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Herta Müller: Ein einziger, lebenslanger Satz

Wir hatten's mal wieder schön

Ja, wir hatten's mal wieder schön; zumindest hatten wir wieder einen Weihnachtsbaum, gutes Essen und gute Gespräche, auch wenn die Krippe in diesem Jahr scheinbar verwaist blieb. Ich weiß nicht, ob es schiere Nachlässigkeit oder Intuition war. Jemand, der gefragt hätte, warum die Krippe so verweist dasteht, hätte von mir zur Antwort bekommen: Es ist ja nicht die Krippe. Es ist ja nur der Stall. Und die Krippe samt Jesuskind steht in diesem Jahr im Stall. Wir wollten nicht, dass der Kleine friert. Und auch alle anderen - Maria und Josef (und auch alle Tiere) haben sich in den Stall zurückgezogen, um es ein wenig heimeliger zu haben!

Die Geschichte, die uns Herta Müller erzählt, handelt von weniger als einem Stall. Dort, wo die Menschen - im Zuge der Reinigung des Volkskörpers im Rumänien der späten fünziger Jahre - ein Obdach fanden, gab nur lebensfeindliche Landschaft: "Es gab nichts außer dem leeren Himmel und dem nackten Sand, der glühenden Sommerhitze und dem eisigen Winter."

Ein einziger, lebenslanger Satz: Der Roman >Die Aussiedlung< von András Visky erzählt schmerzhaft schön von einer deportierten ungarischen Familie im Rumänien der Fünfzigerjahre. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller schreibt über dieses magische Dokument in: DIE ZEIT 54/25, Seite 46/47)

Leon Weintraub -Zeitzeuge, Mahner, Optimist

Vor mir liegt die Rhein-Zeitung vom 31. Dezember 2025. Die Seite 14 - Panorama - widmet Leon Weitraub eine halbe Seite: "Holocaust-Zeitzeuge, Mahner, Optimist - Leon Weintraub entkam dem NS-Vernichtungslager Auschwitz - am 1. Januar feiert er seinen 100. Geburtstag" (mein Freund Thomas - fast vier Jahre jünger als ich - feiert heute seinen 70. Geburtstag). Ich gratuliere beiden herzlich. Mit Thomas verbindet mich seit unserer Freundschaft, die zu Beginn unseres Studiums, im Oktober 1974 ihre Anfänge nahm, eine gleichermaßen rationale wie emotionale Abscheu vor rechtsradikalen Ideologien und Milieus. Weder die Milieus noch die Ideologien sind aus Deutschland verschwunden. Sorgen wir dafür, dass nicht nur der Mahner Leon Weintraub gehört wird, sondern auch der Optimist!

Meine Gedanken zum Jahresbeginn, die gestern noch Gedanken zum Jahresende waren, widme ich heute Leon Weintraub. Denn es ist eine nachgetragene Lektüre. Gestern hatte ich keine Zeit. Ich durfte mich Ann-Christins Hundenachwuchs und meinen Enkelkindern widmen. Und das nachstehende - nunmehr Leon Weintraub gewidmete - Gedicht ist gestern Nachmittag entstanden:

Leon Weitraub wird heute - am 1. Januar - einhundert Jahre alt.  Damit ist er einer der letzten Überlebenden des Holocaust. Die Rhein-Zeitung druckt einen von Norbert Demuth verantworteten Beitrag ab. Neben einer biographischen Skizze, beeindrucken mich folgende Gedanken. Aus diesem Grunde widme ich das nachstehende Gedicht Leon Weintraub:

(f)liegen lernen - siehe auch: hier

Lesenswert am Ende Paul Eastwicks Hinweise zu Bindungsbedürfnissen

Zufallsgenerator Fernsehen! Ich bin kein Straemer, muss mich rechtfertigen, wenn ich bekenne, dass feste Sendeplätze im öffentlich-rechtlichen Fernsehangebot nach wie vor meinem Rezeptions- und Konsumverhalten jenes Korsett verleihen, mit dem ich von Kindesbeinen an - so etwa ab einem Alter von 8 bis 10 Jahren sozialisiert worden bin (damals noch mit Klaus Havenstein und Sammy Drechsel: Sport -Spiel - Spannung und nicht zu vergessen: Astrid Lindgren: Die Kinder von Bullerbü). Gestern, Samstag - nach Weihnachten bei Christstollen und Kakao - gerate ich in einen 2003 gedrehten Spielfim, den Claudia allerdings aus der Mediathek gefischt hat. Allein die Riege der inzwischen etablierten - seinerzeit jungen Schauspieler:innen Fabian Busch, Susanne Bormann, Fritzi Haberlandt, Sophie Rois, Anka Sarstedt, Birgit Minichmayr, Florian Lukas, Uwe Rohde  (als 1958 Geborener freilich nur sechs Jahr jünger als ich) hält mich auf der Couch fest. Die ersten Bilder die ich sehe, zeigen Szenen einer Klassenfahrt nach Berlin (u.a. Helmut und Britta, die Hauptprotagonisten in der Kneipe: Zur letzten Instanz); die hatte ich 10 Jahre zuvor absolviert als ältester aus meiner damaligen UI - ein Jahr vor dem Abitur.

Ich bleibe also hängen und sehe mir den Film bis zur Schlussszene an. Es sind zweifellos nicht Angehörige meiner Alterskohorte. In der Generationenabfolge würde man sie auch - bis auf Ausnahmen - nicht mehr den Boomern zuordnen.

Gedanken zum Jahresende - mit Hoffnung auf die Wende - wir Wähler haben's auf dem Zettel

 

Jahresende! Zeitenwende?

Ein Jahr neigt sich dem Ende.
Auf Ende reimt sich Wende.
Doch die entpuppt sich kaum,
bleibt eher flüchtig - wie ein Traum.

Ein Traum, vom Alb regiert,
aus dem der Nazi stiert.
Er scheidet - wie schon immer - Freund und Feind:
Mit Feind ist hier der Sündenbock gemeint.

Und das Fremde bleibt ihm auserkoren -
(in Nazideutschland: wer als Jude war geboren)
Und gestern, heute, morgen
müssen Asylanten und Migranten dies besorgen.

Ich kann’s nicht dulden, und ich kann’s nicht fassen!
Nach tausend Jahren Nazi-Terror könnt ihr’s immer noch nicht lassen.
Deutschland, Deutschland über alles – reicht euch nicht die MAGA-Scheiße?
Geht auf Reisen: von Buchenwald bis Auschwitz und werdet dann ganz leise!

Nach Hekatomben Toten
führte unser Weg nach Westen,
Im Osten sorg(t)en für die Toten nun die Roten -
bei uns geduldet von den neuen Braunen mit den blauen Westen.

Ihr Wähler all in deutschen Landen
lasst die blau gefärbte braune Scheiße nun versanden.
Deutschland erwache - kann heute nur bedeuten:
Geht nicht unter Unterleuten!

 

Hört lieber auf den Kästner!

Meine Weihnachtsgeschichte 2025

Die Flut der Ereignisse lässt mich lieb gewonnene Gewohnheiten neu ordnen. Beim erneuten Lesen von: Wenn ich noch einmal Kind sein dürfte ist mir aufgefallen, dass das Urmotiv, das ich mit meinen Kindheitserinnerungen verbinde, in der Vielzahl der Anmerkungen unterzugehen droht. Das ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass auf der einen Seite die Abschiede zahlreicher werden. Auf der anderen Seite wächst unsere Familie. Unser viertes Enkelkind, Lia-Sophie, hat am 10. September 2025 das Licht der Welt erblickt.

Daher habe ich mich entschlossen, zu meinem Urmotiv zurückzukehren und mich auf meine Weihnachtsgeschichte zu beschränken. Da sich mit zunehmenden Alter abschiedliche und aufbrechende Perspektiven immer stärker miteinander verschränken, halte ich die alte Tradition insofern bei, als ich hier einen Link setze, mit dem man das alte Format aufrufen kann. In diesem Format habe ich - in einer Art Chronistenpflicht - all jene Ereignisse festgehalten, die inzwischen den Rahmen meiner Weihnachtsgeschichte sprengen. So können sich alle eingeladen fühlen - je nach Gusto - die ausufernde (und bebilderte) Version unter Weihnachtsgeschichte 2.0 aufzurufen.

Und nun zum Kern meiner (alten) Weihnachtsgeschichte:

   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund