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(M)ein neues Buch - Kurz vor Schluss

Lange war von mir in meinem Blog nichts zu lesen. Dies erklärt sich durch die abgefahrene Idee, sich noch einmal - nicht auf's Eis, sondern - auf's Papier zu wagen!

Im folgenden stelle ich die Gliederungsstruktur und die Einleitungs-Kapitel zu meinem aktuellen Publikations-Vorhaben zusammen. Es wird zu meiner Versetzung in den Ruhestand erscheinen, also zum 30. September 2017. Dazu wird es im Weingut Lunnebach - in Koblenz-Güls - auch eine Feier geben. Wer an dieser Feier teilnehmen wird - sofern er sich dazu entschließt, also Lust, Laune und Neugier mitbringt - wird es durch gesonderte Einladungsschreiben in den nächsten Wochen erfahren.

Kommunikation: Selbstreferenz und Fremdreferenz. Auch unter Profis gibt es Kommunikationsprobleme (und Lösungen)

Einige Anmerkungen zu den Auswirkungen des Losverfahrens im Institut für Pädagogik, Abteilung Schulpädagogik/Allgemeine Didaktik am Campus Koblenz zu Beginn des Sommersemesters 2017 unter kommunikationstheoretischen Gesichtspunkten

Wäre Kommunikation grundsätzlich ein Übertragungsvorgang zwischen einem Sender und einem Empfänger, wie uns Claude E. Shannon und Warren Weaver in ihrer mathematischen Theorie der Kommunikation nahelegen, hätten wir den etwas chaotischen Einstieg ins Sommer-Semester 2017 vermutlich so nicht erlebt (aufgrund eines fehlerhaften Losverfahrens sahen sich Studierende in ihrer Semesterwochenplanung irritiert).

Es wird Zeit für einen zweiten Anlauf - der Vorarbeiten sind genug. Nun wird es Zeit, sich gegen den neuen rechten Spuk geschichtsbewusst zur Wehr zu setzen!

Diese Ankündigung mag kryptich und nebulös anmuten. In der Auseinandersetzung um die zunehmende Konjunktur rechten Gedankenguts kann und muss ein jeder, der Kind oder Enkel - vielleicht auch Urenkel der Kriegsgeneration ist, die ethischen und praktischen Lehren und Konsequenzen aus der besonderen - ja der singulären - Qualität der jüngeren deutschen Geschichte ziehen. Dass dies in Gestalt einer international anerkannten und respektierten Erinnerungskultur habituell geworden ist, darf dabei von rechten Spacken wie Björn Höcke nicht in Frage gestellt werden. Solange die AfD Mitglieder dieser Gesinnung in ihren Reihen duldet, bleibt die Reklamation eines Verfassungspatriotismus reines Lippenbekenntnis und sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Ich bin allerdings der Auffassung, dass eine noch so profilierte Erinnerungskultur nicht ausreicht, auch mehr als 70 Jahre nach Ende des 1000jährigen Reiches die maßlose Entartung deutscher Politik und deutscher Gesellschaft auch nur annähernd zu verstehen. Sönke Neitzel und Stefan Welzer haben mit ihrer Theorie des Referenzrahmens wichtige Vorarbeiten geleistet, die durch eine Fülle von Studien zum Enstehen und Wirken der nationalsozialistischen Ideologie unterfüttert werden. Sparring partner ist ein kleiner Mosaikstein in vollkommen individualisierter Absicht und Verkürzung zur biografischen Erhellung von Einzelschicksalen in Verstrickung mit den seinerzeitigen politischen, gesellschaftlichen und militärischen Kontexten. Systematischer - wenngleich ebenso individuell-biografisch gebrochen - erscheinen die Bemühungen in: Hannah Schmitz, Franz Streit und Bernhard Schlink und Michael (Berg). Sparring partner ist - bei aller Bemühung um historische Lauterkeit - ein Beleg für die von Dieter Lenzen in Anlehnung an Niklas Luhmann vertretene These, dass jede Form der Außenrepräsentation immer und zuvorderst eine Form der Selbstrepräsentation darstellt. Dazu bekenne ich mich - allerdings basiert diese Form der Auslassung und Absonderung auf der konsequenten Lektion, die ich aus der Barbarei nationalsozialistischer Terrorherrschaft ableite, und für die die Methaper "Vogelschiss" genauso wenig angemessen ist, wie die Bezeichnung "Drecksau" für Alexander Gauland.

 

Sparring partner (Paolo Conte)

(nach meiner freien Übersetzung)

 

Er ist ein Ungeheuer ohne Geschichte

Denkt sie über ihn!

Ihm fehlt die Erinnerung -

Abgesunken auf den Boden des Verborgenen.

Und Du wirst sehen

Wie sich sein Blick im Dschungel verliert.

Nein, geh ihm aus dem Weg – triff ihn niemals!

Dietmar Kamper - Über das Lösen von Knoten

Dietmar Kamper: Bildfolter - Von der gestörten Liebe zur reibungslosen Sexualität, in Christoph Wulf (Hrsg.): Lust und Liebe - Wandlungen der Sexualität, München 1985, S. 381-394

Dietmar Kamper hat mich beeindruckt. In diesem Blog finden sich mächtige Spuren, z.B. über Das Heilige und seine Spuren in der Moderne oder Traumbilder an der Schwelle zum Jenseits. Ich habe in der Auseinandersetzung mit Dietmar Kampers Traumbuch versucht den Kontext zu bedenken, in dem und aus dem heraus er wenige Monate und Wochen vor seinem Tod schreibt. Auf Seite 33 dieser posthum - mehr als 10 Jahre nach seinem Tod - veröffentlichten Traumbilder findet sich ein Zitat, das er Charles Baudelaire entlehnt hat:

Jürgen Habermas oder: Et hätt noch immer jot jejange

Wir Rheinländer finden in letzter Zeit unverhofft zusammen in der kämpferischen Absicht, unseren Lebensstil nicht nur verteidigen zu müssen, sondern ihn als Errungenschaft auch offensiv setzen zu wollen. Et kütt, wie et kütt  könnte man dabei fahrlässig mit einer grundsätzlich resignativ-fatalistischen Lebenseinstellung gleichsetzen. Für mich signalisiert diese Haltung eher Einsicht in die besondere, in keiner Weise berechen- oder planbare Dynamik jedes einzelnen, individuell zurechen- und beschreibbaren Lebenslaufs. Et kütt, wie et kütt wird allerdings flankiert durch gleichermaßen defensive oder gar demütige Einsichten wie: Et es wie et es oder Et bliev nix wie et es oder Wat willste mache.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund