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Die Vernunft ist immer nur die eine Vernunft!

Ist der Vernunftglaube naiv?

Die Ideengeschichte der Moderne dreht sich unter anderem um die zentrale Frage einer gerechten Gesellschaft. Sie steht im Mittelpunkt des Werks von John Rawls.

Otfried Höffe hat zuletzt (in der FAZ vom 3.10.14: John Rawls Der Philosoph des Fairplay) darauf hingewiesen, dass Rawls anschließend an Immanuel Kant den Sinn eines Gemeinwesens nicht im gelingenden Leben selbst sehe, nicht darin seine Mitglieder glücklich zu machen. Der Staat habe sich auf Freiheitssicherung durch Gesetze zu beschränken. Höffe zitiert die wesentlichen Grundsätze Rawls: „Erster Grundsatz: Jedermann hat gleiches Recht auf das umfangreichste Gesamtsystem gleicher Grundfreiheiten, das für alle möglich ist. Zweiter Grundsatz: Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten müssen folgendermaßen beschaffen sein: (a) Sie müssen unter der Einschränkung des gerechten Spargrundsatzes den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bringen, und (b) sie müssen mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen gemäß fairer Chancengleichheit offenstehen.“ 

Man kann beginnen, sich ernst zu nehmen, bevor es zum Ernstfall kommt -

Vom Flaneur ene schöne Jrooß an all os Flaneure

 

Man sagt, die Moderne sei voller Flaneure,

Man sagt, in der Moderne müsse sich der Mensch immer wieder neu erfinden!

(Schon die Biologie legt uns nahe, dass wir binnen eines Jahrsiebts zellulär nicht mehr DIESELBEN sind)

Wem begegne ich dann morgens im SPIEGEL?

"Wenn mich keiner mehr haben will", offenbar nicht nur einem zellulären FREMDLING!?

TOD - Eine Anleitung zum Widerstand?

Oder: "Man kann damit beginnen, sich ernst zu nehmen, bevor es zum Ernstfall kommt."

Selbstdenken - Eine Anleitung zum Widerstand von Harald Welzer (Fischer-Taschenbuch, 3. Aufl., Frankfurt 2014)

Harald Welzer schätze ich sehr - vor allem für seine Mitarbeit an "Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben" (gemeinsam mit Sönke Neitzel, 2008 - siehe dazu auch "mein 'Gespräch' mit Franz Streit"). Aus "professionellen" Gründen (siehe Uni-Blog: Grenzsituationen) habe ich mir ein kleines Kapitel ausgesucht (Tod, S. 208-211), von dem ich noch nicht umfassend verstehe, warum es in diesem Kontext Berücksichtigung findet. Denn mit Blick auf den Tod ist jeder "Widerstand" sinnlos.

Freundschaft III - Ein Plädoyer gegen die Liebe?

Rudi und der Kehrbruderschaft gewidmet

 Den folgenden Anknüpfungspunkt kann man nur verstehen und einordnen, wenn man zuvor Freundschaft I und Freundschaft II gelesen hat. Vor wenigen Tagen bekam ich von Rudi einen Texthinweis, den er selbst offensichtlich der sporadischen Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung verdankt: http://www.faz.net/-gun-7tw7r "Egoistische Zweisamkeit - Warum der Mythos der Liebe eine Lüge ist - Ein Plädoyer gegen die Liebe" (von Markus Günther). Rudi hat mir diesen Beitrag zukommen lassen zur "Vervollständigung meiner Textsammlung". Dafür danke ich ihm natürlich und nutze die Gelegenheit, einige offene Fragen aus Freundschaft I und II wieder aufzunehmen:

Schamverlust - Vom Wandel der Gefühlskultur

Eine Selbstverortung

Nein, dies ist keine Rezension von Ulrich Greiners 2014 erschienener gleichnamiger Monographie (Schamverlust Vom Wandel der Gefühlskultur, Rowohlt Verlag, Hamburg 2014, 349 Seiten). Seine nicht als "Kulturgeschichte der Scham", sondern als "strukturelle Betrachtung" gedachte Auseinandersetzung fungiert hier vielmehr als "Steinbruch" für eine Selbsteintschätzung, eine Verortung in schwierigem Terrain. Zunächst bediene ich mich der archivarischen Leistung, die Ulrich Greiner hier in beeindruckender Weise vollbracht hat. Er versteht "die Literatur [als] hervorragendes Archiv, das die Wandlungen der Gefühlskultur sammelt und aufbewahrt (S. 21)." Den Komplex aus Schuld und Scham und Peinlichkeit zählt er "zu den stärksten Antriebskräften, die Literatur entstehen lassen: als Ausdruck eines unlösbaren Konflikts, als rückwirkende Schambewältigung, als Erklärungsversuch des Unverstandenen, vielleicht gar Unerklärbaren (S. 22)."

   

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