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An mein Patenkind David und seine Braut Marion

Koblenz, den 30. Mai 2015

Liebe Marion, lieber David,

heute schreiben wir den 30. Mai 2015 – ein Datum, das in Euer beider künftiges Leben tief eingeschrieben sein wird als der Tag, an dem Ihr Eure Liebe öffentlich bekannt und besiegelt habt. Der schönste Tag im Leben von zwei Menschen, die nichts sehnlicher wünschen, als Ihren Weg gemeinsam zu gehen und die in die Welt rufen:

„Seht, wir zwei gehören zusammen, und außer uns gibt es nur noch den

Rest der Welt!“

Wir – Claudia und ich (aber ich denke auch alle anderen) möchten uns bei Euch bedanken, dass wir heute zu diesem Rest der Welt dazu gehören dürfen.

Wir – das sind vor allem wir Alten – und zu uns Alten werde ich noch ein paar Worte verlieren – schauen auf Euch mit Freude und Wohlgefallen! Obwohl die Welt, in die Ihr geboren worden seid und durch die Ihr Euer Ehe-Schiff steuern werdet, vielleicht nicht die beste aller Welten ist.

Die Unhintergehbarkeit von Exklusionen und das Kommunizieren darüber - Warum ich Bianca Meyer verstehen kann!

Rudolf Stichweh (Inklusion und Exklusion - Studien zur Gesellschaftstheorie, Bielefeld 2005) versucht  im Schlusskapitel seines Buches "Inklusion und Exklusion" einen Überblick zu geben über "Logik und Entwicklungsstand einer gesellschaftstheoretischen Unterscheidung" (a.a.O. S. 179-199). Unter den Punkten III-V thematisiert er (au S. 184-187) folgende Aspekte: "Die Unhintergehbarkeit von Exklusionen", "Kommunikation als operativer Vollzug" sowie "Die strukturelle Verortung des 'Nein' in der modernen Gesellschaft". Die Wiedergabe der folgenden längeren Passage lohnt in mehrfacher Hinsicht - vom Verstehen Bianca Meyers bis hin zur Beleuchtung unvermeidbarer Exklusionseffekte im Kontext universitärer Stellenausschreibungen:

In Sprache mutiert Gesellschaft - Zur unvermeidbaren Unschärferelation begrifflicher Unterscheidungen! Inklusion zwischen Politik-, Wissenschafts- und Erziehungssystem

Inklusion - nehmen wir einmal die über google am häufigsten aufgerufene Erklärung der "Aktion Mensch": "Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion." Und auf derselben Seite lesen wir: "Es geht um Menschenrechte. Einen wichtigen Meilenstein bei der Umsetzung von Inklusion markiert die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland im Jahr 2009 in Kraft trat. Damit sind die Forderungen des internationalen Übereinkommens rechtlich verankert. Das reicht allerdings nicht aus. Um Denken und Handeln zu verändern, bedarf es weitaus mehr. Es muss auch jedem bewusst sein, wie wichtig Inklusion für das gesellschaftliche Miteinander ist. Sie kann nur dann gelingen, wenn möglichst viele Menschen erkennen, dass gelebte Inklusion den Alltag bereichert – weil Unterschiede normal sind."

Pardon wird nicht gegeben - die Sache mit dem "Referenzrahmen"

Sönke Neitzels und Harald Welzers Schlüsselargument des Referenzrahmens, die Aufzeichnungen Hans Graf Lehndorffs aus den Jahren 1945-1947 und Giorgio Agambens Blick auf das Lager als "Nomos der Moderne" (Idomeni wird zum Synonym des Lagers im 21. Jahrhundert). Und mit Heinrich Gerlach stelle ich die Frage, was Stalingrad mit all dem zu tun haben könnte.

Das programmatisch-theoretische Einführungskapitel in „Soldaten" (Sönke Neitzel und Harald Welzer, Frankfurt 2011) ist überschrieben mit dem Titel: „Der Referenzrahmen des ‚Dritten Reiches'". Beide gehen davon aus, dass die Sozial- und Kulturgeschichte des ‚Dritten Reiches' gut dokumentiert ist. Hinsichtlich des sich entwickelnden Referenzrahmens des ‚Dritten Reiches' heben sie zwei besondere Aspekte hervor: „Der erste Aspekt ist die sich mit der ‚Judenfrage' sukzessiv etablierende Vorstellung, Menschen seien kategorial ungleich (a.a.O, S. 48)." Der zweite Aspekt resultiert nach Neitzel/Welzer aus dem nationalsozialistischen Alltag: „Die Forschung neigt dazu, die symbolischen Formen gesellschaftlicher Praxis – also etwa ‚Ideologien', ‚Weltanschauungen', ‚Programmatik' zu untersuchen und dabei zu übersehen, dass die sozialen Praktiken des Alltags eine weit stärkere formative Wirkung haben – unter anderem deswegen, weil sie nicht reflexiv zugänglich sind.

Gibt es etwas Neues beim Vermessen der Lust?

"Mein Sex! Selbstbewusst, mutig, tabulos!" Das ist die Ergebnisliste in Kurzform, die der SPIEGEL (21/2015, S. 102-110) in seiner neuesten Ausgabe gewissernmaßen als Headline montiert. Aber ist denn nicht schon alles gesagt? Vielleicht kann man - was man weiß bzw. was man wissen könnte - immer wieder anders sagen. Der achtköpfige Thinktank in Sachen Sex beginnt jedenfalls mit einer Fragebatterie, die Frauen und Männer gleichermaßen neugierig machen könnte:

"Sind die Frauen heute alle aufgeklärt und selbstbestimmt, gieren sie nach Sex wie die Kerle, lieben sie Pornos und vergnügen sie sich mit erotischen Spielen jeder Variante? Oder sind sie immer noch das prüdere Geschlecht, diejenigen, die darauf warten, erwählt zu werden, statt selbst auszusuchen? Geht es den Frauen am Ende gar nicht so sehr um Sex, sondern vielmehr oder immer noch um die große Liebe? Und schließlich bekommen sie, was sie wollen?"

Dass die Wissenschaft seit geraumer Zeit versucht, diese Fragen zu beantworten - "ohne Scheu, ohne Stereotype" - ist möglicherweise die eigentliche Botschaft. Die AutorInnen weisen wohl zu Recht darauf hin, dass Befragungen zum "Thema Sex" häufig unzuverlässig seien und Modetrends folgten. Sie beziehen sich in ihrer Analyse auf eine Längsschnittstudie - "Studentische Sexualität im Wandel" -, bei der Frauen und Männer im Jahr 1966 erstmals zu ihrem Liebesleben befragt wurden. Der zentrale Befund:

   

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