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Das Geheimnis des Glücks - oder: Wer kann schon von sich sagen, Glück gehabt zu haben?

Oder noch einmal ganz anders: Könnte es sein, dass der eigentliche Schatz in der „letzten Liebe“ liegt, in der Liebe von Partnern, die lange genug zusammen sind, um sich selbst und den anderen wahrhaftig zu erkennen? Eine Erinnerung an David Schnarch

In der Auseinandersetzung mit Niklas Luhmanns Mosaiksteinen zu einer kontingenzgewärtigen Lebenslauftheorie gibt es immer eine Stelle, an der ich seine Betrachtungsweise erweitere. Programmatisch und richtungsgebend ist ja seine Vorstellung, dass der Lebenslauf ein Form für die unaufhebbare Kontingenz der Geschehnisse des Lebens ist: Er fasst den Lebenslauf als eine "rhetorische Leistung auf, als eine Erzählung, dessen Komponenten aus Wendepunkten bestehen, an denen etwas geschehen ist, was nicht hätte geschehen müssen".

Das Geheimnis eines Lebens II - mit unglaublichen Wendepunkten und Zufällen

Das muss ich heute noch loswerden: Der designierte Nobelpreisträger für Literatur, Patrick Modiano bekennt Iris Radisch gegenüber in einem Interview (ZEIT, 49/2014, S. 55): "Man kann sagen, ich fing an zu schreiben, um ein Geheimnis aufzudecken." Hannes Grassegger deckt im ZEIT-Magazin (49/2014, S. 24-31) auch ein kleines Geheimnis auf und lernt vermutlich an den Zufall zu glauben. Er skizziert aus gegebenem Anlass die authentischen Beigaben zu einer "kontingenzgewärtigen Lebenslauftheorie" im Sinne Niklas Luhmanns, wonach allein schon unserer Geburt ein unwahrscheinlicher Zufall sei.

Hannes Grassegger, der Enkel von Wolfram Grassegger, bezieht sich auf einen "dicken, roten Lederordner mit goldenem Aufdruck: 'Zufall?'" William A. Schmalz und Wolfram Grassegger haben in diesem Ordner aufgeschrieben und dokumentiert, was sie für immer verband. Am 28. April 1945 gehört William A. Schmalz zur Vorhut der 3. US-Armee, die Auftrag hatte bei Plattling die Isar zu überqueren. Wolfram Gassegger hatte als Kompanieführer einer Infanterieeinheit Befehl dies zu verhindern:

Das Geheimnis eines Lebens - im Spiegel von Wendepunkten

Iris Radisch reist nach Paris und interviewt Patrick Modiano, den designierten Literatur-Nobelpreisträger (ZEIT 49/2014, S. 55)

Ich bekenne, ich habe von Patrick Modiano nichts gelesen, lese aber gerne die ZEIT, insbesondere auch die Beiträge von Iris Radisch; so heute morgen wieder in der Frühe um sechs. "Das Geheimnis des Lebens" steht dick und fett über dem Interviewtext - inclusive des Hinweises, dass der Nobelpreisträger zwar entspannt wirke, sich jedoch

"tastend und immer wieder lange nach den richtigen Worten suchend (und ungeduldig mit der Zunge schnalzend, wenn sie sich nicht einstellen wollen) auf die Fragen der Besucherin so antwortet, als würde er über alles, was er sagt, zum ersten Mal nachdenken."

Und in der Tat, so liest sich denn auch der Interviewtext, immer wieder von naiven bis widersprüchlichen Einlassungen geprägt:

Höhere Gewalt oder: Mit Ruben Östlund ins Familien- pardon Skiparadies

Wie beobachten Feuilletonjournalisten Familiendynamiken in der (Post-)Moderne?

Und wie beobachten wir Feuilletonjournalisten (Thomas Assheuer - ZEIT, 48/2014)?

"Das Leben auf dem Zauberberg ist herrlich. Die Nobelherberge in den französischen Alpen liegt in bester Lage, der Neuschnee sieht aus wie Zuckerwatte, und der nächtliche Sternenhimmel ist eine Wucht."

Na, Lust auf ein Skiabenteuer bekommen? Vorsicht! In den Alpen gibt es auch Lawinen - davon weiß Prinz Friso leider nicht mehr zu berichten. Claudia und ich befanden uns am 17.2.2012 ins Stanton unweit des Lawinenunglücks, bei dem Prinz Friso abseits der offiziellen Pisten verschüttet wurde, und ließen die Bretter von den Füßen - bei Lawinenwarnstufe 4 bis 5! Wir leben noch. Prinz Friso ist tot - nach monatelangem Koma verstarb er am 12. August 2013 im Alter von 44 Jahren.

Sind wir risikoscheu? Meine Frau bewegt sich häufiger im hochalpinen Schizirkus, manchmal gemeinsam mit mir - häufiger mit leidenschaftlich(er) Gleichgesinnten.

Das Sterben ist kein Wunschkonzert! Und wie ist das mit der Sterbe-App?

Ein weiterer Mosaikstein in der Diskussion von Edo Reents in der FAZ (22.11.14)

"Jeder will würdig sterben. Was ist, wenn das nicht möglich ist?" Edo Reents stellt die richtige Frage. Er katapultiert mich mehr als elf Jahre zurück in das Jahr 2003, in die aktute Sterbephase meiner Mutter:

Von Februar bis Juli - ein halbes Jahr belgeite ich sie, ohne wirklich zu wissen, worum es geht. Erst der finale Akt, die finale Sterbephase vom 19. bis zum 27. Juli öffnet die Türe, durch die wir gehen müssen und hinter der sich unsere Wege trennen. Ich habe dieses letzte halbe Lebensjahr meiner Mutter und unseren gemeinsamen Weg protokolliert; die letzten 8 Tage minutiös und detailliert. Man kann es nachlesen in "Hildes Geschichte". Das "Sterbetagebuch" verdankt sich einer Mischung aus Trotz, Hilflosigkeit und kühler Beobachtung. Letztere kompensiert nach und nach und mehr und mehr meine Hilflosigkeit. Meine Mutter stirbt im Krankenhaus "Maria Hilf" in Bad Neuenahr. Während ich zu Beginn dieser finalen Phase zwischen Güls und Bad Neuenahr pendele und mir die Sterbebegleitung im wesentlichen mit meiner Schwester aufteile, ermöglicht mir das Krankenhaus in den letzten vier Tagen und Nächten eine Dauerbegleitung, indem man mir im Zimmer meiner Mutter ein Bett aufstellt. Für diese - im Krankenhausbetrieb alles andere als selbstverständliche - Ermöglichung bin ich bis heute zutiefst dankbar. Wo ist mein Problem?

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund