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Im Anfang war das Wort - Jörg Meyrer, Dechant des Kirchengemeindeverbandes Bad Neuenahr-Ahrweiler

Meine Cousine Gaby versucht gegenwärtig in Bad Neuenahr in der Kreuzstraße (ihre Straße war inmitten des tragischen Geschehens) ihr Haus wieder bewohnbar zu machen. Ihre Wohn- und Schlafetage darin ist zur Zeit unbewohnbar, da wir beim Rückbau feststellen mussten, dass die alten Dämmstoffe durchfeuchtet waren und zu schimmeln begonnen hatten. Alles stinkt zu jenem Himmel, der so weit ist und der - seit er am 14. Juli 2021 seine Schleusen zu einer Sintflut öffnete - eher ein Unort ist. Immer wieder leitet mir meine Cousine die Botschaften von Jörg Meyrer weiter. Er ist Pfarrer in Bad Neuenahr- Ahrweiler. Und er spricht den Menschen Mut zu; einen Mut, der ihm selbst verloren zu gehen drohte und der erst wieder wächst - Tag für Tag - seit Menschen aus ganz Deutschland mit Wort, Tat und Spenden ihm und den Menschen im Ahrtal wieder Zuversicht vermitteln.

Ich habe Fehler gemacht - Eine Entschuldigung

Ich habe einen Fehler gemacht. Fehler taugen im besten Falle dazu die (Auf-)klärung von Klärungsbedürftigem zu befördern. Eine Entschuldigung für die von mir gemachten Fehler liegt hauptsächlich in dem Umstand begründet, dass ich in den ersten Tagen nach dem 14. Juli nicht in der Lage war, meine Aussagen sine ira et studio – ohne Zorn und Leidenschaft – und viel eher mit Abstand und Gelassenheit in die Welt zu tragen. Es waren eher beiläufige, unbedachte Äußerungen im sozialen Umfeld, die eine Dynamik und Eskalation zur Folge hatten, die so sicherlich niemand beabsichtigt hat(te).

Nachdenkliches - Kurz vor Schluss - Freundschaft als tätige Praxis

  • Was hat in einem langen Leben Bestand?

Uns alle treibt zuweilen die Frage um, was einem langen Leben - bei allen Brüchen und Irritationen - Kontinuität und Sinn verleiht. Nähert man sich dem siebzigsten Geburtstag, hat man schon ein langes Leben gehabt, und die Antworten auf die zentrale Frage nach Kontinuität und Sinn zwingen sich mehr oder weniger auf, denn für einen radikalen Kursschwenk mangelt es oft genug schlicht an Zukunft; eine Tatsache, die sich schon allein empirisch aus rein statistisch veritablen Erkenntnissen speist.

Spendenflut von Anna Mayr ZEIT 32/21, Seite 2 - mein Leserbrief dazu

Wir benötigen auch das: die nüchterne, abgeklärte Analyse aus der räumlichen und emotionalen Distanz heraus. Ich war sieben Tage in meiner Heimatstadt Bad Neuenahr, in der meine Herkunftsfamilie gleich drei Mal betroffen ist, als Helfer. Inzwischen erhole ich mich auf der Insel Juist und genieße das ewige Wechselspiel von Ebbe und Flut. Während ich hier schreibe, kämpfen meine Verwandten weiter um eine Zukunftsperspektive – unterstützt von Profis und vielen freiwilligen Helfern. Es geht mir um einen Kerngedanken, den ich bei Anna Mayer – ernüchtert – aufgreife, und den ich vertiefen möchte; sie schreibt sozusagen krisenübergreifend und krisenverlaufstypisch:

Auf die Flutwelle folgt eine gigantische Welle der Hilfe – auch aus Güls – erscheint am 10.8.21 im Gölser Blättche

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli begräbt eine Flutwelle das Ahrtal unter sich. Sie verwüstet das Tal von Schuld bis zur Mündung bei Sinzig in den Rhein. Inzwischen wissen wir, dass in dieser Nacht nahezu 200 Menschen ihr Leben verlieren – tausende verlieren ihre Häuser, ihren Hausstand und ihre materielle Existenzgrundlage.

Ich habe in Bad Neuenahr – am heutigen Apollinarisstadion – in der Kreuzstraße meine Kindheit und Jugend verbracht; dort stehen bis heute die Elternhäuser meiner Mutter und meines Vaters. Im umgebauten und renovierten Elternhaus meiner Mutter wohnt meine Cousine Gaby (wir beide haben im Zeittakt von wenigen Stunden - am 20. und 21. Februar das Licht der Welt erblickt). Wenige hundert Meter entfernt – in der Apollinarisstraße lebt meine Schwägerin.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund