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Der Ausweg - Ein Gedicht von HME - mit einer Zeichenvariation und eigenen Anschlüssen

mit Verweis auf: Was hast du dir dabei gedacht - oder: Gut gebrüllt, Löwe!

 

Der Ausweg

Es gibt ihn nicht immer,

aber immerhin

öfter als du gedacht hast.

Natürlich nur dann,

wenn du am Ende bist,

findest du sie,

die schmale heimliche Stelle,

das Schlupfloch, die Hintertür.

 

Auf der anderen Seite

stehst du geblendet im Freien.

Kaum zu glauben:

an diesem frisch gestrichenen Tag

steht die Geschichte still,

die alte Geschichte.

Niemand brüllt.

Bist zum nächsten Mal!

"Was hast du dir dabei gedacht?" 

Hans Magnus Enzensberger kommt zu der Erkenntnis: "So wie du wollte ich nie werden." Ijoma Mangold zu Besuch bei HME - Das vorläufig letzte Buch "Tumult"

ZEIT 43/2014 vom 16.10.2014, S. 45

Man könnte mit Blick auf die ganz alten Kerle (alt bin ich selbst schon) - ob sie nun Martin Walser, Günter Grass, Helmut Schmidt, HME oder wie auch immer heißen und sich weit über die 80er hinaus beweg(t)en - auch zu dem Befund kommen: "Was ich noch zu sagen hätte". Ist es die Altersmilde, der Alterstarrsinn oder ist es Altersblödigkeit mit einhergehendem partiellem Schamverlust, die die Herren sanft und milde stimmt - und vor allem zum Selbstbekennertum treibt? Dass wir uns hier nicht missvertehen: Mit Peter Sloterdijk ist unumwunden einzuräumen, dass öffentliches Schreiben immer - und unvermeidbarer Weise - einem Akt der Selbstaussetzung gleichkommt.

Bei Enzensberger ist es so, dass er sich selbst überlebt hat und im Erleben dieses Zustands bereit ist, etwas preizugeben, das er im Hochsicherheitstrakt "persönliche Motive" verborgen - vielleicht auch entsorgt glaubte. Sicherlich kommen auch - selbst bei HME - Eitelkeiten ins Spiel:

Kann man noch verrückter sein als Walter Kempowski? Der Visionär aus Nartum

Nein, kann man nicht! (Vielleicht kann man doch, wenn man Sascha Lobo heißt und gerade eben bemerkt, dass Visionäre in der Regel auf dem Holzweg wandeln). Aber Walter Kempowski würde sich sicherlich freuen, wenn er sehen könnte, was ich hier mache! Volker Hage erinnerte an den "Visionär aus Nartum" vergangenes Jahr im SPIEGEL (14/2014, S. 110-111) anlässlich des Erscheinens von "Plankton. Ein kollektives Gedächtnis" (Knaus Verlag München; 832 Seiten; 49,99 Euro). Hage kannte Kempowski wohl persönlich:

"Er saß vor dem Monitor mit der Wachheit eines Fluglosten, der eine Maschine zur Landung dirigiert. Walter Kempowski war fasziniert von den Möglichkeiten, die sich für seine Arbeit mit dem Computer eröffneten."

Was würde der 2007 verstorbene Kempowski wohl zu den sich rasant erweiternden Speicher-, - Zugriffs- und Vernetzungsmöglichkeiten sagen, die sich heute mit erschwinglichen Kosten für jedermann und jedefrau beherrschen lassen?

Lass uns miteinander reden - Adrian im Gespräch mit Josef oder: Hallo ist da jemand?

Über's Bloggen

Es gibt übrigens an anderer Stelle ein interessantes Zwiegespräch zwischen Adrian und Josef über's Büchermachen. Da erfährt man einiges über die Motive, die auch für Josefs Bloggen insgesamt aufschlussreich sind.

Adrian und Jupp

Adrian:   Hallo - ist da jemand? Ihr erinnert euch; jeder neue Abschnitt beginnt mit Adrians Weckruf.

Josef:       "Reformationstag" - morgen ist "Allerheiligen" - der 1. November! Die letzten Monate hatten es in sich. Claudia ist 60; ihr 60ster Geburtstag ist Andreas Krawitzens Todestag, Peter Valder ist ebenso gestorben wie Wilfried Jansen. Hilde Ackermann hat die 95 noch vollendet, während ein Kollege - Heinz Remm - mit gerade 57 vor wenigen Tagen verstorben ist. Und was ich immer bestritten habe, scheint sich nun doch zu bewahrheiten: Seit 8 Monaten lebt meine Schwiegermutter nicht nur mit uns unter einem Dach, sondern sie lebt mitten in unserer Familie. Es ist schon bemerkenswert, dass wir nun erleben, dass mit unserern Eltern - sofern sie eben noch leben - eine Generation der Fürsorge bedarf und uns damit zunehmend vor eine schwierige Aufgabe stellt.

Adrian:    Euch doch nicht. Seit Jahrzehnten stellt ihr euch dieser Aufgabe und habt es doch gut hinbekommen - deinen Schwiegervater habt ihr doch lange Jahre bis zu seinem Tod zu Hause gepflegt!?

Josef:      Ja, aber bei meiner Schwiegermutter steht ja mehr die (Re-)Integration in eine Familie an. Leo war ja die letzten drei Jahre ans Bett gefesselt. Lisa hat - wenn auch mühsam - wieder gehen gelernt und bewegt sich an guten Tagen mit ihrem Rollator durch unsere Wohnetage. Es wäre vermutlich sinnvoller gewesen, sich den Treppenlifter zu ersparen und ihr eben von vorne herein auf dem 1. Obergschoss, wo sie ihr Zimmer hat, ein angemessenes Umfeld zu schaffen. Sie verlässt ja das Haus ohnehin nicht mehr.

Adrian:    Was hat den diesen Sinneswandel in dir ausgelöst? Warum plädierst du denn für eine soziale Isolation deiner Schwiegermutter? Das wäre es doch de facto!

Josef:       Das führt wohl hier zu weit. Ich muss das wohl im Kontext des Demenztagebuchs aufgreifen und erörtern. Der Sinneswandel beruht schlicht auf der Tatsache, dass die Schwiegermutter eher damit beginnt, uns sozial zu isolieren. Aber lies im Demenztagebuch weiter!                  

Adrian:   Hallo - ist da jemand? Ihr erinnert euch; jeder neue Abschnitt beginnt mit Adrians Weckruf.

Josef:       Nicht nur sieben Wochen Tauchstation, sondern monatelang kein Lebenszeichen! Meine linke Schulter ist fast wieder die alte, und in meinem Blog war ich sehr umtriebig.

Adrian:     Das kann man wohl behaupten. Von Plan I über Plan III bis hin zu Deiner letzten versöhnlichen Replik auf Herrn Hammes scheint Dich vor allem Phase V - das Fürsorgliche Finale - sehr zu beschäftigen.

Eine 28-jährige Soziologin, die hier Sophie heißen soll!

(Elisabeth von Thaddeen in der ZEIT 24/2015, S. 59-61)

22. Juni 2015, ein Montagmorgen kurz nach 8.00 Uhr an der Uni Koblenz. Ich betrete das C-Gebäude, in dem mein Büro liegt - in umittelbarer Nachbarschaft zum Sekretariat unseres Instituts (für Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik). Vor mir geht offensichtlich eine Studentin die Treppe hoch. Sie wählt denselben Weg und steht vor der (noch) verschlossenen Sekretariatstüre. Ich frage sie, was ihr Anliegen ist, und sie erklärt, sie sei heute morgen gekommen, um einen Prüfungstermin für ihre Modulabschlussprüfung zu vereinbaren. Dazu muss man wissen, dass wir innerhalb unseres Instituts einen Service vorhalten, der es den Studierenden erlaubt, über unser Sekretariat mit Hilfe von Terminlisten individuelle Prüfungstermine zu vereinbaren. An der Türe lese ich, dass das Sekretariat heute erst um 13 Uhr öffnet - offensichtlich ist eine unserer Sekretärinnen kurzfristig erkrankt. Ich öffne die Türe - natürlich weiß ich, wo sich die Listen befinden. Da die Studentin ihren Wunschprüfer benennen kann, biete ich ihr zwei Termine im Juli an. Sie bittet mich nachzuschauen, ob es auch im August noch Termine gäbe.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund