debekabanner.svgcafe hahn bannerreuffel banner

<<Zurück

 
 
 
 

VeRBOTeN!?

Entdecke die Scham...

2009 besuchte ich mit meiner Frau Claudia im Düsseldorfer Museum Kunstpalast die Ausstellung „Diana und Actaeon. Der verbotene Blick auf die Nacktheit“.

Das Museum ist einer der wenigen öffentlichen Orte, an denen man sich „legitimer Weise“ (auch) in die relativ geschützte Rolle eines nicht ohne weiteres des Voyeurismus verdächtigen, kunstinteressierten Beobachters begeben kann.

(Ein zweiter wesentlicher Zugang zu diesem Gesamtvorhaben steht jetzt mit "Schamverlust - eine Selbstverortung" zur Verfügung. Motive und Antrieb für diesen BLOG werden damit ein wenig transparenter und nachvollziehbarer. Auch der am 14.5.2015 in den Blog eingestellte Beitrag "Das Ende" enthält schamrelevante Hinweise.)

Die Rituale des Kunstbetriebs kommen diskreten Verhaltenserwartungen ja auch durchaus entgegen. Legen sie doch keine offene, lauthals geführte Diskussion nahe, sondern erwarten eher die stille, in sich gekehrte Reflexion des Kunstsachverständigen.

Meinen Freundinnen und Freunden und meiner Familie -Teil I

heute möchte ich mit einem Brief danken für die vielen Rückmeldungen, die mich erreicht haben zu meinem Wagnis – neben dem Schreiben – andere Formen der Selbstaussetzung zu erproben. „Selbstaussetzung“ ist schon immer der angemessene Begriff für das, was ich seit zwanzig Jahren praktiziere. Und vermutlich hängt damit auch das Ausmaß an Irritation zusammen, das mir zuweilen signalisiert wird.

Ihr kennt ja alle die Verdichtung meiner Lebensphilosophie auf die Luhmannsche These, dass die Komponenten eines Lebenslaufs aus Wendepunkten bestehen, an denen etwas geschehen ist, was nicht hätte geschehen müssen. Odo Marquardt hat sie zu der schlichten Formel verdichtet, dass wir alle weit mehr unsere Zufälle als unsere Wahl seien. In „Rezos Messlatte“ gibt es einen Hinweis – einen kleinen Aphorismus –, mit dem ich vor 25 Jahren versucht habe, einen Weg zu finden in dieser vom Zufall bestimmten Welt:

Thomas Assheuer: Die Heimsuchung – Mythen und Verschwörungstheorien

Mythen des Alltags und Verschwörungstheorien sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Thomas Assheuer erörtert dies in der aktuellen ZEIT (14/20, S. 49f.) unter dem Titel: „Die Heimsuchung“. Mittelbar schreibt er damit natürlich auch an gegen die von Bernd Ulrich eine Woche zuvor flapsig eingebrachte These, die Klimakrise habe sich ein neues Gesicht gegeben – die langsame Krise sattele auf die schnelle auf, um sich effektiver im kollektiven Gedächtnis zu verankern.

Assheuer beginnt mit den Mythen, wonach Viren kommen, wenn es an der Zeit ist: „Das kulturelle Narrativ ist fast immer identisch. Wie ein feindlicher Agent schleicht sich das Virus in den Alltag und infiziert die gedankenlos durch den Lebensstrom treibenden Menschen mit Krankheit und Tod.“ Viren seien nicht nur unheimlich, sondern auch unheimlich konservativ. Niklas Luhmann hätte seine Freude gehabt an Assheuers Deutungsweise, die Viren erinnerten die Normalbürger an die Vergänglichkeit ihres Daseins und machten ihnen vor allem unbarmherzig klar, „dass es ein Wunder ist, wenn eine so unbegreiflich komplexe Gesellschaft, wie die moderne eine ist, überhaupt funktioniert“.

Noch einmal: Carl Schmitt

- anlässlich des Briefwechsels zwischen Reinhart Kosselleck und Carl Schmitt (Der Briefwechsel, Suhrkamp - Berlin 2019)

Ich zitiere aus einem Briefwechsel mit Winfried Rösler, dem ich im übrigen zu seinem 69sten Geburtstag alles Gute wünsche:

lesen -schreiben - lesen - schreiben und dann unter Luhmanns tröstlicher conditio das Gespräch suchen, wo wir doch wissen: Ein soziales System kann nicht denken, ein psychisches System kann nicht kommunizieren - nur die Kommunikation kann die Kommunikation beeinflussen. Ich möchte einmal kurz illustrieren, auf welch brutal-bedenkliche Weise mir das bei der Lektüre des erwähnten Briefwechsels zwischen Kosselleck und Schmitt deutlich wird. Im Materialienteil (S. 373-391) ist ein Interview enthalten: Reinhart Kosselleck über Carl Schmitt. Interview mit Claus Peppel vom 14. März 1994.

Jetzt fang ich auch noch an zu sprechen - Youtube als Chance und Herausforderung

Viel länger hätte ich sicher nicht warten dürfen - inzwischen erlauben mir die technischen Möglichkeiten und das gegenwärtig bedrängende und alternativlose Social Distancing Dinge anzugehen, zu denen bislang Zeit und Mut fehlte. Bei meinem HNO-Arzt stoße ich immer auf ein kleines bonmot mit großer Botschaft - auf einem Plakat steht zu lesen: Das Nicht-Sehen-Können, also Blindheit trennt von den Dingen, das Nicht-Hören-Können, also Taubheit trennt von den Menschen. Also habe ich mir gedacht, wenn andere ein wenig teilhaben sollen/wollen an deinen Überlegungen, dann entlaste sie vom mühsamen Lesen und gib ihnen was zu hören (wobei die Video-Formate noch den charmant-uncharmanten Nebeneffekt haben, dass man sehen kann, wie alt der Jupp inzwischen geworden ist. Aber gerade der alte Jupp entdeckt mehr und mehr wieder seine kämpferische Ader; außerdem lebt der schon relativ lange sehr zurückgezogen, reist kaum und hat sein Driften im Raum auf einen Bierdeckelradius begrenzt. Deutlich wird das bereits in einem der ersten Videos covid-19.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund