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Maxim Biller und das Tagebuch

Gestern - nein vorgestern (Chronos lässt nicht mit sich spaßen) - haben wir im ganz kleinen Kreis, fast nur Familie, den 64. Geburtstag Claudias gefeiert; drei Wochen nach dem Tod Lisas, Claudias Mutter. Das ist ja vielleicht eine Eintragung wert in (m)ein sogenanntes Tagebuch. Ich stehe, was das Tagebuch anbelangt, unter dem Eindruck der arrogant, dümmlich bis klugen Äußerungen Maxim Billers, der vor wenigen Tagen der NZZ anlässlich seines 60. Geburtstages ein langes, langes Interview gegeben hat. Die Frage, ob er Tagebuch schreibe, hat er nahezu empört zurückgewiesen - mit vielen durchaus überzeugenden und bedenkenswerten Argumenten.

Resonanzen

Weil mir das Schnuppern in Hartmut Rosas Resonanz in den Schoß fiel, und ich dabei entdeckte, dass mir seine Unterscheidungen sowohl taugliche Begriffe für die Einordnung von zuletzt Erlebtem und Erlittenem anboten als auch Abgrenzungsmotive auslösten, hatte ich mich insbesondere mit Rosas horizontalen Resonanzachsen und hier mit der Familie als Resonanzhafen auseinandergesetzt. Die Ergebnisse hatte ich einigen Freunden zukommen lassen - nicht ohne Resonanz (lieber Wolfgang, Dir danke ich für Deine - wie immer instruktive und anregende Rückmeldung - die Lektüre Deiner Rezension des Rosa-Bändchens über Unverfügbarkeit steht auf der Tagesordnung - bis bald, liebe Grüße Jupp).

Hartmut Rosa: Resonanz - Eine Soziologie der Weltbeziehung

Alles in allem 815 Seiten - heute am 14.08.2020 für € 20,- gekauft, bereits 2016 erschienen, nunmehr vorliegend in der 3. Auflage im Suhrkamp-Verlag (stw 2272). Das heißt nicht weniger und nicht mehr, als dass ich es eigentlich noch hätte wahrnehmen und auch rezipieren müssen im vorletzten Jahr meiner Tätigkeit in der Uni an einer der zentralen Nahtstellen der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung.

Inzwischen bin ich jedoch in jeder Hinsicht entschleunigt - zuletzt durch den Tod meiner fast 97jährigen Schwiegermutter; mit ihr gemeinsam habe ich in den letzten drei Jahren versucht, eine Praxis der Entschleunigung zu entwickeln bzw. zu gestalten.

Die endgültige Trauerrede(n) für Lisa - meine Schwiegermutter - mit einer kleinen, aber gewichtigen Ergänzung (11.8.2020 - 5.45 Uhr)

Der letzte Wendepunkt - Zum Tod von Elisabeth Rothmund, unserer Mutter, Schwiegermutter, Oma und Uroma (11.8.20)

Der letzte Wendepunkt im Leben von Elisabeth Rothmund hat sich am 6. August in der Frühe um 9.00 Uhr vollzogen - in den Armen ihrer Tochter Claudia. Ich weiß, dass nicht jeder angesichts des Todes von einem letzten Wendepunkt sprechen würde. Ein alter Freund hat seine Todesanzeige selbst gestaltet und legte dabei Wert auf die Feststellung: „Ins nackte Dasein geworfen, gehen wir ins immerwährende Nichts."

Was bleibt?

Ist die letzte Ahne gegangen, rückt man im generativen Geschehen zwangsläufig in die vorderste Reihe. Die Sorge und die Fürsorge den alten Eltern gegenüber endet mit deren Tod. Man schaut zurück und legt sich Rechenschaft ab. Das eigene Sterben und der eigene Tod treten stärker in den Vordergrund. Und alles, was man angesichts des Todes der Nächsten getan, unterlassen, erlebt, beobachtet und gesagt hat, fällt als Segen oder als Fluch auf einen zurück. Unserem Bestatter und unserem Pfarrer Lucas gegenüber habe ich darum gebeten, mir im Rahmen des Trauergottesdienstes für meine Schwiegermutter die Totenrede zu gestatten, Ihr sozusagen die letzte Ehre zu erweisen. Totenreden sind ein heikles Unterfangen, nicht zuletzt, weil wir uns in der Regel vom nihil nisi bene de mortuis (nichts, wenn nichts Gutes über die Toten) leiten lassen.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund