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Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete, und hätte der Liebe nicht…

Das letzte Kapitel meines letzten Lyrikbändchens „Die Mohnfrau" - Die Originalversion ist natürlich noch spannender, weil sie alle Gedichte enthält!

Es gibt im Übrigen auch die korrespondierende Variante, die zeigt, wie man mit paartherapeutischer Beratung (hier durch Detlef Klöckner) und einer guten Portion Humor schwere See in der Paardynamik meistert (siehe: "Monheimer Schnittchen")

 

Liebe Claudia,

die sieben folgenden Briefe besingen das Glück, dich dreißig Jahre kennen zu dürfen; das Glück, dich gewonnen zu haben; das Glück, dass du meine Frau werden wolltest und vor allem geblieben bist – auch in Zeiten meines Wahns; das Glück, dass aus meinen Irrungen und Wirrungen ein Weg in die Klarheit und Entschiedenheit geworden ist, das Glück, dass diese Entschiedenheit uns auch durch die letzten Jahre begleitet hat, das Glück, um deine Entschiedenheit zu wissen, an der ich nur einmal kurz zweifeln durfte, als Sturmtief „Emma“ mir durch Hirn und Herz fegte. Anders als André Gorz nehme ich mir das außerordentliche Privileg und Recht, unsere Liebe mitten im Leben zu besingen – und hoffentlich nicht an seinem Ende, denn auch über uns allen schwebt das „mors certa – hora incerta“.

Vor 40 Jahren berührte mich Karl Jaspers mit seinen philosophischen Reflexionen über Liebe und Tod. Über ein langes Leben lichten sich die aufgeworfenen Fragen und bilden den basso continuo für jene Antworten, in die wir uns hineingelebt haben. So malen diese Briefe in der Art eines Regenbogens ein buntes Bild und runden dieses Buch ("Die Mohnfrau") und unsere Erfahrungen.

P.S.: Auch wenn es Liebesbriefe sind und diese Briefe vielleicht etwas von dem Geheimnis unserer Liebe preisgeben, bleibt unsere gemeinsame Welt dahinter voller Geheimnisse. Sie bleibt unsere Welt und damit unser beider Mysterium. Den Briefen habe ich an einigen Stellen ein Präservativ übergezogen und sie einem milden Hygienewaschgang ausgesetzt. Auch was jetzt noch übrig bleibt, ist ein hohes Lied der Liebe mit interessanten Aussichten in eine Welt, von der André Gorz zu spät erkannt hat, dass man sie nicht in die Zukunft verschieben soll.

Dein Josephus

Die Mohnfrau

Wozu „erfindet“ man eine Mohnfrau? Gedanken lyrisch und in Prosa

 Wenn ich etwas über die Liebe sagen wollte und dabei von mir absehe, um wenigstens die „blinden Flecken“ abzuwenden, die sich in selbstbildbezogenen und –beschränkten Auslassungen unvermeidbarer Weise einstellen, kann ich in diesem BLOG-Kontext ohne weiteres auf Tina Schneiders „Papa Anna Bleiben“ verweisen. So wie vermutlich wir alle, bestätigt sie David Schnarch (in diesem BLOG unter: „Kopfschmerzen und Herzflimmern“) in seiner These, dass die meisten Menschen sich natürlich an Zeiten erinnern – meist eher die jungen Jahre – in ihrem Leben, in denen eine leuchtende und glänzende Erotik die ganze Welt zu durchfluten schien: „Sie erinnern sich an das herrliche Prickeln beim Anblick eines bestimmten Menschen und an ihren sehnlichen Wunsch, dieser möge lächelnd auf sie zukommen; sie erinnern sich an die heftige Gefühlswallung, als eine bestimmte Person ihren Arm berührte; sie erinnern sich an die unerträgliche Freude, dem geliebten Menschen unerschrocken in die Augen zu schauen. Selbst wenn die Menschen älter werden, heiraten, Kinder haben und in verantwortungsvoller Position sind, durchzuckt diese sexuelle Elektrizität sie immer wieder… Das kribbelnde Versprechen des Erotischen rüttelt einen immer noch auf, schenkt immer noch Lebenskraft und das innere freudige Erwachen, das nicht unerheblich zu dem Vergnügen und der Lust beiträgt, die man im Leben empfindet.“

Das ist die eine, immer noch und immer wieder lebendige Seite unserer Welterfahrung und Welterzeugung. Die andere Seite – mit der Absicht mehr Differenzierung in die Welt des Eros zu tragen – vermittelt uns Julia Onken indem sie es als Entwicklungsaufgabe versteht, sich aus den Niederungen der sexuell(en) motivierten (An-)Triebe zu erheben, den aufrechten Gang zu erlernen und den Chancen und Herausforderungen von Philia und Agape Rechnung zu tragen. Arnold Retzers Plädoyer für die Vernunftehe (in diesem BLOG unter: „Der mörderische Beobachter – paardynamisch“ und auch Karl Otto Hondrichs Werben für die bindungsintensiven Kräfte von Geborgenheit und Entschiedenheit schlagen tendenziell in die gleiche Kerbe (in diesem BLOG unter: „Der mörderische Beobachter – paardynamisch“).

Versucht man seine Enttäuschungen und Abstürze aus der Welt der eher sexuell gefärbten Dimension des Eros lyrisch zu verarbeiten und dann sogar Kapital daraus zu schlagen für eine „resignative Reife“ im Sinne Arnold Retzers, dann hört sich das z.B. folgendermaßen an:

Freundschaft (I)

Wer nach (oder meinetwegen auch vor) der "Theorie" erste Ausflüge in die "Praxis" unternehmen mag - hier gehts weiter: Freundschaft (II); siehe auch Freundschaft (III) und Freundschaft (IV)

Der nach Niklas Luhmann aus Wendepunkten bestehende Lebenslauf wird von ihm einerseits als ein Medium im Sinne eines Kombinationsprogramms von Möglichkeiten und andererseits als eine von Moment zu Moment fortschreitende Festlegung von Formen verstanden, die den Lebenslauf vom jeweiligen Stand aus reproduzieren, indem sie ihm weitere Möglichkeiten eröffnen oder verschließen. Die „Wendepunktqualitäten“ in einer abschiedlich und versöhnlich gestimmten Rekonstruktion des eigenen Lebenslaufs nehmen sich besonders spannend aus mit (Rück)Blick auf Freundschaftsbeziehungen, vor allem, wenn sie – rein statistisch betrachtet – bereits mehr als ¾ eines Männerlebens in den Blick nehmen. Ein zukunftsoffener Möglichkeitsraum verengt sich von Moment zu Moment, in dem Maß, wie vergangene, bestehende und entstehende Freundschaftsbeziehungen abgeschlossen sind, als Möglichkeit sich andeuten oder als dynamischer Prozess der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft ihre besondere Qualität verleihen.

Arnold Retzer hat 2006 (Familiendynamik, Heft 2/2006, S. 130-151) einen Aufsatz vorgelegt, in dem er nicht nur Kriterien für Freundschaftsbeziehungen auslotet, sondern in spezifischer Weise auch danach fragt, ob Freundschaft einen „dritten Weg zwischen Liebe und Partnerschaft“ eröffnen könnte. Ich zeichne seine Argumentation weitgehend nach und schlage zwei Fliegen mit einer Klappe, indem ich einerseits mein eigenes Leben unter dem Aspekt von Freundschaftsbeziehungen betrachte und andererseits danach frage, ob 33 Ehejahre sich diesem „dritten Weg“ verdanken oder ganz im Gegenteil eher anderen Beziehungsmodalitäten verpflichtet sind?

Arnold Retzer greift systemtheoretisch begründete Thesen Niklas Luhmanns auf, der erstmals dafür plädiert, dass sich „Intimverhältnisse – wie etwa eine Paarbeziehung – vollständig von der Einbindung in eine vorgängige Gemeinschaft ablösen müssen“ (Retzer, 131). Sie seien gezwungen einen „radikalen Code“ auszubilden, der die Intimität sozial ortlos gewordener Einzelpersonen ohne gesellschaftliche Bezüge sicherstellen könne. Retzer räumt ein, dass der in seiner Einsamkeit verharrende heimatlose Einzelne eine (letzte) Chance in einer intimen Paarbeziehung sehe, um diese Einsamkeit aufzuheben. Anders als Luhmann sieht Retzer die Mittel dazu in unterschiedlichen Codes, „etwa dem der Partnerschaft, der Liebe und auch vielleicht, so will ich noch vorsichtig formulieren, dem der Freundschaft“ (Retzer, 131f.).

Was sehen Sie auf dieser Abbildung? Formulieren Sie Ihre Wahrnehmungs-Eindrücke in schriftlicher Form!
Ich sehe was, was du nicht siehst – Eine experimentelle Einführung in die Theorie und Praxis der Wahrnehmung - Eine szenische Aufführung in acht Bildern

2009 – nach der Pensionierung unseres Institutsleiters, Prof. Dr. Rudi Krawitz, mit langer anschließender Vakanz der Stelle – hatte ich das Vergnügen am Campus Koblenz die einführende Vorlesung im Modul 2 der Bildungswissenschaften (BiWi) halten zu dürfen (siehe Begrüßung der Erstsemester). Die Studierenden im ersten Semester kommen in der übergroßen Mehrzahl unmittelbar aus dem Durchlauferhitzer Schule ins verschulte modularisierte Dampfkesselsystem Hochschule. Sie wollen zurück in die Welt, aus der sie kommen – unter veränderten Vorzeichen, sozusagen als Mitarbeiter oder gar LeiterInnen der Anstalt und nicht als ihre Insassen. Da fragt man sich schon, ob die sich denn eigentlich alle halbwegs darüber im Klaren sind, worauf sie sich einlassen. Trotz der stetigen Professionalisierungsdebatte, in der beispielsweise Alfred Holzbrecher (2002) den Professionalitätskern an Grundkompetenzen bindet, die jeweils eine entsprechende Haltung voraussetzen bzw. einen Habitus im Blick haben (neben dem Wissenschaftsbezug nennt er den Subjektbezug verbunden mit einer gediegenen Selbstkompetenz und vor allem den Berufsfeldbezug, definiert als grundlegende Einsicht in die Widerständigkeit bzw. den Eigensinn des Systems Schule und der Menschen), wird die Berufswahl nach wie vor von recht naiven bis fahrlässigen Motiven beeinflusst (Vereinbarkeit von Familie und Beruf, viel Freizeit etc.). Was würde sich da mehr anbieten, als den Eigensinn und die Widerständigkeit der Menschen „experimentell“, als schockierende Erfahrung zu inszenieren.

Ulrich Becks Theoriebausteine „eigenen Lebens“

Eine kleine Reminiszenz anlässlich der Verabschiedung von Eva Liss-Mildenberger, der langjährigen Leiterin der Integrierten Gesamtschule Koblenz

(Auszug aus: Ich sehe was, was du nicht siehst – Komm in den totgesagten Park und schau, Koblenz 2002, S. 331-337)

Ulrich Beck – Ulf Erdmann Ziegeler: eigenes Leben – Ausflüge in die unbekannte Gesellschaft, in der wir leben, München 1997 - siehe ausführliche Auseinander-setzung unter "Biografie und Lebenslauf" - "Selbstversuche" - "eigenes Leben"

JuppigsWer sich mit der Gesellschaftstheorie Niklas Luhmanns auseinandersetzt, stößt unmittelbar auf die grundlegende Unterscheidung von System und Umwelt und die meistenteils mit Unverständnis aufgenommene Platzierung des Menschen in der Umwelt von Gesellschaft. Hier wird nur Bezug genommen auf die damit verbundene, nüchterne Feststellung, dass soziale Systeme sich ausschließlich über Kommunikationen (Kommunikationen, die an Kommunikationen, die an Kommunikationen... anschließen) reproduzieren, während Menschen als bewusstseinsbasierte oder psychische Systeme ausschließlich im Modus von Gedanken, die an Gedanken, die an Gedanken... anschließen, operieren. Beide Systeme sind gegeneinander abgeschlossen und Luhmann hat den Begriff der „strukturellen Koppelung“ von Maturana übernommen oder greift auf den Begriff der „Interpenetration“ zurück, um registrieren zu können, dass psychische und soziale Systeme Formen des Austauschs kreieren.

   

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