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Die Zeit für absolutistisch regierende Sonnenkönige läuft ab – auch in Russland

Navid Kermani hat in der aktuellen ZEIT (9/22, Seite 47/48) unter dem Titel Putins Attacke und die Schwäche des Westens präzise dargelegt, in welchen Hinsichten der Westen in den letzten 30 Jahren versagt und Schwächen offenbart hat, die von autokratischen Regimen genutzt werden, um geopolitisch-strategisch und vor allem auch militärisch eine ohnehin fragile Weltordnung zur Disposition zu stellen. Die Analyse scheint präzise und in ihren zentralen Argumenten kaum angreifbar. Auch seinem generalisierenden Resümee, dass die Vereinigten Staaten weiter denn je davon entfernt seien, die Kraft des Guten zu sein, die das Böse überall auf der Welt bekämpft, mag man kaum stichhaltige Einwände entgegenzusetzen. Im Gegenteil lässt sich insbesondere im Nahen Osten überdeutlich zeigen, wie die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik Verhältnisse geschaffen hat, die uns heute gewaltig auf die Füße fallen.

Peter Bieri - Eine Art zu leben - Über die Vielfalt menschlicher Würde: Teil I

Die Würde des Menschen ist unantastbar (Artikel 1 Absatz 1GG)

Würde als Lebensform?

2013 veröffentlichte Peter Bieri seine Befassung mit einer abstrakten Fragestellung. Seine zentrale These dabei läuft allerdings darauf hinaus, dass Würde keine abstrakte Eigenschaft ist, „sondern eine bestimmte Art zu leben. Sie drückt sich darin aus, dass wir Selbstständigkeit, Wahrhaftigkeit und echte Begegnungen zum Maßstab unseres Handelns machen“. So sieht es zumindest Peter Bieri, der mich als Pascal Mercier immer wieder faszinierte – besonders mit seinem Nachtzug nach Lissabon, weniger mit dem Gewicht der Worte.

Hilfreich erscheint mir seine Art und Weise, mit der er eine abstrakte Denkanstrengung strukturiert, indem er davon ausgeht, dass man an der Lebensform der Würde drei Dimensionen unterscheiden könne:

Rosemarie Welter-Enderlin über die heilende Kraft des Erzählens

2006 – vor nunmehr 16 Jahren führt Tina Hildebrandt (TH) ein Gespräch mit Rosemarie Welter-Enderlin (Quelle: ZEIT 34/2006). Ich gebe im Folgenden einige der hier geäußerten Positionen wieder, die mir selbst Mut machen, nicht nachzulassen im Erzählen: Zunächst einmal ordnet Rosemarie Welter-Enderlin (RWE) Geschichten ihrer Patienten als eine Quelle ein, die vor allem beim Verstehen von Ressourcen helfe. Es ergibt sich mit Blick auf Geschichten sehr schnell die Frage, inwieweit man eigentlich Herr oder Frau seiner eigenen Geschichte ist. In diesem Punkt ist RWE sehr klar und sehr apodiktisch: Überhaupt nicht meint sie, räumt aber ein, dass die Geschichte etwas aus uns gemacht habe und dass es sinnvoll sei, dem nachzugehen: „Immer mit der Frage: Was machen wir jetzt für uns daraus?“

Heute einmal etwas ganz anderes - mit Max Frisch

Der Januar neigt sich dem Ende zu - mein siebzigster Geburtstag nähert sich mit Riesenschritten; ein wenig mehr noch als 21 Tage bis zum 21. Februar. Heute morgen anregend bis verstörend wirkende Klolektüre (habe die Idee, im Rezeptionsverhalten so etwas zu begründen wie die Klo-lectures). Mir fällt halt immer wieder auf, wie blitzartig solch kleine apercus Fenster für einen Weitblick öffnen. So heute morgen - mir fällt noch einmal der Klappentext ins Auge: "Im August 2009 meldeten die Feuilletons eine Sensation: In einem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Teil des Max-Frisch-Archivs in Zürich war das Typoskript eines bisher unbekannten Werks des Schweizer Autors gefunden worden: 184 Seiten, von Frisch auf Tonband diktiert, von seiner Sekretärin in die Maschine getippt. Der Autor selbst hatte auf der Titelseite notiert: 'Tagebuch 3. Ab Frühjahr 1982'." Max Frisch, geboren am 15. Mai 1911 in Zürich, starb dort am 4. April 1991) hatte also eben erst seinen 71. Geburtstag hinter sich.

Saba-Nur Cheema zur Shoa

"Die Erinnerung an den Holocaust ist keine Frage der Abstammung, der Nationalität oder der Hautfarbe" - meint Saba-Nur Cheema. Die 1987 geborene Saba-Nur Cheema ist Muslima und mit dem Juden Meron Mendel verheiratet, mit dem sie gemeinsam eine Kolumne „Muslimisch-jüdisches Abendbrot“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt. In ihrem Beitrag für die ZEIT (5/22, S. 7) begründet sie, warum dass Interesse und das Verantwortungsgefühl für die Verbrechen der Nazis keine rein biodeutsche Angelegenheit ist. Überaus beeindruckend erscheint die Initialzündung für ihre Begründung:

"Als ich in der Grundschule war, nahm mich meine Mutter jeden Samstag mit in die Stadtbücherei. Zwar konnte sie selbst die Bücher auf Deutsch nur schlecht lesen, doch war es ihr wichtig, dass ich früh die hiesige Sprache, Kultur und Geschichte lerne.

   
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