odo Marquard auch bei dieser Gelegenheit durch eine klare, transparente Gestaltung seiner Gedanken, die er in vier Etappen durcheilt. In der ersten Etappe erscheint das Fest schlicht als Moratorium des Alltags: Dem ein oder anderen Leser meines Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich alljährlich meine Sehnsucht nach dem Fest der Feste in meine Weihnachtsbotschaft kleide: Wenn ich noch einmal Kind sein dürfte! Ein Versuch, gleichzeitig zu sich selbst zu finden und sich Distanz zum eigenen Leben zu erlauben.

Als Dilemma wird eine Situation bezeichnet, aus der es zwei Auswege gibt. Beide führen nicht zum gewünschten Ergebnis.

Der erste Satz dieser aus zwei Sätzen bestehenden Definition bildet eine Ausgangsituation ab, eine Situation, in der ich aktuell, das heißt gegenwärtig stehe. Lebenslaufbezogen ist das eine Ausgangslage, die dessen Gegenwart - die Gegenwart des Lebenslaufs - repräsentiert; ein Punkt, von dem aus man eine vergangenheitsabhängige Zwischenbilanz ziehen kann, und von dem aus man zukunftsorientierte Visionen entwickeln kann. Der zweite Satz repräsentiert eine ex-post-factum-Perspektive: Ganz gleich von welchem (zukünftigen) Zeitpunkt seines eigenen Lebenslaufs man zurückblicken wird, sein Verlauf wird nach dieser Definition in keinem Fall ein/das gewünschte(s) Ergebnis offenbaren.

   

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