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Nachdenkliches - Kurz vor Schluss - Freundschaft als tätige Praxis

  • Was hat in einem langen Leben Bestand?

Uns alle treibt zuweilen die Frage um, was einem langen Leben - bei allen Brüchen und Irritationen - Kontinuität und Sinn verleiht. Nähert man sich dem siebzigsten Geburtstag, hat man schon ein langes Leben gehabt, und die Antworten auf die zentrale Frage nach Kontinuität und Sinn zwingen sich mehr oder weniger auf, denn für einen radikalen Kursschwenk mangelt es oft genug schlicht an Zukunft; eine Tatsache, die sich schon allein empirisch aus rein statistisch veritablen Erkenntnissen speist.

Auf die Flutwelle folgt eine gigantische Welle der Hilfe – auch aus Güls – erscheint am 10.8.21 im Gölser Blättche

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli begräbt eine Flutwelle das Ahrtal unter sich. Sie verwüstet das Tal von Schuld bis zur Mündung bei Sinzig in den Rhein. Inzwischen wissen wir, dass in dieser Nacht nahezu 200 Menschen ihr Leben verlieren – tausende verlieren ihre Häuser, ihren Hausstand und ihre materielle Existenzgrundlage.

Ich habe in Bad Neuenahr – am heutigen Apollinarisstadion – in der Kreuzstraße meine Kindheit und Jugend verbracht; dort stehen bis heute die Elternhäuser meiner Mutter und meines Vaters. Im umgebauten und renovierten Elternhaus meiner Mutter wohnt meine Cousine Gaby (wir beide haben im Zeittakt von wenigen Stunden - am 20. und 21. Februar das Licht der Welt erblickt). Wenige hundert Meter entfernt – in der Apollinarisstraße lebt meine Schwägerin.

EPILOG 1949 - EPILOG?

Gut 50 Jahre ist es her, dass ich mich im medizinischen Parcours zur Klärung der Frage meiner Wehrtauglichkeit der internistischen Expertise eines Dr. med. Keuser in Koblenz stellen musste. Er war offenkundig Vertragsarzt, der bei unklaren Ausgangslagen zu Rate gezogen wurde. Seine Vorgehensweise überraschte mich. Neben der geforderten Expertise zu meiner Herz-Kreislauf-Konstitution führte er ein längeres Gespräch mit mir; Hintergrund waren Leistungsprobleme, die sich bei mir im Übergang von der Fußball-A-Jugend in den Seniorenbereich zeigten.

Schreiben ist Selbstermächtigung - wir begegnen uns wieder jenseits der virtuellen Welt, im wirklichen Leben

Gestern haben wir uns mit  a l t e n  Freunden* - Marisa und Peter - getroffen, zuerst in Winnigen in der alten Gutsschenke bei Stefan Pohl und dann - ganz unverhofft - bei Laura und Thomas; apropos alte Freunde*: Es ist schon einen Asbach-Uralt wert, wenn man auf mehr als 40 Jahre Freundschaft und Verbundenheit zurückblicken kann. Da darf man auch die Frage stellen: "Wie haben wir das eigentlich geschafft?" Wir sind erst gegen Mitternacht auseinandergegangen, bereichert und beglückt, dass man sich wieder unmittelbar begegnen kann. Mit Birthe - wir nennen sie liebevoll Ikea - ergab sich ein Gespräch, was uns gegenwärtig so umtreibt und beschäftigt. Im Nachgang ist sind mir folgende Gedanken und Anregungen eingefallen:

Es handelt sich im Folgenden um eine Auskopplung aus einem biografischen Selbstversuch: Die Kraft der Einsicht und die Kraft der Zuversicht - heute begleitet von Katie Melua

Assimilation und Akkomodation: Was machen wir, wenn das Unfassbare geschieht? (9)

Es gibt über die ersten Stunden, nachdem mich die Nachricht vom Flugzeugabsturz in der Nähe von Landshut (in dessen Folge neben dem Piloten drei weitere Männer - darunter mein Bruder Willi - zu Tode kamen) erreicht hatte, sowohl Blogeinträge als auch Tagebuchaufzeichnungen, die Jahre später entstanden sind. Bezeichnend ist die absolute Sprachlosigkeit in den ersten Tagen, Wochen, Monaten, sogar Jahren. Gedanken, eine abgeschattete Gefühlswelt haben über die Jahre schleichend eine kritische Masse angehäuft, die dann nach der Explosion so ziemlich alles in Trümmer gelegt hat, was bis dahin entstanden war. Nunmehr, 27 Jahre nach dem schmerzhaftesten Wendepunkt meines Lebens, also mit großem zeitlichem Abstand, sind die Zugänge zu dem unmittelbaren Erleben am Mittag dieses 21. Juni 1994 weitgehend versperrt.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund