Warum Dummheit weh tut! Eine vielleicht nicht ganz passende Analogie zu der Frage: Warum Liebe weh tut.
Wer nicht lesen will, kann - auch vorab - schon hören:
1990 erschienen in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung zwei opulente Bände: Zur Theorie und Praxis politischer Bildung (Band 290) sowie: Umbrüche in der Industriegesellschaft - Herausforderung für die politische Bildung (Band 284). Ich hatte mit zwei Beiträgen daran meinen Anteil. Entschließt man sich zu einem pauschalen Gesamtresümee im Hinblick auf die Frage, ob die politische Bildung den seinerzeit formulierten Herausforderungen gerecht geworden ist, muss man einräumen, dass sie diesen Anspruch bzw. Erwartung nahzu zur Gänze verfehlt hat. In Band 284 gelangt Wolfgang Hilligen 1989 - seinerzeit einer der Impressarios der politischen Bildung - zu der Einsicht:
"Es wird offenbar nicht bedacht, daß das verarmende Drittel (oder Fünftel) der Gesellschaft - ablesbar am Anteil der Empfänger von Sozialfürsorge - sich bei weiterer Ausdehnung nicht mehr als anerkanntes Glied der Gesellschaft empfinden kann."
In seinem einführenden Beitrag: Von der Industriegesellschaft zur Risikogesellschaft - Überlebensfragen, Sozialstruktur und ökologische Aufklärung" gelangt Ulrich Beck, der mit seinen Analysen zur "Risikogesellschaft" weltweit anerkannte Standards gesetzt hat, zu folgendem Resümee:
"Ökologische Erweiterung der Demokratie heißt dann: Das Konzert der Stimmen und Gewalten, die Entfaltung der Eigenständigkeiten von Politik, Recht, Öffentlichkeit und Alltag auszuspielen gegen die gefährliche und falsche Sicherheit einer >Gesellschaft vom Reißbrett. Mein Vorschlag beinhaltet zwei ineinandergreifende Prinzipien: 1. Durchsetzung der Gewaltenteilung. 2. Herstellung von Öffentlichkeit."
Ulrich Beck kommt Ende der 80er Jahre zu dem resignativen Urteil, dass die kulturelle Erblindung des Alltags in der Gefahrenzivilisation letztlich nicht aufzuheben sei, weist aber zugleich darauf hin, dass Kultur in Symbolen sehe:
"Die Bilder der Baumgerippe oder verendender Robben in der Tagesschau haben den Menschen (wie es so schön heißt) die Augen geöffnet. Das öffentliche Sichtbarmachen der Gefahren und das Wecken der Aufmerksamkeit im Kleinen, im eigenen Lebensraum" könnte die kulturellen Augen sein, durch die sich vielleicht die Souveränität eines angemessenen Urteilens zurückgewinnen ließe.
Lassen wir Ulrich Beck noch eine kleine Geschichte erzählen - in einer Welt, in der hochkarätige politische Arschlöcher, wie Markus Söder, einer Renaissance der Atomkraft das Wort reden und eine von fossilen Brennstoffen besoffene und befeuerte Lobbyistin, wie Katharina Reiche, die Richtlinien der Regierungspolitik maßgeblich beeinflussen können:
"Zum Schluss eine Frage: Was wäre, wenn Radioaktivität jucken würde? Realisten, auch Zyniker genannt, werden antworten: Man würde irgenetwas erfinden, besipielsweise eine Gegensalbe, um das Jucken >abzuschalten<. Ein großes Geschäft also [...]. Anzunehmen wäre - wenn alle kratzende und mit geröteter Haut herumlaufen würden, und Fototermine mit Mannequins wie Managementsitzungen der vereinigten Leugnerinstitute unter dauerndem Kratzen aller Beteiligten stattfänden -, das derartige Wegerklärungen keine großen Überlebenschancen hätten. Damit stünde die Atompolitik wie überhaupt der Umgang mit modernen Großgefahren vor einer völlig veränderten Situation: Es wäre kulturell erfahrbar, worüber gestritten und verhandelt wird. Genau daran entscheidet sich die Zukunft der Demokratie: Sind wir in allen Einzelheiten der Überlebensfragen von Experten, auch von Gegenexperten, abhängig, oder gewinnen wir mit einer kulturell herzustellenden Wahrnehmbarkeit der Gefahren die Kompetenz des eigenen Urteils zurück? Lautet die Alternative nur noch: autoritäre oder kritische Technokratie? Oder gibt es einen Weg, der Entmündigung und Enteignung des Alltags in der Gefahrenzivilisation entgegenzuwirken?"
Die Zukunft der Demokratie? Ich wäre bei dieser Frage noch ein wenig resignierter, wenn ich nicht genau vor eine Woche hätte erleben dürfen, wie das Votum der ungarischen Wähler einen der übelsten Drecksäcke des gegenwärtig sich ausbreitenden Rechtspopulismus dorthin befördert hat, wo er hingehört: Auf die politische Müllhalde Europas.
Da ich nach vierzig Jahren aktiver und publizistischer politischer Bildungsarbeit weiß, dass wohlfeile Analysen nur von einer verschwindenden Minderheit wahrgenommen werden, habe ich mich entschlossen, der Erblindung und Ertaubung des kulturellen Alltags etwas Hörbar(er)es entgegenzusetzen und der Selbstentmündigung - im Sinne eines Konzertes der Stimmen und Gewalten - entgegenzuwirken.
Ich lasse nun zurücksingen und gewinne - zumindest für mich selbst - den Eindruck, dass Lesenswertes in Liedform, in der Synergie und Melange von Wort und Klang, gewissermaßen als umfänglichere Performance, mehr an Durchschlagskraft gewinnt. Beginnen wir mit dem Lied Wer wir sind. Die vier letzten Strophen lauten (in vertonter Form bewegen sie selbst mich noch einmal und erweitern das Sensorium der Wahrnehmung erheblich):
Hört doch Björn, den Höcke reden,
hört des Krahs Gekräh!
Ich frage von euch jeden:
Wollt ihr's wirklich wieder flink und hart und zäh?
Schluss mit eurem billigen Protestgehabe,
ein jeder weiß und hat gewußt -
ein jeder, auch die letzte Schabe,
wer sich bedient und labt an eurem Frust.
Steht auf und nehmt das Leben in die Hand,
steht ein für eure Sache,
ihr lebt in einem freien Land -
schon sieht sie sich - die AfD - als Wache.
Wollt ihr den totalen Sieg
zum Preise eurer Freiheit?
Wenn nicht, dann seht ihn endlich - ihren Krieg,
mit dem sie spalten uns're Einheit!
Die Selbstentmündigung ganzer Wählerschichten liegt ja auf der Hand, wenn Frontschweine, wie Alice Weidel, Beatrice von Storch, Tino Chrupalla und all die Ja-Mäh-Ja-Mäh-Sager in Reihen der AfD Victor Orban huldigen oder ihre Nähe zu Wladimir Putin nicht verhehlen, die erneuerbaren Energien als Teufelwerk stilisieren, sich in keinster Weise entblöden als Lobbyisten der Fossilen und der Atomclique aufzutreten. Wer kann die denn ernsthaft wählen, wer bei Verstand ist, wer möglicherweise zu obigem Fünftel der Gesellschaft gehört, und nachlesen kann, dass mit der AfD die Reichen und die unanständig Reichen reicher werden, während die Geldbeutel der sogenannten kleinen Leute mehr noch an Schwindsucht leiden werden, wenn man Höcke, Krah und all den anderen demokratischen Faschisten nicht nur seine Stimme gibt, sondern ihnen den Staat zur Beute vorwirft!!!
Geben wir also RedHotChillyJupp das Wort und lassen seine singenden Heerscharen ans Mikrophon:
Und erweisen wir Hape Kerkeling unsere Referenz. Einer der als Vorbild taugt, weil er das Wort auch dort nimmt, wo andere schweigen und sowieso...
*Bermerkung zu Hoh, hoh, hoh
zu Hoh, Hoh, Hoh muss man anmerken, dass der Weihnachtsmann sich weigert auch im Hochsommer sein Weihnachtsmann-Out-fit abzulegen. Als Kosmopolit wandert er durch die Weiten Russlands - immer singend und zugleich unantastbar. Allerdings ist es ihm noch nicht gelungen, die Agenten des KGB und des FSB zu neutralisieren. Sie folgen ihm mit Wagenkolonnen und verhindern mit ihren Störsendern, dass das russische Volk seinen Gesängen folgen kann. Währenddessen hat sich der Osterhase in eine nicht weiter ortbare Enklave zurückgezogen und malt weiter Eier an, die er - so verlautet es aus informierten Kreisen - nicht mit Nowitschok befüllt, sondern mit dem Gift demokratisch motivierter Selbstermächtigung. Viele Hennen haben seine Rezeptur übernommen und legen demokratisch befüllte Eier. In Ungarn haben schon mehr als zwei Drittel der Wähler im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen am vergangenen Sonntag (12.4.26) diese Eier zu sich genommen, während selbst im Westen der Bundesrepublik Deutschland fast ein Fünftel der Wähler in BW und RLP die faschistisch verseuchten stinkenden und verfaulten Eier der AfD genossen haben. Im Osten könnten es doppelt so viele verirrte WählerInnen werden. In den Legebattarien geben Alice Weidel und Beatrice von Storch den Takt vor. Aus informierten Quellen wurde nunmehr bekannt, dass erste weißgefiederte Hennen zum Legestreik aufrufen, weil sich nicht hinnehmen wollen, dass ihr bislang unversehrtes weißes Gefieder von vorne wie von hinten mit braunen Farbklecksen verunstaltet wird.
