<<Zurück

 
 
 
 

Theodor W. Adorno - Ein harter Hund?

Für Rudi Krawitz (11.12.1943 - 01.09.2025)

Erscheint Theodor W. Adorno im vorangegangenen Beitrag noch als jemand, der das mors certa - hora incerta in all seiner konkreten Mächtigkeit in unsere Empfindungwelt rückt und darin spiegelt, erweist er sich in seiner einhundertundsechsten Auslassung seiner Aphorismensammlung Minima Moralia - Die Blümlein alle - (Seite 218-219) als brutaler und erbarmungsloser Bilanzbuchhalter gescheiterter Lebensläufe. Denen droht er sozusagen in desaströser Bilanzierung:

"Wer aber verzweifelt stirbt, dessen ganzes Leben war umsonst."

Und allen, die in der Illusion leben, Erinnerungen seien der einzige Besitz, den niemand uns nehmen könne, ruft er zu:

"Erinnerungen lassen sich nicht in Schubladen und Fächern aufbewahren, sondern in ihnen verflicht
unauflöslich das Vergangene mit dem Gegenwärtigen.
"

Und die gegen Verdinglichung gewandte Konzeption Bergsons und Prousts, derzufolge das Gegenwärtige, die Unmittelbarkeit nur vermittelt durchs Gedächtnis sich konstituiere, die Wechselwirkung von Jetzt und Damals, habe darum nicht nur den rettenden, sondern auch den infernalischen Aspekt:

Die Zeit fliegt – aus: Theodor W. Adorno - Minima Moralia

(Suhrkamp – Frankfurt, 1969, Seite 105-106)

Die fast unlösbare Aufgabe bestehe darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen. Es gibt kein richtiges Leben im falschen! Das war offenkundig Theodor W. Adornos Credo. Lasst uns sehen, wie wir uns in diesem Spannungsraum wiederfinden und in ihm sowohl unsere Möglichkeiten finden (und auch nutzen) als auch den Weg aus ihm finden – auf so anständige Weise wie möglich.

Novina Göhlsdorf: Der Rhythmus meines Vaters

Für Laura und Anne, denen es vermutlich zeitweise auch wie Novina Göhlsdorf gehen wird - wie allen Töchtern auf dieser Welt.
Bedauernswerter sind nur jene Töchter, die wirklich vaterlos aufwachsen müssen. Wenn bei allen Vorbehalten und Einschränkungen eines aus Novina Göhldorfs Text strahlt, dann mit Sicherheit diese Gewissheit!

Und auch ein bisschen für Ann-Christin und Kathrin - den Vater kann niemand ersetzen!

Die goldfarben unterlegten Begriffe bzw. Passagen kann man anklicken!

Novina Göhlsdorfs Vater ist 74 und Stammgast im Techno-Club. Als seine Tochter das erste Mal mitgeht, versteht sie nicht nur ihn besser, sondern auch sich selbst. So wird Novina Göhlsdorf Essay eingeleitet, mit dem mehr repräsentiert wird als der gemeinsame Besuch von Vater und Tochter in einem Berliner Club. Ich habe den Beitrag zwei Mal gelesen; das zweite Mal mit vier verschiedenfarbigen Textmarkern in der Hand - dazu noch einen rotfarbigen PILOT G-2 07 Stift.Nun gibt es auf den sechs Seiten im ZEIT-Magazin (Nr. 50 vom 27.11.2025) kaum noch unmarkierte, unkommentierte Passagen. Warum - um Gottes Willen - diese Aufmerksamkeit, diese Akribie? In einem Vierteljahr bin ich selbst 74. Ich bin Vater zweier Töchter - und: was im Verlauf der Auseinandersetzung mit diesem Text noch eine entscheidende Rolle spielen wird, Großvater von inzwischen vier Enkelkindern. Aber der Reihe nach:

Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Ein Beitrag zur Theorie der Diktatur

1974 im Oktober begann ich mein Studium an der seinerzeitigen Erziehungswissenschaftlichen Hochschule Rheinland-Pfalz, Abteilung Koblenz (heute: Uni Koblenz). Ich stieß sehr früh auf den Politikwissenschaftler Heino Kaack, der - vollkommen ungewöhnlich und überraschend für den Standort - ein großes DfG-gefördertes Forschungsprojekt nach Koblenz holte: Parteiensystem und Legitimation des Politischen Systems - kurz PALEPS.

Mir persönlich gestattete die Mitarbeit in diesem, bis 1984 in die Forschungs-, Lehr- und Qualifizierungsstruktur der Hochschule integrierten Projekt eine - ich möchte behaupten - lebenslaufbestimmende Weichenstellung. Mir wurde ermöglicht nach dem Ersten Staatsexamen für das Lehramt ein Diplomstudium anzuschließen und schließlich als einer der ersten auf der Grundlage der vor allem von Heino Kaack betriebenen Implementierung einer Promotionsordnung auch zu promovieren (siehe hier und etwas lesbarer hier die in APuZ erschienene Zusammenfassung - zur Veröffentlichung der Dissertation in Langfassung).

Karl Ove Knausgard - Vom Lesen und Schreiben

Na klar, es lohnt sich einmal wieder ZEIT-Abonnent zu sein: Literatur – 10 Seiten Bücher – Ein Spezial zu Weihnachten (früh genug, dass auch die Buchhandlungen noch etwas davon haben: ZEIT 49/25, Seite 56ff.)

Karl Ove Knausgard eröffnet: Rilke und ich – Der Dichter wurde vor 150 Jahren geboren, im nächsten Jahr ist sein 100. Todestag. Er hat mich mein Leben lang begleitet – und zum Schriftsteller gemacht

Die erste Spalte besteht aus von Knausgard ausgewählten Passagen und Sätzen aus dem Werk Rainer Maria Rilkes. Er kommentiert das mit dem Hinweis:

„Diese Zitate sind kleine Streiflichter in etwas unendlich viel Größerem, Rilkes Werk, und mein Problem ist, dass ich mich stets in seinem Inneren befunden habe wie in einem Wald und nie, kein einziges Mal, versucht habe, es von außen zu sehen, es zu analysieren, es festzuhalten.“

   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.