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Was ich Ulrich Beck zu verdanken habe

Soeben erhalte ich von Rudi Krawitz eine e-mail:

"Lieber Jupp,
...jetzt gehen sie allmählich alle, die Großen...
Gruß Rudi"

Mir war diese Nachricht tatsächlich während meiner intensiven Beschäftigung mit "Carlottas Auftrag" entgangen. Erst jetzt wird mir klar, wie sehr Ulrich Becks Theoriebausteine "eigenen Lebens" mit Carlottas Auftrag zusammenhängen!

Ulrich Becks Theoriebausteine „eigenen Lebens“

Ulrich BeckUlf Erdmann Ziegeler: eigenes Leben – Ausflüge in die unbekannte Gesellschaft, in der wir leben, München 1997

Wer sich mit der Gesellschaftstheorie Niklas Luhmanns auseinandersetzt, stößt unmittelbar auf die grundlegende Unterscheidung von System und Umwelt und die meistenteils mit Unverständnis aufgenommene Platzierung des Menschen in der Umwelt von Gesellschaft. Hier wird nur Bezug genommen, auf die damit verbundene, nüchterne Feststellung, dass soziale Systeme sich ausschließlich über Kommunikationen (Kommunikationen, die an Kommunikationen, die an Kommunikationen... anschließen) reproduzieren, während Menschen als bewusstseinsbasierte oder psychische Systeme ausschließlich im Modus von Gedanken, die an Gedanken, die an Gedanken... anschließen, operieren. Beide Systeme sind gegeneinander abgeschlossen und Luhmann hat den Begriff der „strukturellen Koppelung“ von Maturana übernommen oder greift auf den Begriff der „Interpenetration“ zurück, um registrieren zu können, dass psychische und soziale Systeme Formen des Austauschs kreieren (siehe auch den Beitrag im Zusammenhang mit der Totenrede von Dietrich Schwanitz auf Niklas Luhmann).

Carlottas Auftrag - Ein Buch von Julia Jawhari

Wir alle haben einen Lebensauftrag - Unser Neujahrstag mit Carlotta (der Tag, an dem Ulrich Beck verstarb)

Wir sind sehr spät an diesem Neujahrstag 2015 aufgestanden - für unsere Verhältnisse ungewöhnlich spät. Wir gönnen uns ein ausgedehntes Frühstück, besuchen Lisa, Claudias Mutter, meine Schwiegermutter, die Großmutter von Laura und Anne auf dem Heyerberg, beglücken sie mit Christstollen. Sie bedankt sich sehr herzlich und wünscht uns ein gutes neues Jahr. Wir unternehmen zum zweiten Mal einen ausgedehnten Spaziergang über den Heyerberg - ohne unsere Biene. Auf dem Weg nach Hause besuchen wir Leo auf dem Gülser Friedhof. Dort begegnen wir Rebecca und Berti, der sich vor einem 10wöchigen Schiffstripp rund um Südamerika verabschiedet; wir begegnen Gülsern, die wir nur vom Sehen kennen, wünschen Ihnen ein gutes, neues Jahr, nehmen Neujahrswünsche entgegnen und freuen uns auf einen Kakao vor dem Kamin - und vor allem auf die zweite Runde zu "Carlottas Auftrag" (von Julia Jawhari: BoD-Books on Demand, Norderstedt: ISBN: 978-3-7386-0314-9).

Rudi hat mir bei unserem letzten Treffen vor Weihnachten Julias Geschichte von Carlotta geschenkt, und nach unserem Frühstückseinstieg mit den ersten 60 Seiten lege ich gegen 18 Uhr das Buch zutiefst beglückt und beeindruckt zur Seite. Dieser Beglückung möchte ich hier einen ersten Ausdruck geben: Es waren und bleiben in dieser "Geschichte über das Leben und seine Veränderungen, über Liebe und Freundschaft" nicht nur "die wichtigsten Fragen überhaupt, die einen, wenn man sie sich einmal gestellt hat, einfach nicht mehr loslassen", sondern es ist die Geschichte selbst, die uns in ihrer Schlichtheit und mit ihrem Blick fürs Wesentliche und Subtile gleichermaßen nicht mehr loslässt bis zu ihrem letzten, nein bis zu ihrem vorletzten Satz:

Gebrauche niemals den Imperativ!

Eine weitere Hommage an Niklas Luhmann - dieses Mal über den auch schon 2004 verstorbenen Dietrich Schwanitz

Dietrich Schwanitz? Natürlich! Der Campus (Frankfurt 1995) – der ein oder die andere wird sich an Sönke Wortmanns Verfilmung von Schwanitzens Erstling (mit Heiner Lauterbach, Axel Milberg, Martin Benrath, Barbara Rudnik und Sibylle Canonica) erinnern; eine Posse, eine Satire auf den Mikrokosmos Universität. Ich komme vielleicht darauf zurück; oder Schwanitzens umstrittene Vorstellung von "Bildung". Mich hat Schwanitz beeindruckt mit seiner ganz persönlichen Totenrede auf Niklas Luhmann (vorliegend nur im Rahmen der Hördokumentation: Freiburger Reden - Denker auf der Bühne: Niklas Luhmann - Beobachtungen der Moderne, vertrieben  vom Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg - die anderen Vorträge sind 2010 unter dem Titel: Luhmann-Lektüren im Berliner Kadmos Verlag erschienen). Schwanitz vergleicht Luhmann mit Shakespeare und Shakespeare mit Luhmann. In diesem dreiviertelstündigen Vortrag geht er u.a. auf Luhmanns Kommunikationstheorie ein. Ich inszeniere mein allseits bekanntes Interviewdesign auf der Grundlage des von mir erstellten Transskripts und beginne mit dem Verweis, dass Niklas Luhmann die Kommunikation als die „Grundoperation sozialer Systeme“ versteht (vgl. auch die "Luhmannsche Lektion").

Diesmal muss ich es selbst machen. Adrian steckt nicht tief genug in der Materie. Er hat in Paris einen Kongress zu Ehren von Jürgen Habermas besucht und bemüht sich noch die konsensorientierte Verstehenes-Dimension in Habermasens Theorie des kommunikativen Handelns zu ergründen; verstanden hat er allerdings kaum etwas – der Großteil der Vorträge lief auf französisch.

Weihnachten 2016

Wenn ich noch einmal Kind sein dürfte - Meine Weihnachtsgeschichte 2016

(in Anknüpfung an ein altes Motiv aus: Komm in den totgesagten Park und schau, S. 172 und als Brücke zu einer neuen Auseinandersetzung mit "Hildes Geschichte")

Teil I: Wenn ich noch einmal Kind sein dürfte

Weihnachten 2014 1

Nun begründe ich also auch hier eine kleine Tradition. Meine Weihnachtsgeschichte 2015 - also das, was ich vor gut einem Jahr hier aufgschrieben habe- lass ich unverändert stehen. So halte ich es auch 2017 - allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass ich auch die "alte" Weihnachtsgeschichte einer redaktionellen Frischkur unterziehe. Das erste Wort zur "alten" Weihnachtsgeschichte ist rot unterlegt:

Schon 2016 war kein leichtes Jahr. Selbst die Geburt von Mathilde weckte zuallererst unsere Urängste; als Frühchen mit unter 1000g Geburtsgewicht meistert sie aber unterdessen ihren Weg ins Leben auf beeindruckende Weise. Der zweite bleibende Eindruck verband sich mit dem allzufrühen Tod von Andreas Krawitz.Sein Tod löste für mancheinen von uns einen nachhaltigen Schock aus, während ich der Auffassung war, dass Abschiede wie der von Hilde Ackermann oder von Wilfried Jansen ehr etwas Tröstliches hatten.

Da Geheimnis unserer Worte - oder: Wer ist eigentlich Harald Schmidt?

(ausgelöst durch die ZEIT, 51/2014 - Wissen, Seite 35 "Das Geheimnis unserer Worte") 

Wie tröstlich! Seit geraumer Zeit verstärkt sich schon der Eindruck, dass das Internet zunehmend ein Raum der Freiheit wird. In dem Maß wie sich internetgestützte Kommunikation als galaktisches Rauschen zu einer radikalen Variante einer ozeanischen Unübersichtlichkeit ausdifferenziert, dehnen sich die Freiheitsgrade ins Unendliche - allerdings nur in den letzten halbwegs zivilisierten Bastionen der westlichen Welt, in denen ein jeder - trotz NSA - sein Ding machen kann.

Allerdings wird diese Freiheit nun bedroht durch Erkenntnisse der Psychologie, die sich ja schon seit mehr als hundert Jahren müht, unser Eigentliches zu enthüllen. Ich vertrete in dieser Hinsicht mit Niklas Luhmann eine radikale Variante in der Abgrenzung von der Psychologie, indem ich seiner Auffassung folge, dass es "für eine Wissenschaft vom Menschen genug Wissen gibt und zwar, wenn man von der Psychologie absieht, allgemeines Wissen, das nicht im Verdacht steht, Vorurteile über den Menschen zu tansportieren" (Niklas Luhmann: Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Frankfurt 2002, S. 22).

   

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