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Gebrauche niemals den Imperativ!

Eine weitere Hommage an Niklas Luhmann - dieses Mal über den auch schon 2004 verstorbenen Dietrich Schwanitz

Dietrich Schwanitz? Natürlich! Der Campus (Frankfurt 1995) – der ein oder die andere wird sich an Sönke Wortmanns Verfilmung von Schwanitzens Erstling (mit Heiner Lauterbach, Axel Milberg, Martin Benrath, Barbara Rudnik und Sibylle Canonica) erinnern; eine Posse, eine Satire auf den Mikrokosmos Universität. Ich komme vielleicht darauf zurück; oder Schwanitzens umstrittene Vorstellung von "Bildung". Mich hat Schwanitz beeindruckt mit seiner ganz persönlichen Totenrede auf Niklas Luhmann (vorliegend nur im Rahmen der Hördokumentation: Freiburger Reden - Denker auf der Bühne: Niklas Luhmann - Beobachtungen der Moderne, vertrieben  vom Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg - die anderen Vorträge sind 2010 unter dem Titel: Luhmann-Lektüren im Berliner Kadmos Verlag erschienen). Schwanitz vergleicht Luhmann mit Shakespeare und Shakespeare mit Luhmann. In diesem dreiviertelstündigen Vortrag geht er u.a. auf Luhmanns Kommunikationstheorie ein. Ich inszeniere mein allseits bekanntes Interviewdesign auf der Grundlage des von mir erstellten Transskripts und beginne mit dem Verweis, dass Niklas Luhmann die Kommunikation als die „Grundoperation sozialer Systeme“ versteht (vgl. auch die "Luhmannsche Lektion").

Diesmal muss ich es selbst machen. Adrian steckt nicht tief genug in der Materie. Er hat in Paris einen Kongress zu Ehren von Jürgen Habermas besucht und bemüht sich noch die konsensorientierte Verstehenes-Dimension in Habermasens Theorie des kommunikativen Handelns zu ergründen; verstanden hat er allerdings kaum etwas – der Großteil der Vorträge lief auf französisch.

Weihnachten 2018

Wenn ich noch einmal Kind sein dürfte - Meine Weihnachtsgeschichte 2016

(in Anknüpfung an ein altes Motiv aus: Komm in den totgesagten Park und schau, S. 172 und als Brücke zu einer neuen Auseinandersetzung mit "Hildes Geschichte")

Teil I: Wenn ich noch einmal Kind sein dürfte

Weihnachten 2014 1

Nun begründe ich also auch hier eine kleine Tradition. Meine Weihnachtsgeschichte 2015 - also das, was ich vor gut einem Jahr hier aufgschrieben habe- lass ich unverändert stehen. So halte ich es auch 2017 - allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass ich auch die "alte" Weihnachtsgeschichte einer redaktionellen Frischkur unterziehe. Das erste Wort zur "alten" Weihnachtsgeschichte ist rot unterlegt:

Schon 2016 war kein leichtes Jahr. Selbst die Geburt von Mathilde weckte zuallererst unsere Urängste; als Frühchen mit unter 1000g Geburtsgewicht meistert sie aber unterdessen ihren Weg ins Leben auf beeindruckende Weise. Der zweite bleibende Eindruck verband sich mit dem allzufrühen Tod von Andreas Krawitz.Sein Tod löste für mancheinen von uns einen nachhaltigen Schock aus, während ich der Auffassung war, dass Abschiede wie der von Hilde Ackermann oder von Wilfried Jansen ehr etwas Tröstliches hatten.

Da Geheimnis unserer Worte - oder: Wer ist eigentlich Harald Schmidt?

(ausgelöst durch die ZEIT, 51/2014 - Wissen, Seite 35 "Das Geheimnis unserer Worte") 

Wie tröstlich! Seit geraumer Zeit verstärkt sich schon der Eindruck, dass das Internet zunehmend ein Raum der Freiheit wird. In dem Maß wie sich internetgestützte Kommunikation als galaktisches Rauschen zu einer radikalen Variante einer ozeanischen Unübersichtlichkeit ausdifferenziert, dehnen sich die Freiheitsgrade ins Unendliche - allerdings nur in den letzten halbwegs zivilisierten Bastionen der westlichen Welt, in denen ein jeder - trotz NSA - sein Ding machen kann.

Allerdings wird diese Freiheit nun bedroht durch Erkenntnisse der Psychologie, die sich ja schon seit mehr als hundert Jahren müht, unser Eigentliches zu enthüllen. Ich vertrete in dieser Hinsicht mit Niklas Luhmann eine radikale Variante in der Abgrenzung von der Psychologie, indem ich seiner Auffassung folge, dass es "für eine Wissenschaft vom Menschen genug Wissen gibt und zwar, wenn man von der Psychologie absieht, allgemeines Wissen, das nicht im Verdacht steht, Vorurteile über den Menschen zu tansportieren" (Niklas Luhmann: Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Frankfurt 2002, S. 22).

Hommage an Charly, Biene und Vasco - nun ist auch Biene schon ein Jahr tot

Und es ist eine Menge passiert im Verlauf dieses Jahres. Ums Verschwinden aus dieser Welt geht es und überhaupt um die Frage, worum es eigentlich geht, geht es; heraus kommt Besinnliches und die ein oder andere Mahnung. Hilfreich wie immer bleibt die Luhmannsche Lektion und zuletzt Odo Marquard. Ich bin halt ein intellektueller Vagabund ohne Imperativ.

"Das Sterben ist eine große, schwierige Sache. Anders wäre es kaum erklärlich, dass die Philosophie seit der Antike, verkürzt gesagt, das Leben als eine einzige Einübung darauf begreift. Dafür werden 'Gelassenheit, 'Unerschütterlichkeit' oder 'Zuversicht' geltend gemacht." So der programmatische Ausgangspunkt von Edo Reents am 22.11.14 in der FAZ im Zuge seiner Beteiligung am Diskurs über gesetzliche Regelungen zur Sterbehilfe: "Das Sterben ist kein Wunschkonzert". Ich habe in meiner Reaktion darauf gefragt, wie denn diese drei Grundtugenden Geltung erlangen, und ich habe meine Antwort darauf gefunden. Und natürlich frage ich mich, ob auch bei Tieren, bei Hunden, bei unserer Biene das Sterben eine große, schwierige Sache ist/war. Und meine klare Antwort lautet: Nein! Damit will ich keineswegs sagen, dass Tiere, dass Hunde, dass unsere Biene (über) keine tiefe Empfindungswelt verfügen, dass sie sie nicht offenbaren - das ganze Gegenteil ist der Fall. Und dennoch: Bienes Leiden spiegelt sich in erster Linie in unseren Empfindungen und in unserem Schmerz, der beträchtlich ist. Aber wir - Claudia, Laura, Anne und ich - sind uns sicher, die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getroffen zu haben und in Frau Nüsslein, unserer Tierärztin, eine einfühlsame, sachkundige Begleiterin gefunden zu haben, die eben dann auch das richtige zum richtigen Zeitpunkt getan hat. Dafür sei ihr an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.

Als mein Vater beinahe Klaus Harpprecht das Leben gerettet hätte

Klaus Harpprecht ist Jahrgang 1927 und legt nunmehr 2014 seine Memoiren vor - er kann sie vorlegen. Er hat seine Zeit als Soldat 1944/45 überlebt. Im Vorabdruck in der ZEIT (50/2014, S. 55) - wo sonst? werden folgende Erinnerungen an den existentiellen Wendepunkt des Überlebens widergegeben:

 Bei der Flucht vor amerikansichen Truppen eine Anhöhe hinauf, die schon fast geschafft war, traf Klaus Harpprecht "ein barbarischer Schlag auf die rechte Schulter, als träfe mich der dickste aller Schmiedehämmer". Harpprecht schreibt weiter: "Die Wucht des Aufpralls warf mich in die Furche. Vermutlich schrie ich. Blut. Ich wusste nicht weiter. Würden meine Beine gehorchen? Plötzlich neben mir ein Soldat, Unteroffizier. Das Gesicht, das ich mir heute zurechtdenke, gehört zu einem Dreißig-, Fünfunddreißigjährigen. Runde Brille unterm Stahlhelm. Er half mir auf. Die Beine trugen. Sprang mit mir drei oder vier Meter. Ein Wunder: Nur wenige Geschosse zischten vorbei. Ein zweiter Sprung. Ein dritter: Wir hatten es geschafft. Rollten ein paar Meter auf der geschützten Seite des Hanges hinab. Der Mann gab mir Schnaps aus seiner Feldflasche. Ich kotzte. Er bestand auf weiteren Schlucken, und ich begann, Leben zu fühlen. Der Mann riss meine Jacke auf und versuchte, die Einschusswunde mit seinem Taschentuch zu stopfen. Er murmelte, dass unten am Donauuver gewiss eine Sanitätsstation sei. War vom Blutverlust geschwächt. Er legte meinen heilen Arm um seinen Hals, zur Stütze, und so humpelten wir talwärts. Der Mann ließ keine zu langen Pausen zu, weil ich zu viel Blut verlöre.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund