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Eine Schublade mit Unterhosen auf Abwegen

Infolge unseres Umzugs kam es kürzlich bei uns zu einem kleinen Zwischenfall - gottseidank und Dank guter Nerven mit versöhnlichem Ausgang. Bei unserer kleinen Rochade, in deren Folge wir ein neues altes Haus gegen ein altes neues Haus tauschen, büchste eine edle Kirschholzschublade mit den Unterhosen meiner Frau aus. Während die Schublade mit den Büstenhaltern sich klaglos, ja sogar mit einer gewissen Vorfreude in ihr Schicksal ergab, war die Schublade mit den Unterhosen plötzlich unauffindbar. Verschiedene Umzugsbauftragte wurden kontaktiert mit der Frage, ob ihnen die flüchtige Schublade irgendwo untergekommen sei. Alle verneinten und erste Verdachtsmomente kamen auf, ob es sich  möglicherweise um eine Entführung handeln könnte. Dagegen sprachen allerdings mehrere überzeugende Einwände: Es gab keine Lösegeldforderung und vor allem: die Unterhosen waren sämtlich frisch gewaschen - mit Duftnoten von Vanille, Lavendel und Mimose. Der drohende Verlust von Unterhosen wog schwer. Über Jahre hatte man sich aneinander gewöhnt und schätzte wechselseitig die vertraute Umgebung.

Ein Fluggerät stürzt ab

 

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut.

In allen Lüften hallt es wie Geschrei.

Ein Fluggerät stürzt ab und geht entzwei

Und in den Köpfen - spürt man - steigt die Flut.

Und die Gezeiten wechseln Wut-Mut-Wut.

 

Der Sturm ist da,

Die wilden Meere hupfen,

Und die Seele schwillt,

Um Dämme zu zerdrücken.

Die meisten Menschen weinen,

wie beim Schnupfen

Und stehn am Abgrund -

suchen Brücken.

Dirk Baecker: Studien zur nächsten Gesellschaft

in der wir schon längst leben!

Zuletzt war es die fragile, nur von dünner Firnis überzogene Kraterlandschaft familientypischer Exkursionen in vermintes Gelände, die dazu anregten über Glück und Unglück der Kommunikation in Familien nachzudenken. Heute stoße ich bei Jens Jessen und seiner Analyse über "unerbittliches Lagerdenken" auf die beiläufige Feststellung - im Sinne eines Exempels -, dass Widersprüche das unausweichliche Fluidum abgeben, in dem sich gesellschaftspolitische Positionierungen vollziehen. Dabei wird man in der Retrospektive solcher Widersprüche gewissermaßen en passant gewahr und fragt sich, wie ging das je zusammen - oder anders herum: In welch schlafwandlerischer Mentalität agier(t)en offenkundig die Programmmacher der Parteien: "So wie seinerzeit die Unionsparteien sich erst zum Schutz der Familie, dann zur Flexibilisierung der Erwerbsbiografien aufgerufen fühlten, ohne die Unvereinbarkeit dieser Ziele zu bemerken..."

Jeder Tag ist Muttertag

Es bleibt vorläufig dabei: Was Frauen und Männer fundamental trennt, ist die Erfahrung der Mutterschaft - und zwar in ihrer vollständigen, umfänglichen Dimension. Sind an der Zeugung von Nachwuchs Männer noch in unterschiedlichsten sozialen, emotionalen und medizinisch-biologischen Kontexten beteilgt, markieren Schwangerschaft und Geburt einen genderspezifisch so fundamentalen Unterschied, dass er aus meiner Sicht den Unterschied ausmacht, der Frauen und Männer tatsächlich unterscheidungsfähig macht. Wenn ich von der vollständigen und umfänglichen Dimension dieses Unterschieds spreche, dann meine ich damit sowohl die außerordentlichen Privilegien als auch die bis heute nicht von der Hand zu weisenden Risiken, die Frauen mit Schwangerschaft und Geburt geschenkt werden bzw. die sie auf sich nehmen. Geschieht dies freiwillig in der Haltung eines absoluten und zweifelsfreien Kinderwunsches, mag dies auch umfänglich Sinn geben. Es gibt andere Kontexte und Situationen, die je nach historischen, kulturellen, sozialen und individuellen Rahmenbedingungen Schwangerschaft und Geburt auch sehr in Frage stellen bzw. nachhaltig belasten.

Mit der Mischpoke gegen die Wand? Oder vielleicht doch haarscharf drumherum?

Vor einem knappen Jahr elektrisierte mich in einer Ausgabe des ZEIT-Magazins ein Interview mit Andreas Mühe. Wieder einmal - einmal mehr - war eine Initialzündung gegeben sich hineinzubegeben in die Höhlen- manche würden auch sagen - in die Höllenlandschaft einer Familiendynamik, in der vieles in Bewegung ist, in der ein Klimawandel einsetzt mit der Folge, dass gemäßigte Zonen mehr und mehr auch extreme Wetterlagen erleben - mit Starkregen, Dürren und Hagelschlag.

Im aktuellen ZEIT-Magazin vom 11.4.2019 (Nr. 16) erwischt mich derselbe Andreas Mühe erneut: "Familienporträt - Drei Jahre arbeitete der Fotograf Andreas Mühe an Porträts seiner Familie, für die er verstorbene Verwandte als Puppen nachbauen ließ, darunter seinen Vater Ulrich Mühe."

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund