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Dietmar Kampers Traumbuch und Klaus Theweleits Männerphantasien

Hier entsteht ein neuer Beitrag - just in time. Ja es ist durchaus reizvoll, mir selbst dabei zuzuschauen, wie ich für mich Schneisen schlage in eine Welt, in der mehr und mehr und wieder mehr denn je Idioten hervortreten und neben öffentlichen Schlagzeilen auch den öffentlichen Raum beherrschen wollen. Was sich gestern und seit Wochen - eigentlich seit Jahren in deutschen Fußballarenen ereignet, deutet auf etwas hin, was in den hilflosen Statements der Funktionäre unterbelichtet bleibt.

In den Blick nehme ich die sprachlosen, aufgeblasenen Horden nicht nur der Fußball-Ultras, sondern gleichermaßen die aufgeblasenen Glatzenträger, hinter deren Schädelkalotten sich genausowenig Hirn verbirgt, wie auf ihren Köpfen Haare in Erscheinung treten. Besonders ins Fadenkreuz politisch notwendiger Stigmatisierung geraten allerdings jene Ideologen, die sich dazu berufen sehen, den Horden Sprache zu geben und die Richtung zu weisen.

Erziehung als Formung des Lebenslaufs

"Liebe Klassenkameradinnen und Klassenkameraden,

fast 46 Jahre ist es her, dass ich von den meisten nichts mehr gehört und gesehen habe; mittlerweile sind viele, wenn nicht gar alle, in Rente oder Pension und man hat mehr Freiraum, zumal die Kinder in der Regel aus dem Haus sind. Wir haben ja nie ein Treffen organisiert, was sicherlich auch Folge der über einen großen Raum verstreuten und unterschiedlichsten Herkunftsorte der Klassenmitglieder war. Direkt nach dem Abitur war man ja auch froh, die Schulzeit und einige Gesichter hinter sich lassen und seinen eigenen Weg gehen zu können; so ging es mir zumindest."

Am 20. Februar, einen Tag vor meinem 68sten Geburtstag landete eine mail in meiner mail-box, die aufhorchen ließ. Der Anhang enthielt eine Liste mit Namen und Adressen einer der Abiturklassen (OIa) des Are-Gymnasiums - meine Abiturklasse.

Rede mit mir - Es ist so gut, dass wir nicht nur miteinander reden!

"Rede mit mir. Mutter hat einmal erwähnt, dass Du als Student eine Bekehrung erlebt hast. Das muss das wichtigste Ereignis in deinem Leben gewesen sein - wie kannst du es deinen Kindern verschweigen? Willst du nicht, dass wir dich kennen? Dass wir wissen, was für dich wichtig ist und warum? Merkst du nicht, wie weit weg wir von dir sind? Denkst du es war nur der Beruf, der deine Tochter nach San Francisco und deinen Ältesten nach Genf getrieben hat? Wie lange willst du noch warten, bis du mit uns redest? Verstehst du nicht, dass Kinder mehr von ihrem Vater wollen als gemessenes Verhalten und distanziertes Schweigen und eine gelegentliche Auseinandersetzung über irgendwas Politisches, das morgen ohnehin vergessen ist?Du bist zweiundachtzig, und eines Tages bist du tot, und alles, was mir von dir bleibt, ist der Schreibtisch, den ich schon als Kind gemocht habe und von dem die Geschwister schon als Kinder gesagt haben, ich könne ihn einmal haben.

Kategorialer Mord oder: Das Erbe des 20. Jahrhunderts und wie wir es bewahren können

Zygmunt Bauman, geboren 1925 in Posen, lehrte lange Zeit Soziologie an der University of Leeds (Adorno-Preisträger). Ihm ist zu danken. In der Auseinandersetzung mit all denen, die beginnen die Grenzen des Sagbaren und möglicherweise auch wieder des Machbaren verschwimmen zu lassen - zu verschieben, antworten wir mit Zygmunt Bauman.

Zu Beginn seiner Ausführungen (in: Leben in der flüchtigen Moderne, Frankfurt 2007, S. 69-108) weist Bauman darauf hin, dass sich mit Hobbes und seinen Schülern eine Position, ein "Glaube" verbinde, "dass der Staat und Gesellschaft als Träger der souveränen Macht den ersehnten Schutz vor dem Ungewissen bieten würden, indem sie ihre Mitglieder vor den furchteinflößenden Mächten der natürlichen Umwelt ebenso schützten wie vor ihrer eigenen Schlechtigkeit und ihren niederen Instinkten, denen zu widerstehen sie selbst zu schwach waren (S. 70)." Auch Bauman sieht eine Zäsur - verbunden mit der Staatstheorie Carl Schmitts-, indem er "die Intention des modernen Staates auf den Punkt brachte, als er definierte, der Souverän sei derjenige, der 'über den Ausnahmezustand entscheidet'."

Die einen feiern Geburtstag, die anderen müssen wegen eines rechten Vollidioten sterben!

"Die einen feiern Geburtstag, die anderen müssen wegen eines rechten Vollidioten sterben". Das schrieb mir heute morgen meine Cousine, Gaby, die gestern ihren 68sten Geburtstag hatte und der ich heute - wie seit fast sieben Jahrzehnten - einen Tag später folge. Die 68 sind voll - und die 68er müssen sich besinnen. Seit Jahren reite ich selbst Attacke um Attacke gegen die rechte Brut, die sich im außerparlamentarischen Raum, aber inzwischen auch in allen Parlamenten breit macht. Welche Idiotie reitet eine zunehmende Anzahl von Menschen in dieser Republik, rechtes Gedankengut wieder in ihre Köpfe zu lassen. Was hindert sie daran, jeden rechten Gedanken im täglichen Gang auf den Abort auszuscheiden. Erinnern sie sich nicht der nüchternen Feststellung des Führers, der - solange er noch regelmäßige Verdauung hatte -  bei jedem Schiss frohlockte: "So sitz ich jetzt als Führer hier, die braunen Massen unter mir!" Ist es denn wirklich so schwer zu begreifen, dass alle Errungenschaften, die mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung garantiert sind, von den braunen Demagogen zur Disposition gestellt werden?

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund