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In Sprache mutiert Gesellschaft - Zur unvermeidbaren Unschärferelation begrifflicher Unterscheidungen! Inklusion zwischen Politik-, Wissenschafts- und Erziehungssystem

Inklusion - nehmen wir einmal die über google am häufigsten aufgerufene Erklärung der "Aktion Mensch": "Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion." Und auf derselben Seite lesen wir: "Es geht um Menschenrechte. Einen wichtigen Meilenstein bei der Umsetzung von Inklusion markiert die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland im Jahr 2009 in Kraft trat. Damit sind die Forderungen des internationalen Übereinkommens rechtlich verankert. Das reicht allerdings nicht aus. Um Denken und Handeln zu verändern, bedarf es weitaus mehr. Es muss auch jedem bewusst sein, wie wichtig Inklusion für das gesellschaftliche Miteinander ist. Sie kann nur dann gelingen, wenn möglichst viele Menschen erkennen, dass gelebte Inklusion den Alltag bereichert – weil Unterschiede normal sind."

Pardon wird nicht gegeben - die Sache mit dem "Referenzrahmen"

Sönke Neitzels und Harald Welzers Schlüsselargument des Referenzrahmens, die Aufzeichnungen Hans Graf Lehndorffs aus den Jahren 1945-1947 und Giorgio Agambens Blick auf das Lager als "Nomos der Moderne" (Idomeni wird zum Synonym des Lagers im 21. Jahrhundert). Und mit Heinrich Gerlach stelle ich die Frage, was Stalingrad mit all dem zu tun haben könnte.

Das programmatisch-theoretische Einführungskapitel in „Soldaten" (Sönke Neitzel und Harald Welzer, Frankfurt 2011) ist überschrieben mit dem Titel: „Der Referenzrahmen des ‚Dritten Reiches'". Beide gehen davon aus, dass die Sozial- und Kulturgeschichte des ‚Dritten Reiches' gut dokumentiert ist. Hinsichtlich des sich entwickelnden Referenzrahmens des ‚Dritten Reiches' heben sie zwei besondere Aspekte hervor: „Der erste Aspekt ist die sich mit der ‚Judenfrage' sukzessiv etablierende Vorstellung, Menschen seien kategorial ungleich (a.a.O, S. 48)." Der zweite Aspekt resultiert nach Neitzel/Welzer aus dem nationalsozialistischen Alltag: „Die Forschung neigt dazu, die symbolischen Formen gesellschaftlicher Praxis – also etwa ‚Ideologien', ‚Weltanschauungen', ‚Programmatik' zu untersuchen und dabei zu übersehen, dass die sozialen Praktiken des Alltags eine weit stärkere formative Wirkung haben – unter anderem deswegen, weil sie nicht reflexiv zugänglich sind.

Gibt es etwas Neues beim Vermessen der Lust?

"Mein Sex! Selbstbewusst, mutig, tabulos!" Das ist die Ergebnisliste in Kurzform, die der SPIEGEL (21/2015, S. 102-110) in seiner neuesten Ausgabe gewissernmaßen als Headline montiert. Aber ist denn nicht schon alles gesagt? Vielleicht kann man - was man weiß bzw. was man wissen könnte - immer wieder anders sagen. Der achtköpfige Thinktank in Sachen Sex beginnt jedenfalls mit einer Fragebatterie, die Frauen und Männer gleichermaßen neugierig machen könnte:

"Sind die Frauen heute alle aufgeklärt und selbstbestimmt, gieren sie nach Sex wie die Kerle, lieben sie Pornos und vergnügen sie sich mit erotischen Spielen jeder Variante? Oder sind sie immer noch das prüdere Geschlecht, diejenigen, die darauf warten, erwählt zu werden, statt selbst auszusuchen? Geht es den Frauen am Ende gar nicht so sehr um Sex, sondern vielmehr oder immer noch um die große Liebe? Und schließlich bekommen sie, was sie wollen?"

Dass die Wissenschaft seit geraumer Zeit versucht, diese Fragen zu beantworten - "ohne Scheu, ohne Stereotype" - ist möglicherweise die eigentliche Botschaft. Die AutorInnen weisen wohl zu Recht darauf hin, dass Befragungen zum "Thema Sex" häufig unzuverlässig seien und Modetrends folgten. Sie beziehen sich in ihrer Analyse auf eine Längsschnittstudie - "Studentische Sexualität im Wandel" -, bei der Frauen und Männer im Jahr 1966 erstmals zu ihrem Liebesleben befragt wurden. Der zentrale Befund:

Lieber Bert, kann man das Ende verschieben oder gar aussetzen?

Ich bin inzwischen 63 Jahre alt und habe im steten Leben ein unstetes geführt. Dankbar bin ich allen bedeutsamen anderen dafür, dass mit zunehmendem Alter ein stetes Leben die Planken findet, an denen Orientierung möglich ist. Ihr wisst, wie sehr ich Niklas Luhmanns Sicht folge, wonach der Lebenslauf eine Form darstellt, dessen Elemente aus Wendepunkten bestehen, an denen etwas geschehen ist, was nicht hätte geschehen müssen. Vor mehr als 20 Jahren ist jener Wendepunkt zu markieren, in dessen Folge - vor allem im Rückblick - eine Fokussierung auf Wendepunkte einsetzt, immer verbunden mit der Frage, welche Ressourcen, welche Formen von Resilienz, die Wende (m)eines Lebenslaufs an einem jeweiligen Tiefpunkt ermöglichen. Gunthard Weber war mir ein wichtiger Begleiter in der tiefsten Orientierungslosigkeit. Ihm ist zu danken, dass aus den Hellingerschen Einsichten keine Ideologie geworden ist, sondern eine Haltung, wie sie am Ende im "Rasthaus" (siehe "Hildes Geschichte", S. 3 und 4) sichtbar wird:

"Wie er so dasitzt, fühlt er sich wohl in seinem Haus und weiß sich eins mit allen, die kamen und kommen und brachten und bringen und blieben und bleiben und gingen und gehen. Ihm ist, als sei, was vorher unvollendet war, nun ganz; er spürt, wie ein Kampf zu Ende geht und Abschied möglich wird. Ein wenig wartet er noch auf die rechte Zeit. Dann öffnet er die Augen, blickt sich noch einmal um, steht auf und geht."

Mütter haben nicht nur Söhne - Muttertags-phantasien II

Am 5. Juni 1942 erblickte meine Schwester Ursula in Flammersfeld im Westerwald das Licht der Welt - nach einer Paradeschwangerschaft ohne Komplikationen und einer für Erstgebärende verhältnismäßig glatten und „sanften“ Geburt. Es war Hildes erster Muttertag. In das Schicksal von Ursulas Vater wird erst 60 später Licht kommen. Franz Streit fällt bereits am am 23. September 1943 in der Nähe von Saporoshje (Ukraine), nachdem die Mutter - Hilde - jeglichen Kontakt abgebrochen hatte.

In "Hildes Geschichte" erzähle ich diese Geschichte und die Umstände dieser frühen Niederkunft einer damals noch 17jährigen jungen Frau in einem Heim der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt. Beide - Hilde und ihre Tochter Ursula - hatten einen denkbar schweren Weg vor sich. Hilde selbst, die ja unversehens vom Zustand einer jungfräulichen Unschuld in die prekäre Situation eines gefallenen Mädchens geraten war, hatte den dornigen Weg der Schwangerschaft und der Austragung eines Bastards auf sich genommen und befand sich zur Geburtsvorbereitung in der fürsorglichen Obhut der Hebammen und Ärzte des NSV-Entbindungsheims in Flammersfeld. Um auch nur halbwegs verständlich zu machen, warum dieser starting point eines Lebenslaufs von der Zeugung über die Geburt hinein in eine Welt, in der die Nazis noch den Weltenlauf bestimmten und die jetzt schon aus Not und Tod bestand und die in eine schier ausweglose Verzweiflung einmünden würde, habe ich einen verrückten Philosophen bemüht, der gut 40 Jahre später (im Zauberbaum, Frankfurt 1987) den Geburtsvorgang in einer Weise beschreibt, die ein Leben zum Tode hin - wie Kierkegaard es sieht - schon in seinem Beginnen als ein tiefgreifendes Trauma erscheinen lässt.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund