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VeRBOTeN!?

Entdecke die Scham...

2009 besuchte ich mit meiner Frau Claudia im Düsseldorfer Museum Kunstpalast die Ausstellung „Diana und Actaeon. Der verbotene Blick auf die Nacktheit“.

Das Museum ist einer der wenigen öffentlichen Orte, an denen man sich „legitimer Weise“ (auch) in die relativ geschützte Rolle eines nicht ohne weiteres des Voyeurismus verdächtigen, kunstinteressierten Beobachters begeben kann.

(Ein zweiter wesentlicher Zugang zu diesem Gesamtvorhaben steht jetzt mit "Schamverlust - eine Selbstverortung" zur Verfügung. Motive und Antrieb für diesen BLOG werden damit ein wenig transparenter und nachvollziehbarer. Auch der am 14.5.2015 in den Blog eingestellte Beitrag "Das Ende" enthält schamrelevante Hinweise.)

Die Rituale des Kunstbetriebs kommen diskreten Verhaltenserwartungen ja auch durchaus entgegen. Legen sie doch keine offene, lauthals geführte Diskussion nahe, sondern erwarten eher die stille, in sich gekehrte Reflexion des Kunstsachverständigen.

Die Wannsee-Konferenz

Ich beziehe mich sowohl auf den Film von Matti Geschonneck (Regie) und Magnus Vattrodt (Buch) als auch auf die Filmkritik von Peter Kümmel in der ZEIT vom 20. Januar 2022. Aus der dreibändigen Enzyklopädie des Holocaust (2. Auflage, München/Wien 1998) habe ich mir die Lesart der professionellen historischen Sachwalter (Hauptherausgeber: Israel Gutman - Herausgeber der deutschen Ausgabe: Eberhard Jäckel, Peter Longerich und Julius Schoeps) zugänglich gemacht. Zuvor aber habe ich aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT auf Seite 47 das Interview Iris Radisch' mit Yasmina Reza anlässlich der Veröffentlichung ihres aktuellen Romans Serge gelesen:

"Zum ersten Mal widmet sich die weltberühmte Autorin mit jüdisch-ungarisch-iranisch-russischen Wurzeln einem großen politischen Thema: Die drei erwachsenen Geschwister einer Familie jüdischer Überlebender machen einen Ausflug nach Auschwitz. Es ist ein großartiger, tragikomischer Roman, der von der Unmöglichkeit des Erinnerns handelt."

Erich Kästner zu Ehren und uns zur Mahnung in Adaption seines Marschliedchens

Erich Kästners Marschliedchen wurde 1932 in der Weltbühne unter dem Titel "Denn ihr seid dumm" veröffentlicht. Ich habe versucht es zu aktualisieren- und war erstaunt, wie sehr Erich Kästner mit seinen Gedichten gegenwärtig ist. 1932 allerdings unterlag er leider - mit Blick, auf das, was da kam - einem fatalen Irrtum - das darf sich nicht wiederholen!

Marschliedchen 2022

Die Dummheit zog in Viererreihen (so zieht sie immer noch),
Heut schämt sich die Dummheit selbst der Dummen.
So dämlich wie ihr seid, mahnt sie euch zu verstummen
Statt Idioten gleich nach deutschem Wesen heut zu schreien.

Ihr kommt daher und wärmt die schalen Suppen,
In euren Schädeln haust ein brauner Geist,
Der euch verwirrt und alles mit sich reißt -
Nur nicht von euren Augen alle Schuppen!

Marschiert ihr nun in Chemnitz und in Halle…,
Ihr findet doch nur als Parade statt,
Denn das, was jeder da von euch im Kopfe hat,
Man nennt es Dum(pf)mheit wohl in jedem Falle!

Weil wieder predigt ihr den Hass
Und wollt die Menschheit spalten -
Statt schlicht an Recht und Ordnung euch zu halten,
Wähnt ihr das Volk zu sein und träumt vom völkisch-deutschen Pass!

Ihr habt die Trümmerwelt im deutschen Wahn vergessen,
Von Schuld und Sühne ist die Rede nie,
Ihr brüllt nach deutscher Größe selbstvergessen;
Ich hoff ihr schießt euch nur ins eigne Knie!

Ihr wollt die Uhren rückwärts drehen
Und stemmt euch gegen die Vernunft.
Dreht an der Uhr und doch: die Zukunft
wird euch als ewig gestrig sehen!

Wie ihr’s euch träumt, wird Deutschland nicht erwachen,
Denn ihr bleibt dumm, nicht auserwählt!
Die Zeit ist nah, da man erzählt:
Das war’s: ein Staat ist mit Idioten (und auch der AfD) halt nicht zu machen!

Traumatisierung und Sprachlosigkeit II

Der Begriff Trauma/Traumata bedeutet psychische Ausnahmesituation („Psychotrauma“). Ausgelöst durch Grenzsituationen ( z.B. Gewalttat, Krieg oder Katastrophe), die eine Bedrohung für das Leben oder die körperliche Unversehrtheit des Betroffenen oder einer nahestehenden Person darstellt. Das fatale und heimtückische am Phänomen der Traumatisierung - gerade auch bei jungen Menschen - beruht auf dem Umstand, dass jemand im Alltag gewissermaßen funktionieren kann, den an ihn gestellten Erwartungen mehr oder weniger gerecht wird, ohne sich - auch selbst - explizit und manifest als jemanden zu verstehen (und auch zu erleben), dem es nicht gut geht, der insgesamt an seinen Wünschen, Träumen und Möglichkeiten vorbei lebt. Nur eine therapeutischer Begleitung, die sich strikt einer neutralen Haltung unterwirft, vermag hier hilfreich zu agieren. Ganz zum Schluss des Beitrags bietet Angelika Glöckner eine Vorgehensweise an, die eine Offenheit für unkonventionelle Interventionen voraussetzt. Häufig sind die emotionalen Blockaden einer solchen Intervention gegenüber so ausgeprägt, dass die eigene Bedürftigkeit hinter den eigenen Blockaden und den eigenen Vorbehalten zurückstehen muss.

Traumatisierung und Sprachlosigkeit I - Das doppelte Lottchen? Für meine Schwester

"Der Palast" - nach dem ZDF-History-Beitrag zum Friedrichstadt-Palast haben wir zuerst die erste Doppelfolge - sozusagen in Echtzeit - und dann gespannt die weiteren beiden Doppelfolgen (über die ZDF-Mediathek) angesehen; viereinhalb Stunden Fernseh-Marathon. Es hat sich mit Abstrichen gelohnt. Danke Uli Edel für eine außerordentlich solide Umsetzung. Öffentlich-rechtliches Fernsehen kann mit bescheidenen und unterhaltsamen Mitteln etwas sehr Grundlegendes aufzeigen; zumindest nachvollziehbar andeuten, warum die DDR an ein Ende kommen musste. Was einerseits als allerbeste Unterhaltung daherkommt, taugt ämlich auf der anderen Seite dazu, wenigstens ansatzweise zu vermitteln, dass die Sehnsucht vieler DDR-Bürger nicht nur allein Freizügigkeit und Reisefreiheit zum Ziel hatte, sondern, dass die Erfahrung eines dauerhaften Unrechtsstaats bei einer Mehrheit auch das Bewusstsein für den Wert einer rechtsstaatlichen Ordnung mit funktionierender Gewaltenteilung enorm geschärft hat. Sich dies zu vergegenwärtigen, sollte auch und gerade in den neuen Bundesländern immer wieder erinnert werden. Das leistet der Film auch entgegen der oberlehrerhaften Kritik von Matthias Dell, denn wir befinden uns vor dem Bildschirm und nicht im zeitgeschichtlichen Oberseminar!

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund