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Clemens J. Setz Bot - Gespräch ohne Autor (ein Geburtstagsgeschenk)
Ja, Birte und Martin haben auch bei einem alten Mann einen Nerv getroffen, der ihn offenkundig mit deutlich Jüngeren verbindet. Clemens J. Setz‘ Bot Gespräch ohne Autor (Suhrkamp – Berlin 2018) offenbart, dass da ein Autor bereits aufgegeben hatte und sich flüchten konnte in eine Idee, die selbst in einer (vermeintlich) aufgeklärten Welt noch Raum für Mystifikationen eröffnet – freilich nicht wirklich! Seitz erzählt – immerhin als Autor (und somit unfassbar authentisch), dass er scheiterte an einem Angebot seines Verlages mit der Lektorin Angelika Klammer (offenkundig auch ein Mensch aus Fleisch und Blut und Hirn) einen Gesprächsband zu machen:
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Martin Walser sähe sich gerne anders (ZEIT 30/22, S. 45)
Martin Walser sähe sich gern anders, als er ist und stellt fest, dass er auf diese Weise natürlich nicht so wird, wie er sich gern sähe. Mit fünfundneunzig Jahren gestattet er sich einen gleichermaßen geistreichen wie larmoyanten Epilog - ein Schlussakkord aus Donnerhall und sphärischen Klängen (alle Zitierungen kursiv):
Es dunkelt jetzt, wird eng im Jahr. Du kannst Dir nichts mehr denken. Fast alles, was im Garten sein kann, ist geschehen. Schau in die Wolken, dort lebt immer ein Text, den es nicht gibt, den musst Du finden.
Lasst Euch von Martin Walser sagen – gleich immer wie alt oder jung Ihr auch seid:
Jeder Tag ist ein Gedicht, das wir aus Unachtsamkeit nicht lesen.
Aber bleibt skeptisch, wenn jemand – inmitten der Neunziger – in Lieblosigkeit bei Lebzeiten… und in einem sich nicht auskennen wollen, seine nachgetragenen Ideale sieht. Und dabei vor allem keine Hoffnung mehr züchten will. Martin Walser bekennt, unsere hart gewordenen Zungen müssten splittern, wenn sie beten müssten. Und vor allem, dass wir alle Angst haben voreinander! Und die keine Angst haben, sollte man fortschicken, damit sie das Fürchten lernen. Als wäre uns nicht allen schon die Furcht und die Angst in die Gesichter geschrieben und in die Seelen gekerbt.
Und eines lässt Martin Walser Gewissheit werden: Es ist gewesen. Das und das. Sein wird. Nichts. Es lebe die Niegewesenheit. Wenn das so ist, ja dann wird die Sehnsucht verständlich, die aus dem Glück der Selbstvergessenheit jenes Unglücklichsein schöpft, das uns die Frage nach dem Warum erspart und auf diese Weise die menschenwürdigste Form des Unglücklichseins begründet.
Und über allem die Frage: Wenn das Leben nicht mehr tobt, warum soll man dann noch leben???
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Winfried Rösler (siehe verlinkten Text ganz unten - die Würdigung des Kollegen Clemens Albrecht!!!) zu Ehren und zum Gedenken
Vorsicht da kommen Touristen - Aber niemand war dabei und keiner hat's gewusst - das mit den 2 1/2 Erden
Ja, ich weiß: Das ist kein neuer Beitrag. Als Originalbeitrag ist er 2016 zu Ehren von Winfried Rösler in Silke Allmann/Denise Dazert, Hg.: Auf dem Weg zur Bildung - Individuelle Bildungsreisen als Horizonterweiterung, Weinheim 2016, S. 182-200 erschienen. Ostern 2022 ist Winfried Rösler - knapp einen Monat nach seinem 71. Geburtstag - gestorben. Von den alten Weggefährten war er derjenige - vielleicht mit der Ausnahme Rudis -, mit dem ich in den letzten Jahren den intensivsten Austausch hatte. Nicht nur, dass er mich teilhaben ließ an seinen jeweiligen Publikationsvorhaben. Angesichts seiner Erkrankung zum Tode hin erscheint es mir unfassbar, dass er beginnend mit dem Jahr 2016 (mit Ausnahme des erstgenannten Titels) neun Bücher veröffentlicht hat:
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Identität und/oder Biographizität? Wie und warum Kurz vor Schluss - Teil II entstanden ist!
Die Lektüre von Peter Alheit (siehe unten) verdanke ich meiner Tochter Anne, die im Rahmen ihres Studiums die Lesart aktueller Biographieforschung an mich herantrug.
"Biographizität bedeutet, dass wir unser Leben in den Kontexten, in denen wir es verbringen (müssen), immer wieder neu auslegen können, und dass wir diese Kontexte ihrerseits als ‚bildbar‘ und gestaltbar erfahren (Peter Alheit)." Unter diesen Leitsatz lassen sich die Bemühungen von Kurz vor Schluss Teil II zusammenfassen.
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Autoren und ihre Adressaten - Kurz vor Schluss (Teil II)
Vorbemerkung und Schluss: Der Trost für den Großvater, der ich inzwischen bin - vielleicht auch für den Vater, der ich schon seit fast 35 bzw. 33 Jahren sein darf - (vielleicht auch der Trost für den Onkel, gewiss für den Bruder und den Cousin - vielleicht sogar für den Ehemann) liegt möglicherweise darin, nicht ausschließlich für die Schublade oder den Schredder (Papierwiederverwertung) zu schreiben, sondern zumindest bei den Nachrückenden dann noch einmal Interesse zu wecken und zu befriedigen, wenn die Fragen mächtiger werden, die aber - wenn sie gestellt werden - von niemandem mehr beantwortet werden können. Die Quote ist überschaubar, der Lohn hingegen unermesslich.
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