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Roger Willemsen I

"Doch damit will ich nicht enden, sondern mit jenen Menschen, die ehemals in eine Vorstellung der Zukunft aufbrachen, indem sie, in einen Stahlmantel eingeschlossen, befeuert von einer haushohen Stichflamme explodierenden Treibstoffs in den erdnahen Weltraum katapultiert wurden, jene paar hundert Menschen, die außerhalb der Erdatmosphäre geatmet haben, in der Schwärze des Orbits, in jenem Raum, der solange die Zentralperspektive aller Zukunftsvisionen bildete. Vergessen wir für einen Augenblick das Technische daran und konzentrieren wir uns auf das Ästhetische. Nichts scheint die ersten Weltraum-Reisenden vorbereitet zu haben auf das, was die Anschauung des Alls und der Erde im All in ihnen auslösen würde, demütig und poetisch haben sie sich dem quasi Religiösen einer Erfahrung des Exterritorialen zu stellen versucht und wieder einen ersten Blick geworfen.

Der Tod das Gebirg des Seyn im Gedicht der Welt

Hallo Rudi,

eine Woche vergeht wie im Flug. Ich habe mich soeben - aus dem Laubenhof kommend - Deiner Mail erinnert. Es ist irgendwie befremdlich die Grußkarte aus Juist neben der Todesanzeige für Deinen ehemaligen Kollegen zu sehen; vermutlich, weil mir dieser Kollege immer merkwürdig fremd geblieben ist. Aber Deine Mail ist mir heute ein Anlass, Deine Gedanken aufzugreifen. In Zeiten der Sprachverarmung und -verkümmerung mahnen mich Heideggers sprachschöpferische Anstrengungen - und inzwischen der für mich fremde Blick Jean Baudrillards, der mich ins Vertrauen zieht.

Es ist der Mühe wert

Andreas Mühe hat diesen neuerlichen Versuch ausgelöst, sich mit "Fluch und Segen" der eigenen Familie auseinanderzusetzen - mit "dem Schönsten" und ich füge hinzu: mit dem Hässlichsten, was uns in Gestalt von Familiendynamiken widerfährt. Widerfahren scheint mir ein passender Begriff, um der Ohmächtigkeit das Wort zu reden, die uns anfällt, ja anfrisst angesichts des vermeintlich Unabänderlichen, das sich in uns, um uns herum unaufhaltsam vollzieht: Ich verändere nichts, aber mich verändert alles! Diesere Aphorismus wird Martin Walser zugeschrieben. Ich übernehme ihn hier als ein Lebensgefühl, über dessen Berechtigung nicht wir entscheiden werden, sondern die uns Nachfolgenden.

Andreas Mühe belohnt mich für meine Mühe

Bei meinen Versuchen mich in der Welt über die Welt zu orientieren spielt auch das ZEIT-Magazin (hier N°27/2018) immer wieder mal eine Rolle. Wie weiland den SPIEGEL beginne ich das ZEIT-Magazin immer von hinten: "DAS WAR MEINE RETTUNG" - in aller Kürze - beschränkt auf eine Seite - führen Khue Pham, Herlinde Koelbl, Louis Lewitan, Evelyn Finger, Anna Kemper, Ijoma Mangold und Christine Meffer Interviews mit prominenten Zeitgenoss(inn)en und thematisieren dabei Wendepunkte in deren Leben.

Im aktuellen Magazin stellt sich Andreas Mühe den Fragen Khue Phams. Hier ist es schon allein der Name, der elektrisiert, und ich versuche spontan im Überfliegen des Textes herauszufinden, ob dieser Andreas Mühe zum Mühe-Clan gehört, der seine Wurzeln in der DDR hat.

Die ewige Wiederkunft des Gleichen (als Grundlage höchster Lebensbejahung)

"Das größte Schwergewicht- - Wie, wenn dir eines Tages oder Nachts, ein Dämon in deine einsamste Einsamkeit nachschliche und dir sagte: 'Dieses Leben, wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und unzuählige Male leben müssen; und es wird nichts Neues daran sein, sondern jeder Schmerz und jede Lust und jeder Gedanke und Seufzer und alles unsäglich Kleine und Große deines Lebens muss dir wieder kommen, und alles in derselben Reihe und Folge -  und ebenso diese Spinne und dieses Mondlicht zwischen den Bäumen, und ebenso dieser Augenblick und ich selber. Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht - und du mit ihr Stäubchen vom Staube!' Würdest du dich nicht niederwerfen und mit den Zähnen knirschen und den Dämon verfluchen, der so redete? 

   

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