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Ich habe Fehler gemacht - Eine Entschuldigung

Ich habe einen Fehler gemacht. Fehler taugen im besten Falle dazu die (Auf-)klärung von Klärungsbedürftigem zu befördern. Eine Entschuldigung für die von mir gemachten Fehler liegt hauptsächlich in dem Umstand begründet, dass ich in den ersten Tagen nach dem 14. Juli nicht in der Lage war, meine Aussagen sine ira et studio – ohne Zorn und Leidenschaft – und viel eher mit Abstand und Gelassenheit in die Welt zu tragen. Es waren eher beiläufige, unbedachte Äußerungen im sozialen Umfeld, die eine Dynamik und Eskalation zur Folge hatten, die so sicherlich niemand beabsichtigt hat(te).

Spendenflut von Anna Mayr ZEIT 32/21, Seite 2 - mein Leserbrief dazu

Wir benötigen auch das: die nüchterne, abgeklärte Analyse aus der räumlichen und emotionalen Distanz heraus. Ich war sieben Tage in meiner Heimatstadt Bad Neuenahr, in der meine Herkunftsfamilie gleich drei Mal betroffen ist, als Helfer. Inzwischen erhole ich mich auf der Insel Juist und genieße das ewige Wechselspiel von Ebbe und Flut. Während ich hier schreibe, kämpfen meine Verwandten weiter um eine Zukunftsperspektive – unterstützt von Profis und vielen freiwilligen Helfern. Es geht mir um einen Kerngedanken, den ich bei Anna Mayer – ernüchtert – aufgreife, und den ich vertiefen möchte; sie schreibt sozusagen krisenübergreifend und krisenverlaufstypisch:

Nachdenkliches - Kurz vor Schluss - Freundschaft als tätige Praxis

  • Was hat in einem langen Leben Bestand?

Uns alle treibt zuweilen die Frage um, was einem langen Leben - bei allen Brüchen und Irritationen - Kontinuität und Sinn verleiht. Nähert man sich dem siebzigsten Geburtstag, hat man schon ein langes Leben gehabt, und die Antworten auf die zentrale Frage nach Kontinuität und Sinn zwingen sich mehr oder weniger auf, denn für einen radikalen Kursschwenk mangelt es oft genug schlicht an Zukunft; eine Tatsache, die sich schon allein empirisch aus rein statistisch veritablen Erkenntnissen speist.

Auf die Flutwelle folgt eine gigantische Welle der Hilfe – auch aus Güls – erscheint am 10.8.21 im Gölser Blättche

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli begräbt eine Flutwelle das Ahrtal unter sich. Sie verwüstet das Tal von Schuld bis zur Mündung bei Sinzig in den Rhein. Inzwischen wissen wir, dass in dieser Nacht nahezu 200 Menschen ihr Leben verlieren – tausende verlieren ihre Häuser, ihren Hausstand und ihre materielle Existenzgrundlage.

Ich habe in Bad Neuenahr – am heutigen Apollinarisstadion – in der Kreuzstraße meine Kindheit und Jugend verbracht; dort stehen bis heute die Elternhäuser meiner Mutter und meines Vaters. Im umgebauten und renovierten Elternhaus meiner Mutter wohnt meine Cousine Gaby (wir beide haben im Zeittakt von wenigen Stunden - am 20. und 21. Februar das Licht der Welt erblickt). Wenige hundert Meter entfernt – in der Apollinarisstraße lebt meine Schwägerin.

Schreiben ist Selbstermächtigung - wir begegnen uns wieder jenseits der virtuellen Welt, im wirklichen Leben

Gestern haben wir uns mit  a l t e n  Freunden* - Marisa und Peter - getroffen, zuerst in Winnigen in der alten Gutsschenke bei Stefan Pohl und dann - ganz unverhofft - bei Laura und Thomas; apropos alte Freunde*: Es ist schon einen Asbach-Uralt wert, wenn man auf mehr als 40 Jahre Freundschaft und Verbundenheit zurückblicken kann. Da darf man auch die Frage stellen: "Wie haben wir das eigentlich geschafft?" Wir sind erst gegen Mitternacht auseinandergegangen, bereichert und beglückt, dass man sich wieder unmittelbar begegnen kann. Mit Birthe - wir nennen sie liebevoll Ikea - ergab sich ein Gespräch, was uns gegenwärtig so umtreibt und beschäftigt. Im Nachgang ist sind mir folgende Gedanken und Anregungen eingefallen:

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund