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Dirk Baecker: Studien zur nächsten Gesellschaft
in der wir schon längst leben!
- Nehmen wir uns noch in den Arm?
- Weinen wir miteinander?
- Lachen wir miteinander?
- Erklären wir uns den anderen - versuchen wir es zumindest?
- Erleben wir uns als Mitfühlende?
- Leiden wir mit anderen?
- Wie zeigen wir das?
- Vertrauen wir den anderen noch?
- Vertrauen uns die anderen noch?
- Geht es uns gut, wenn es den anderen gut geht?
- Geht es uns schlecht, wenn es den anderen schlecht geht?
- Erzählen wir unsere Geschichten?
- Möchten wir, dass die anderen uns ihre Geschichten erzählen?
- Sind wir noch neugierig?
- Haben wir Freude - alleine und mit den anderen?
- Vermissen wir die anderen, wenn sie nicht da sind?
- Glauben wir, dass die anderen uns vermissen, wenn wir nicht da sind?
- Wer wollen wir sein - für uns selbst und für die anderen?
Zuletzt war es die fragile, nur von dünner Firnis überzogene Kraterlandschaft familientypischer Exkursionen in vermintes Gelände, die dazu anregten über Glück und Unglück der Kommunikation in Familien nachzudenken. Heute stoße ich bei Jens Jessen und seiner Analyse über "unerbittliches Lagerdenken" auf die beiläufige Feststellung - im Sinne eines Exempels -, dass Widersprüche das unausweichliche Fluidum abgeben, in dem sich gesellschaftspolitische Positionierungen vollziehen. Dabei wird man in der Retrospektive solcher Widersprüche gewissermaßen en passant gewahr und fragt sich, wie ging das je zusammen - oder anders herum: In welch schlafwandlerischer Mentalität agier(t)en offenkundig die Programmmacher der Parteien: "So wie seinerzeit die Unionsparteien sich erst zum Schutz der Familie, dann zur Flexibilisierung der Erwerbsbiografien aufgerufen fühlten, ohne die Unvereinbarkeit dieser Ziele zu bemerken..."
Der Luhmann-Schüler Dirk Baecker hat bereits 2007 im Suhrkamp-Verlag "Studien zur nächsten Gesellschaft" veröffentlicht - darin einen knappen Beitrag, den er in Anlehnung an Niklas Luhmann "Familienglück" nennt (S. 191-205): Um eines vorwegzunehmen - auf diesen knapp 15 Seiten werden wir nichts erfahren über "Familienglück". Gleichwohl geht es um elementare Einsichten. Die taugen aber eher dazu Fragebedarf und Skepsis gleichermaßen zu erhöhen - immer unter der Maßgabe: Keine Einsicht ohne Blindheit. So beschreibt Norbert Bolz (in: Luhmann Lektüren, Berlin 2010, S. 34-52) die sogenannte "Kybernetik zweiter Ordnung". Sie lehre uns eben grundsätzlich, dass man nicht sehen könne, was man nicht sehen könne:
"Dass man nicht sehen kann, dass man nicht sehen kann, was man nicht sehen kann, ist aber die Definition des blinden Flecks [...] Der blinde Fleck einer Beobachtung ist die Bedingung ihrer Möglichkeit, und daran zerschellt Vernunft. Man kann blinde Flecken nicht vermeiden. Aber man kann versuchen, sie deutlich zu machen, indem man die Begriffsunterscheidungen und Theorieunterscheidungen der eigenen Analyse klar zu erkennen gibt, sie also gewissermaßen ausstellt. Und die Frage lautet dann: welches Theoriedesign macht die Einsicht in die eigene Blindheit erträglich? Wie muss eine Theorie beschaffen sein, die durch ihr Wissen um die ihren blinden Fleck nicht blockiert ist?." Norbert Bolz kolportiert Luhmanns Metapher der Sozialwissenschaften: "Auch Wissenschaftler sind nur Ratten, die andere Ratten im Labyrinth beobachten aus irgendeiner gut gewählten Ecke heraus. Aber keine Theorie kann voraussagen, wie die Ratten laufen. Es gibt nur die Chance der besseren Beobachtungsmöglichkeiten."
Also versuchen wir es einmal mehr:
Beginnen wir mit Dirk Baeckers letztem Satz. Zuvor ist er seiner Ungewissheit gefolgt. Auch er räumt ein, nicht zu wissen, wie die Ratten laufen:
"Man wird jedoch als Form der Bewältigung dieser Ungewissheit wissen, dass man es genau dann mit einer Familie zu tun hat, wenn man auf Leute stößt, die Verantwortung dafür übernehmen, wie der andere geboren wird, lebt und stirbt (S. 205)."
Dirk Baecker rechnet die Familie zu den "Einmalerfindungen" der Gesellschaft: "Sie ist in ihrer Funktion der Bereitstellung eines Schutzraumes für die Aufzucht des Nachwuchses der Gesellschaft ebenso unverwüstlich wie unverzichtbar." Gleichwohl wird man konzedieren müssen, dass andere gesellschaftliche Einrichtungen - Kirche, öffentliche Erziehung und Betreuung (vorschulische Einrichtungen und Schule) - in Konkurrenz zur Familie treten. Hinsichtlich der Unverzichtbarkeit muss offenkundig ein weiteres Alleinstellungsmerkmal hinzukommen: Neben der Bereitstellung eines Schutzraumes für die Aufzucht des Nachwuchses greift Baecker auf die Annahme zurück, das Familien populationsökologisch eine weiteres Argument für sich reklamieren können: nämlich dass sie einen geschützten Raum auch für die Kommunikation von Intimität - wenn sie Dauer wolle - zur Verfügung stellen; zusätzlich bzw. parallel zur Aufzucht von Kindern und der Versorgung der Alten. Die Familie als imitationsfertige und variationsgeeignete Form stellt also offenkundig daneben einen Rahmen bereit, der - wie Peter Fuchs meint - geeignet zu sein scheint, Intimpartnern eine wechselseitige Komplettberücksichtigung im Modus der Höchstrelevanz zu ermöglichen. Wir gelangen auf diese Weise zu einer soziologischen Verortung und Funktionszuweisung, die die Familie mit den Worten von Dirk Baecker als einen Attraktorzustand erscheinen lässt, in dessen Einflussbereich wir geboren werden und aufwachsen
"und sei es in der Form der Kommunikation eines Mangels, wenn es an der Familie fehlt. Und in den Einflussbereich dieses Attraktors gerät, wer sich auf Dauer binden will, Kinder aufziehen und seine Eltern versorgen möchte, so sehr die Formen hierfür variieren und so sehr die daraus entstehenden Aufgaben durch die Größe der Familie unterschiedlich verteilt und durch Zusatzleistungen der Gesellschaft ergänzt und ersetzt werden können (S. 192)."
Bereits nach einer guten Seite konzediert Dirk Baecker, dass sich die Kommunikation über (oder auch in) Familie(n) auf ihre Mängel konzentriert - zumindest dann, wenn es an Familie fehlt bzw. wenn es ihr als Form nicht gelingt einen positiven Referenzrahmen bereitzustellen. Nicht von ungefähr betont Baecker die Imitationsfertigkeit und die Variationsbreite der Form Familie. Auf diese Weise kann sowohl über ideale Szenarien spekuliert werden als auch über Defizite oder gar krankmachende Fehlformen:
"Die Familie ist der Ort, an dem man geboren wird, aufwächst und stirbt, so sehr man dann auch zeit seines Lebens damit zu tun hat, die Grenzen dieses Ortes kennenzulernen, auszuloten und zu überschreiten (191) ."
Die Familie ist also eine soziale Einheit. Sie kennt und kultiviert bestimmte Formen der Bindung; Bindung offenbart und lebt sich aus in selbstverständlicher Zugehörigkeit. Ob und wie man Zugehörigkeit verspielen kann, löst in Familien häufig brisante Kontroversen und Konflikte aus, die nicht selten die Familie als soziale Einheit nachhaltig gefährden bzw. in Frage stellen. Dabei ist mit Dirk Baecker zu bedenken, dass die Personen in einer Familie nicht oder nur begrenzt - nämlich unter Ehegatten - ausgetauscht werden können (Eltern und Kinder bleiben, wer sie sind). Baecker betont, dass daher Variabilität der Familie sowohl im kulturellen Vergleich als auch im biografischen Ablauf nur aus einer Variabilität der Person gewonnen werden könne. Er bezeichnet das als gesellschaftlich untypisch. Ob das gesellschaftlich untypisch ist, das ist die eine Frage. Die andere -letztlich entscheidende - Frage ist, ob es überhaupt biografisch möglich ist, so etwas wie Variabilität an den Tag zu legen.
Wer zum Beispiel mit 38 Jahren sein finales Ende findet, wie zum Beispiel mein Bruder, der wird uns als derjenige in Erinnerung bleiben, der er bis dahin war. Verdichten sich die Bilder im verwandtschaftlichen wie im wahlverwandtschaftlichen Erinnern zu einem mehr oder weniger harmonischen Mosaik - mit stimmigen Farben und Elementen -, dann kann es sein, das man über 25 Jahre wenigstens einmal im Jahr zusammenkommt und sich genau darüber vergewissert, wer der Willi wirklich war: Jener überaus empathische Mensch, der es verstand die unterschiedlichsten Charaktere und Persönlichkeiten an sich zu binden, der durch seine Präsenz gleichermaßen für Verlässlichkeit und Frohsinn stand, der den Eltern ein guter Sohn, den Kindern ein guter Vater, der Schwester und dem Bruder ein guter Bruder und den Freunden ein guter Freund war. Inkonsistenzbereinigungsprogramme helfen uns dabei dieses konfektionierte perfekte Bild von einem Verstorbenen zu bewahren. Und er war ja auch genau so - unser Willi. Dass er nicht mit Geld umgehen konnte, dass er seine Ehe zumindest als gleichberechtigter Player aufs Spiel setzte, dass er dem Leben zugewandter war als das ein Pflichtethos ihn in seiner Lebenslust hätte bremsen können, sind beiläufige kollateral auftretende Eintrübungen, die das Gesamtbild nicht wirklich beschädigen. Und: 25 Jahre nach seinem Tod bin ich mir ganz und gar sicher, dass mir jedenfalls der Bruder verloren gegangen ist, der ein lebenslanges Sehnsuchtsleck markiert. Ich lebe mit Willis Tod, weil ich mein eigenes Leben - wir Rudi Dutschke sagen würde - ganz und gar zu Ende leben muss, ohne vergangenheitsbezogen etwas hinzufügen oder etwas wegnehmen zu können. Und: Ich bin mir sicher, dass den Kindern ein Vater verloren gegegangen ist, der als liebevoller, zugewandter Vater ein noch größeres Sehnsuchtsleck hinterlässt! Und was wäre er wohl für ein Großvater gewesen?
Was tun wir uns an, wenn wir jemandem von vorneherein und grundsätzlich den Platz verwehren, der ihm zusteht, wenn wir jemandem Zugehörigkeit grundsätzlich absprechen? Jemandem, der mit 27 Jahren den Höchstpreis entrichtet für seine individuelle Verirrung? Für seine individuelle Verirrung??? Die individuellen Verirrungen eines Günter Grass oder eines Wolfgang Klafki haben nicht verhindern können, dass der eine zum Nobelpreisträger für Literatur avancieren konnte, und dass der andere zu einem glühenden Verfechter des Reeducations-Gedankens mit glänzender akademischer Karriere und maßgeblichem Einfluss auf die Schulpädagogik in der B U N D E S R E P U B L I K Deutschland wurde. Alle sind sie Republikaner geworden, Verfassungspatrioten, die auch dem neuen Barbarentum Gaulandscher und Höckescher Verblödung entgegengetreten wären. Alle??? Ich weiß es nicht. Aber ich hätte es gerne mit eigenen Augen und Ohren erlebt, wie der Panzersoldat mit nationalsozialistischer Überzeugung, der am 23. September 1943 in der Nähe von Saporoshje gefallen ist, den Weg des eigenen Sohnes zum Hauptkommisar in einem demokratischen Rechtsstaat und darüber hinaus noch zu einem angesehenen SPD-Ratsmitglied in einer von der CSU beherrschten Diaspora erlebt hätte - oder wie er die Rede seines Enkels am 9. November 1988 zur Reichsprogromnacht in Bad Neuenahr wahrgenommen hätte.
Wir kommen selbst mit soziologischer Brille nicht von der Personenorientierung weg, wenn wir auf die sozialen Einheiten schauen, die unsere elementare Selbstvergewisserung verbürgen. Die "hochgetriebene Personenorientierung, die in dieser Form nur in der Familie auftritt" ist mit verantwortlich für den besonderen Tonfall, der für Kommunikation in der Familie typisch ist. So sehen es nicht nur Niklas Luhmann und Dirk Baecker:
"Familie hat nicht nur ein größeres Interesse an den Störgeräuschen der Kommunikation, sondern sie merkt sich auch die Geschichte dieser Geräusche, wie Luhmann bemerkt, sehr viel besser als andere soziale Systeme. Denn aus diesen Geräuschen konstruiert sie sich und konstruiert sich jeder Familienangehörige das Bild der Personen, mit denen er es zu tun hat. Das ist paradox und muss von jedem Mitglied der Familie immer wieder neu erst einmal begriffen werden: Gerade weil es darum geht, die persönlichen Ressourcen der Familie an die im Lebenslauf wechselnden Anforderungen anzupassen, ohne die Personen dazu auswechseln zu können [...], wird die Person als mit sich identisch konstruiert. Man mutet es ihrer Identität zu, als konstanter Bezugspunkt zu fungieren, während sich alles andere ändert (S. 193)."
Ich persönlich gebe mit Blick auf den besonderen Tonfall der Kommunikation in der eigenen Familie die Hoffnung nicht auf, dass wir uns doch noch entblöden und die Zugänge zur eigenen Genalogie nicht mit Brettern zunageln, von denen man annimmt, dass sie das Sinnbild einer minderen Intelligenzverkörperung mit unabsehbaren Folgen ausmachen:
"Die Suche nach den 'eigenen Wurzeln' erscheint mir zudem einigermaßen fragwürdig, sobald sie über das unmittelbar erlebte Umfeld hinausreicht, etwa um angeblich bestehende familiäre Kontinuitäten nachzuweisen. Trotz aller Vorbehalte und nicht ohne ein wenig Vergnügen will ich mich dann doch etwas an den unteren Halbkreisen meiner eigenen Ahnentafel entlang hangeln und von den Menschen meiner Familie, ihrer und damit eben auch meiner Herkunft und Heimat berichten, vor allem damit meine eigenen Kinder irgendwann nachlesen können, was mir Wert erscheint, nicht vergessen zu werden. Verzichten will ich aber auf die Suche nach Erinnerungen an Menschen, die mir niemals begegnet sind, und über deren Leben ich auch nur etwas vom Hörensagen berichten könnte. Mir fehlen Überzeugung und Glaube daran, das diesen Abstammungslinien eine wichtige Bedeutung für mich und meine Kinder zukommt. Meine Wurzeln, wenn man es so nennen mag, liegen mit einer Ausnahme, auf die ich noch zu sprechen kommen werde, offen zutage. Und etwas Geheimnisvolles ist an dem, wovon ich nun erzählen möchte, auch nicht."
Mein Neffe und ich sind die Ersten in unserer Familie, denen höherer Schulabschluss und Studium möglich war. Ich ganz persönlich hätte es gerne Stefan Slupetzky gleich getan und mit dem letzten großen Trost so etwas, wie einen Befreiungsschlag in die Welt gebracht. Natürlich habe ich mit Hildes Geschichte meinen eigenen Befreiungsversuch unternommen. Und das Geheimnisvolle, an dem - wie mein Neffe meint - ohnehin nichts ist, hat sich zumindest gelichtet: Ich habe den Vorleser adaptiert, den unsichtbaren, geheimnisvollen sparring partner in die Wahrnehmung gerückt. Mit Sönke Neitzel und Stefan Welzer haben wir begonnen den Referenzrahmen auszuloten, innerhalb dessen die Biografien von Hilde, Franz und Theo (und ihrer Altersgenossen/innen) ihre Anfänge genommen haben. Ich habe das Gespräch mit Franz Streit gesucht, und bin mit meiner Schwester nach Trostberg gefahren, um Dimensionen von Zugehörigkeit zu erleben. Ich habe den Rahmen weiter gefasst und einen Abend mit Sabine Bode verbracht. An diesem Abend ist mir übrigens in der Gestalt einer Kriegsenkelin nachhaltig die These vermittelt worden, dass der Zweite Weltkrieg nocht garnicht an sein Ende gekommen sei. Davon legen auf ihre Weise Willy Peter Reese und Heinrich Gerlach Zeugnis ab, indem sie uns die exorbitante Dimension des Fliegenschisses der Geschichte in den Schädel hämmern - immer unter der Maßgabe, dass sich in einem Schädel auch so etwas wie Intelligenzverkörperung verbirgt und nicht nur Gaulandsche gähnende Leere oder eben Fliegenschiss.
Was bedeutet nun der V E R Z I C H T meines Neffen? Dirk Baecker spricht von einer "raffinierten Konstruktion" mit Blick auf Glück und Unglück der Kommunikation in Familien:
"Das ist eine raffinierte Konstruktion und verläuft wohl auch nicht ohne Reibungsverluste, die sich zu Pathologien steigern können, aber es sorgt auch gleichzeitig dafür, dass man Spielräume gewinnt, um die auftretenden Probleme zu bewältigen, weil man angesichts der Identitätsprämisse keinen besonderen Anlass hat, genauer hinzuschauen. Man kann Änderungen an Person und Familie überspielen, weil man untereinander zunächst einmal davon ausgehen muss, dass sich nichts ändert beziehungsweise nur das, was der Person als mit sich identisch ann auch problemlos zugerechnet werden kann. Möglicherweise iste es jedoch diese Kombination von hochgetriebenen Ansprüchen an die Personwerdung der Individuen auf der einen Seite un die Invisibilisierung dieser Ansprüche in der Annahme, dass Personen bereits solche auf eine mit sich identische Weise sind, auf der anderen Seite, die kommunikative Erwartungen in eine Ausweglosigkeit treibt, die dann zu einer Gewalt führt, die einerseits ein Ausbruchsversuch ist, andererseits die vorgefundenen Verhältnisse exakt bestätigt (S. 193)."
Zunächst bedeutet der V E R Z I C H T - entgegen der ursprünglichen Intentionen - den Kindern eben nicht zu ermöglichen, "irgendwann einmal nachlesen zu können, was mir Wert erscheint, nicht vergessen zu werden." Im Prozess des selektiven Erinnerns und Vergessens waren die Verstrickungen und Widersprüche offenkundig irgendwann so unerträglich, dass Weigerung und V E R Z I C H T zu einer Einheit mutierten und nachhaltige Sprachlosigkeit auslösten. Das Motiv der Verweigerung enthält einen starken Kern es nicht leiden zu können. Etwas nicht leiden zu können bedeutet primär, das Leid nicht annehmen zu wollen, das mit der eigenen Familiengeschichte eben auch unabdingbar verbunden ist.
Dirk Baecker kommt zu der soziologischen Betrachtungsweise, dass jedes Verwandtschaftssystem strukturell identisch sei mit der Vorstellung einer auf verschiedene Positionen und Rollen, Zeiten und Räume verteilten Kommunikation. Die Familie sei dann eben auch der Ort, an dem Grenzen gezogen werden [zwischen Bett und Bett, zwischen Haus und Herd, zwischen Haus und Umfeld, zwischen Umfeld und Wildnis] und der Umgang mit diesen Grenzen tabuisierend, fetischisierend und sanktionierend eingeübt wird.
Persönliche Einlassung: Eingedenk der blinden Flecken, mit denen ich mich abfinden muss, habe ich den Eindruck, dass Akteure in unserem Verwandtschaftgeflecht in der Tat für ganz und gar unterschiedliche Haltungen im Hinblick auf diese Grenzziehungen agieren. Ich weiß zumindest, dass ich z.B. mit Hildes Geschichte einen Fetisch begründet habe, der andere eher dazu veranlasst mit Strategien der Tabuisierung oder der Sanktionierung oder ganz schlicht mit der Demonstration von Desinteresse zu beantworten.
Sieht man einmal ab von den Besonderheiten der angesprochenen Genalogie, gelangt man mit Dirk Baecker zu Überlegungen, die uns aus der Erforschung von Sozialisations- und Individuationsprozessen vertraut sind. Baecker meint die Familie funktioniere wie ein "genetischer Algorithmus", der Individuen erzeuge, die sich ein Leben innerhalb der Familie genauso gut vorstellen könnten wie ein Leben außerhalb der Familie. Wichtig ist nun die soziologisch relevante conclusio:
"In der Familie zu leben, heißt nicht nur Ambivalenzen auszuhalten, sonder auch, sie zu schätzen und zu pflegen, denn nur so kann die Zellteilung vorbereitet werden, in der die Familie durch die Schaffung der Voraussetzungen für die Gründung einer weiteren Familie ihre im strikten Sinnde des Wortes gesellschaftliche Funktion erfüllt. Wenn die Kinder nicht aus ihr herauswollten, um dann unter Umständen ihre eigenen zu gründen, wäre die Familie sozial gescheitert. Und das würde man, so würde ich vermuten, auch an den psychischen Zuständen der Familienmitglieder erkennen können (S. 200)."
Genau das ist die Schnittstelle, an der sich die Sorgen sozusagen verdichten. Wie gelingt es Familie in genau diesem Sinne die Kinder gleichzeitig auszustoßen und zu binden? Ich kann mich erinnern, dass ein Familientherapeut diese Kernfunktion der Familie einmal in die Formulierung meißelte: Gesund - auch psychisch gesund - ist, wer sich frei in seiner Familie bewegen kann. Nicht mehr zu reden, nicht mehr zu schreiben, nicht mehr zu erzählen erzeugt ein Vakuum, in dem man sich bestenfalls schnappatmend bewegt. Die Schnappatmung ist ein Phänomen, das der chronischen Unterversorgung mit Sauerstoff zu entgehen versucht.
"Eine unruhige Selbstreferenz, die in Vorstellungen eines immer bedrohten, aber auch immer möglichen Gleichgewichts konvergiert, liefert ein stündlich und täglich aubrufbares Schema, das es erlaubt, auf Überraschungen, Enttäuschungen und andere Störungen sowohl zu reagieren als auch nach Bedarf abzuweisen, das Reaktionen erforderlich sind. Die Kulturform des Gleichgewichts, die man sich als eine laufende Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit des Ungleichgewichts vorstellen muss, ist der Rechenrahmen, der zurate gezogen wird, um entscheiden zu können oder unentschieden auf sich beruhen zu lassen auf welche Probleme innerhalb der Ehe, bei der Erziehung der Kinder, im Umgang mit den Alten oder bei der Auswahl des nächsten Urlaubsziels, des nächsten Autos"... oder noch konkreter bei der Gestaltung und Ausstattung des täglichen Mittagstisches, der Frage, ob die Tochter nun ein neues Bett samt Matraze benötigt, oder ob doch eher ein zusätzliches Bad einzurichten sei - also auf welche Probleme wer wann eingeht. Dirk Baecker bemerkt ungewöhnlich alltagsbezogen - ja im Hinblick auf alltägliche familieninterne Kommunikation, dass sich beispielsweise "an der Geschichte der Eltern, den Erinnerungen der Großeltern, den Erwartungen und Aussichten der Kinder, an der Auseinandersetzung mit dem Arbeitsmarkt und der Schule, an der Beobachtung von Politik und Wirtschaft, am Engegement für soziale Bewegungen, für eine Religion, für die Technik oder für wissenschaftliche Forschung ein familiär zu bearbeitendes Weltwissen entzündet, das seine beiden Pointen in der je idiosynkratischen Persönlichkeit der Familienmitglieder und im Vermögen, auch hier zu einem kommunikativen Gleichgewicht zu kommen, hat (S. 201)."
Also fragen wir uns alle miteinander, inwieweit wir der Vorstellung Raum geben, dass ein Gleichgewicht immerhin möglich ist. Erst dieser Spielraum - meint Dirk Baecker - lasse uns die Realität und Aktualität des Ungleichgewichts hinnehmen. Aber doch nicht grundsätzlich und auf Dauer, möchte man einwenden. Auftretende Ungleichgewichte in der Kommunikation mögen sich ertragen lassen, sofern man zuweilen das Gegenteil als reale Erfahrung begreift. Ansonsten signalisieren die psychischen Zustände der Familienmitglieder strukturelle Schieflagen. Das soziale System Familie bleibt ja auf Kommunikation angewiesen; es verfügt über keine anderen operativen Modi als Kommunikation. Der V E R Z I C H T auf Kommunikation führt in die Agonie: Man verliert seinen Partner/seine Partnerin aus den Augen, seine Kinder - schlimmer noch: der Partner/die Partnerin verliert einen aus den Augen, die Kinder verlieren einen aus den Augen. Hilflos findet man sich wieder als Beobachter seiner Nächsten. Man beginnt zu rätseln über die psychische Verfassung der bedeutsamen Anderen. Es bleibt ein Rätselraten, denn die Menschen stehen ja außerhalb des sozialen Systems Familie. Die Familie als soziales System ist gewissermaßen eine bewusstseinsfreie Zone. Möchten wir etwas wissen über die anderen, dann müssen wir miteinander reden - zurückgeworfen und reduziert auf Kommunikation. Nie werden wir wirklich wissen, wie der andere sich fühlt. Allensfalls erleben wir uns als Mitfühlende. Aber wie äußern wir unser Mitgefühl?
- Nehmen wir uns noch in den Arm?
- Weinen wir miteinander?
- Lachen wir miteinander?
- Erklären wir uns den anderen - versuchen wir es zumindest?
- Erleben wir uns als Mitfühlende?
- Leiden wir mit anderen?
- Wie zeigen wir das?
- Vertrauen wir den anderen noch?
- Vertrauen uns die anderen noch?
- Geht es uns gut, wenn es den anderen gut geht?
- Geht es uns schlecht, wenn es den anderen schlecht geht?
- Erzählen wir unsere Geschichten?
- Möchten wir, dass die anderen uns ihre Geschichten erzählen?
- Sind wir noch neugierig?
- Haben wir Freude - alleine und mit den anderen?
- Vermissen wir die anderen, wenn sie nicht da sind?
- Glauben wir, dass die anderen uns vermissen, wenn wir nicht da sind?
- Wer wollen wir sein - für uns selbst und für die anderen?
Vielleicht schreiben wir den anderen einen Brief! Oder wir schreiben unsere Geschichten auf! Für wen? Im besten Fall für unsere Kinder!
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Für Ursula Gothe, die Frau des aufstrebenden Ingenieurs Dr. Richard Gothe, verläuft das Leben in der Nachkriegszeit endlich wieder in geregelten Bahnen. Das ändert sich, als sie in einer Suchanzeige ihre tot geglaubte Tochter Martina wiederentdeckt. Ursula ist fassungslos vor Freude, hat aber auch große Angst: Das Mädchen stammt von einem Mann, den sie während des Krieges, vor ihrer Zeit mit Richard, kennenlernte. Nun steht Richard kurz vor der Beförderung zum Fabrikdirektor und will nicht wegen eines unehelichen Kindes in Verruf geraten.
Das Lexikon des internationalen Films sprach von einem „(Fernseh-)Melodram als Remake eines seiner Entstehungszeit verpflichteten melodramatischen Kinofilms aus dem Jahr 1955, das seine Vorlage, einen sentimentalen Illustriertenroman, nicht leugnen“ könne. Weiter hieß es: „Was in den Aufbau- und Wirtschaftswunderjahren als Unterhaltung seine Berechtigung haben mochte, klingt heute eher antiquiert.“[1]
kino.de war der Ansicht, dass diese Story „wie ein ‚Groschenroman‘ kling[e]“, wovon „nicht nur der gebeutelte Gatte der fassungslosen Mutter überzeugt [sei], sondern mit fortschreitender Geschichte auch der Zuschauer“. Schon bei der Kinoverfilmung 1955 sei „ein (inszeniertes) Melodram mit einem (realem) Lebensdrama“ einhergegangen „und die Produktionsfirma Ziegler Film [habe] sich redlich bemüht, im Jahr 2007 beiden Ansprüchen gerecht zu werden“. Erfreulich sei, „dass die Degeto-Vorzeigefrau Christine Neubauer hier einmal das Zitterweib spielen“ dürfe.[2]
Tilmann P. Gangloffs Urteil für tittelbach.tv fiel eher negativ aus: „Starker Stoff. Schwächeres Buch. Eine unerträglich agierende Neubauer!“ Ausstatterin Heike Bauersfeld habe sich „redlich bemüht, die Fünfzigerjahre möglichst authentisch wieder ins Leben zu rufen. Der liebevoll zusammengestellte Gelsenkirchener Barock in der Wohnung von Richard und Ursula Gothe, die Kostüme, die Autos: alles pass[e]. Dass ‚Suchkind 312‘ stellenweise trotzdem beinahe unerträglich [sei], lieg[e] an Christine Neubauer, die selbst banalste Dialogzeilen wie großes Drama deklamier[e] und ohnehin ständig derart dick auftr[age], dass man im Theater auch auf hinteren Plätzen noch peinlich berührt wäre. Mitunter agier[e] Frau Neubauer, als spiele sie nicht für Gabi Kubach, sondern für (Stummfilm-Maestro) F. W. Murnau“.[3]
„Starke Story, viel zu schwaches Drehbuch“
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Kurz vor Schluss - Online-Version
Im September 2017 habe ich zeitgleich mit meiner Pensionierung mein aktuelles Buchprojekt vorgestellt - in P A P I E R F OR M !!! 927 Seiten. Ihr könnt Euch vorstellen, dass dies - wie mehrfach begründet - reizvoll, aber eben auch sehr kostenintensiv war.
Wer nun weder die 35 Euro erübrigen konnte oder wollte, um das Buch in Papierform zu erwerben hat nun Gelegenheit, es hier als vollständige Version herunterzuladen oder sich eben nur selektiv - je nach Interesse - mit Teilaspekten auseinanderzusetzen.
Download: Kurz vor Schluss - vollständige Version [PDF]
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Herzlich willkommen im LC
"'Herzlich willkommen im LC, liebe Freunde, kommet herbei mit Plädoyer und Disput, kommet herbei mit Lob und Tadel für die Schönheit des Wortes! O Wort, das du die Herzen mitreißest und das Universum bewegst! Kommt und seht das Schauspiel, das die flammenden Redner zu Ehren der Rhetorenkunst und zu euer aller größtem Vergnügen aufführen!' Bayard blickt Simon fragend an. Simon flüstert ihm ins Ohr, dass das nicht etwa der Anfang eines von Roland Barthes gemurmelten Satzes war, sondern das 'LC' die Initialen von 'Logos-Club' sind. Bayard macht ein beeindrucktes Gesicht."
Wer sind Bayard und Simon? Es sind die Protagonisten in Laurent Binets Roman "Die siebte Sprachfunktion" (Rowohlt-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2017). Im Klappentext lesen wir:
"Paris, Frühjahr 1980: Nach einem Essen mit dem Kandidaten für das Amt des französischen Präsidenten, Francois Mitterand, wird Roland Barthes von einem bulgarischen Wäschelieferanten überfahren. Das Manuskript, das er bei sich trug, verschwindet spurlos. Ein Passant, Michel Foucault, ist Zeuge des Unfalls und behauptet, es war Mord [...] Bayard und Simon ziehen durch Paris, auf der Suche nach dem Mörder und dem Manuskript. Der Tod des Autors stellt Kommissar Bayard vor viele Rätsel. Er engagiert einen jungenSprachwissenschaftler als Assistenten, Simon Herzog. Der im entschlüsseln von Zeichen geübte Simon wird peu à peu zum heimlichen Helden, stets im Zweifel darüber, ob er alles wirklich erlebt oder nicht doch nur eine Romanfigur ist."
Im Zuge ihrer Ermitlungsarbeit landen Bayard und Simon also auch im Logos-Club. Dort wird mit Worten hart gefochten und als Unterlegener Wortfechter verliert man dort auch schon einmal ein Fingerglied. Ein alter, weißhaariger Mann erklärt Bayard und Simon das Ritual eines Disputs und im Laufe des Abends kommt es dann eben auch - als Höhepunkt - zu einem solchen Disput, in dem ein Fingerglied zur Disposition steht. Der alte Mann erläutert Bayard und Simon - nicht ohne Vorfreude - den Ablauf:
"Ah! Ein Metathema! Die Sprache spricht über die Sprache, es gibt nichts Schöneres. Ich liebe das. Da, sehen Sie, das Streitniveau steht an der Tafel. Ein junger Rhetor fordert einen Orator heraus, um ihm seinen Rang streitig zu machen. Er macht den Anfang. Ich bin gespannt, welchen Standpunkt er wählt. Oft ist eine Meinung schwieriger zu vertreten als die andere, und dann kann es gerade von Interesse sein, diese zu wählen, wenn man Jury und Zuhörer beeindrucken möchte. Anders gesagt, allzu eindeutige Meinungen können undankbar sein, man hat es schwerer, glanzvoll zu argumentieren, man wird Banalitäten sagen, und die Rede gerät weniger spektakulär. Der alte Mann verstummt, es fängt an, alle lauschen in nervösem Schweigen und der Orator in spe ergreift mit Entschiedenheit das Wort:"
Lauschen wir doch einfach einmal den beiden Kontrahenten und spüren der These nach, warum Roland Barthes - und meinetwegen auch Ernst Begemann - nicht wirklich tot sind:
"Buch-Religionen haben unsere Gesellschaften geformt, und wir haben die Texte heiliggesprochen: Gesetzestafeln, die Zehn Gebote, Tora-Rollen, die Bibel, der Koran un so weiter. Es musste in Stein gemeißelt sein, um Gültigkeit zu haben. Ich nenne das Fetischismus. Ich sage dazu: Aberglaube. Ich bezeichne das als die Wiege des Dogmatismus. Nicht ich behaupte die Überlegenheit des gesprochenen Wortes, sondern der, der uns so gemacht hat, wie wir sind - verehrte Denker, verehrte Rhetoren - der Vater der Dialektik, unser aller Urahn, der Mann, der, ohne ein einziges Buch geschrieben zu haben, den Grund gelegt hat zum abendländischen Denken.
Ruft euch in Erinnerung! Wir sind in Ägypten, in Theben, und der König fragt: Wozu ist die Schrift gut? Der Gott antwortet: Sie ist das beste Heilmittel gegen Unwissen. Und der König sagt: Ganz im Gegenteil Diese Fertigkeit wird in den Seelen derer, diesie erlent haben, die Vergesslichkeit nähren, denn sie üben ihr Gedächtnis nicht mehr. Wiederholung ist nicht Gedächtnis, und das Buch ist nur eine Eselsbrücke. Es bringt keine Kenntnisse, es bringt kein Verständnis, es bringt keine Fähigkeit.
Wozu bräuchten die Studenten Professoren, wenn man alles aus Büchern lernen könnte? Warum muss man ihnen erläutern, was in den Büchern geschrieben steht? Warum gibt es überhaupt Schulen, wären Bibliotheken nicht ausreichend? Weil das Schriftliche allein nie genügt. Ein Gedanke ist nur lebendig, solange er ausgetauscht wird; er ist nie erstarrt, es sei denn, er sit tot. Sokrates vergleicht die Schrift mit der Malerei: Letztere stellt ihre Ausgeburten dar, als würden sie leben, wenn man sie aber etwas fragt, so schweigen sie gar ehrwürdig still. Ebenso auch die Schriften: Du könntes glauben, sie sprächen, als verständen sie etwas, fragst du sie aber lernbegierig über das Gesagte,so bezeichnen sie doch nur stets ein und dasselbe.
Die Sprache dient dazu, eine Botschaft zu erzeugen, die sich mit Sinn füllt, wo es einen Adressaten gibt. Ich spreche in diesem Augenblick zu Ihnen, Sie sind die Dasseinberechtigung für meine Rede. Nur Narren sprechen in der Einsamkeit. Ein Narr führt auch Selbstgespräche. Zu wem aber spricht ein Text? Zu jedermann! Also niemandem. Ist sie aber einmal geschrieben, so schweift jede Rede gleichemaßen unter denen umher, die sie verstehen, und unter denen, für die sie nicht bestimmt ist, und weiß nicht, zu wem sie reden soll und zu wem nicht. Ein Text, der keinen bestimmten Adressaten hat, gewährleistet Ungenauigkeit und vage, unpersönliche Gedanken. Wie soll die Botschaft jedermann einleuchten? Selbst ein Brief ist jeglichem Gespräch unterlegen: Er wurde in einem bestimmten Kontext verfasst und wird in einem anderen Kontext empfangen. Woanders, später, haben sich die Lage des Autors und die der Adressaten verändert. Er ist schon überholt, er richtet sich an jemand, den es nicht mehr gibt, und seinen Autor gibt es ebenso nicht mehr - sie sind im Brunnen der Zeit verschwunden, sobald der Umschlag zugeklebt ist.
Da sieht man's: Das Schriftliche ist der Tod. Texte gehören in Schulbücher. Nur in der Verwandlung durch die Rede gibt es Wahrheit, nur der mündliche Ausdruck reagiert rasch genug, um das reale Tempo des fortschreitenden Denkens wiederzugeben. Die Mündlichkeit ist das Leben: Ich bin der Beweis dafür, wir sind der Beweis dafür, wie wir hier versammelt sind, um zu reden. Um zuzuhören, uns auszutauschen, zu diskutieren, zu streiten, um gemeinsam lebendiges Denken zu erschaffen, um die Kommunion von Wort und Gedanken zu feiern, beseelt von den Mächten der Dialektik