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Demenztagebuch vom 13.11.2007-24.3.2008

Demenztagebuch vom 13.11.2007

"Wäre der Tod nicht, es würde keiner das Leben schätzen. Man hätte vielleicht nicht einmal einen Namen dafür." (Jakob Boßhart 1862-1924)

Demenztagebuch vom 15.11.2007

Mit diesem (obigen) Aphorismus trifft Jakob Boßhart genau die Perspektive, die einem Mitfünfziger ansteht. Einem Mitfünfziger, der hautnah erfährt, wie beschwerlich, mühselig und entstellend der Weg aus dem Leben sein kann. So erscheint aus dieser Anschauung die Vorbereitung auf das eigene Ende endlos - immer verbunden mit der Hoffnung auf Gnade, diesen Weg (Leos) nicht teilen zu müssen oder aber wenigstens mit vergleichbarer Unterstützung. Aber welche Zumutung für die eigenen Kinder, die auch jetzt schon zum Unterstützersystem gehören. Da mutet es fatal an, wenn sich der Problemhorizont für manch einen - wie z.B. für Frank - noch umfassender darstellt: Nichts im Rücken außer alten, nie (?) hilfreichen Eltern, die aber immerhin als Erblasser ein wenig von dem ausgleichen, was sie als Elternversager verpeilt haben. Um ihn herum ein auseinanderbrechendes Familien- bzw. Beziehungssystem.

Frank kommt heute Abend. Wir haben ihn fast drei Wochen nicht gesehen. Ich habe ihn mit Karl Otto Hondrichs "Liebe in Zeiten der Weltgesellschaft" (Meine Lieben) konfrontiert. Dort setzt sich Hondrich, der knochentrockene Soziologe mit den offensichtlich im Alter zugekommenen Basiskategorien wie "Geborgenheit" auseinander. Das Sehnsuchtsszenario eines karrierebewußten - wie schon gesagt - knochentrockenen Soziologen. Bei Frank haben sich offensichtlich die Trennungsabsichten verstärkt, weil trotz aller drohenden Szenarien die Aussichtslosigkeit einer "Wiederbelebung" überwiegt.

Demenztagebuch vom 22.11.2007

"Ich halte es nicht für das größte Glück, einen Menschen ganz enträtselt zu haben; ein größeres noch ist, bei dem, den wir lieben, immer neue Tiefen zu entdecken, die uns mehr die Unergründlichkeit seiner Natur nach ihrer göttlichen Seite hin offenbaren." (Christian Morgenstern 1871 -1914)

Vielleicht ist es genau die Umkehrung dieses Glücksstrebens, die damit einhergeht weder für Rätsel noch für deren Auflösung auch nur noch den geringsten Ansatz zu finden! Die Unergründlichkeit eines Menschen wie Leo lebt nur noch aus der Erinnerung, aus einer Retrospektive, die sich ihm selbst versagt. Wir sind alleine mit ihm. Er versinkt im Selbstpol und ist unseren Deutungen, unseren Erinnerungen und Taten hoffnungslos ausgeliefert.

Demenztagebuch vom 26.11.2007

"Nebenan" (freie Seite) klebe ich zwei e-mails von Frank ein - eine beeindruckende Bestätigung für eine "Rehabilitierung" und Neubegründung eines "Heimatbegriffes". Gemeinsam mit Karl Otto Hondrichs in Altersweisheit (re)konstruierter Belebung von Begriffen wie "Geborgenheit" oder "Entschiedenheit" ergeben sich die Konturen eines Lebensgefühls, das "Letztes" und "Vorletztes" neu konfiguriert. So lassen wir uns von Phaseneinteilungen des Lebensalters vermutlich kaum mehr überraschen; allenfalls die unaufhaltsamen und teils brutalen physischen und bewusstseinsmäßigen Veränderungen (immer auch die Bedrohung durch eine zunehmende Altersdemenz im Blick) öffnen unter Umständen einen bislang verschlossenen und nur durch wache Beobachtung und intergenerative Auseinandersetzung zugänglichen Erfahrungsraum. Das ist anders als bei den uns vorangegangenen Generationen.

Gestern haben Claudia und Frank beschlossen, in der übernächsten Woche einen neuerlichen Schitripp in Angriff zu nehmen. Auch dies steht für erstaunliche Veränderungen im Umgang miteinander - bislang zum Gewinn aller!

Demenztagebuch vom 1.12.2007

Samstag, 14.25 Uhr - Es ist Heyerberg-Zeit.

"Ein jeder, nur zehn Jahre früher oder später geboren, dürfte, was seine Bildung und die Wirkung nach außen betrifft, ein ganz anderer geworden sein."  (J.W. von Goethe 1749-1832)

Aktuelle Einlassung vom 13.1.2016, 9.30 Uhr: Wir haben uns entschieden. Nach der Kurzzeitpflege wird Lisa, meine Schwiegermutter, zu uns kommen. Wir werden in den nächsten Wochen alle Vorkehrungen für eine Betreuung bei uns zu Hause treffen - alles andere wäre vermutlich nicht redlich. Daneben möchte ich mich daran erinnern, dass ich eine "Demenztagebuch" versuche. Die Unzufriedenheit über die Kontextbrüche wächst. Aber ich habe dafür noch keine Lösung. Der Zeitsprung vom 1.12.2007 zum 22.12.2007 entspricht selbstverständlich nicht meinen Tagebucheintragungen. In einer Güterabwägung zwischen einem kontinuitätsverpflichteten roten Faden und drohendem Intimitätsverlust, habe ich mich für Lücken entschieden. Gleichzeitig habe ich mich dazu entschieden meine Tagebücher aufzubewahren und sie nicht zu vernichten - so lange ich das noch könnte. Dies ist eine bewusste Entscheidung, die Einblicke gewähren wird in ein Leben in der (Post-)Moderne. Wir können Lebensbedingungen und konkrete Entscheidungen - wie auch die, meine Schwiegermutter zu uns zu nehmen - nicht nur soziologisch beschreiben. Wir brauchen die relativ unvermittelte, halbweg authentizitätsverbürgende Erzählung!

Demenztagebuch vom 22.12.2007

Seit ich Tagebuch schreibe, wird es vermutlich um den 24.12. herum in Variation Einträge geben, um die markante, in großer Kontinuität wiederkehrende Befindlichkeit, eine Art Lebensgefühl, das sich mit der Weihnachtszeit, insbesondere mit der Vorweihnachtszeit verbindet. Es ist relativ stabil und kontinuierlich, weil es in Kindheitserinnerungen verankert ist. Es bedeutet Erwartung, Ankommen, Heimkommen - zumindest für eine Zeit, die sich abgrenzt von aller sonstigen Zeit. Es bedeutet z.B. hier - heute Vormittag ist es die "Kaffeewirtschaft" - zu sitzen, ein wenig innezuhalten, sich eine Stunde der "Auszeit" zu gönnen. Ja, "Auszeit"! Wir sind ja fast jeden Tag einige Stunden aushäusig, um eine Situation zu bewältigen, zu kompensieren, die bedrängend ist und die sich zuspitzt.

Deshalb sitze ich inzwischen auch schon wieder auf dem Heyerberg. Leo hat Durchfall. Marlena, die Katarzyna vertritt, und ich haben inzwischen - eigentlich schon beim zweiten Mal -, nachdem uns gestern ein ziemliches Malheur beim Händeln der drastischen Auswirkungen passiert ist, eine gute Routine entwickelt, um mit dieser Situation umzugehen.

Demenztagebuch vom 31.12.2007

In der Tat - inzwischen ist der letzte Tage des Jahres 2007 angebrochen und fast ist schon High-Noon". Ich habe mich für eine Stunde ins "Da Vinci" geflüchtet. Es tritt nun doch mehr und mehr ein, was wir immer befürchtet haben. "Inkubitus" II. Grades - so Birgit, die ambulante Pflegerin - und das mit einer Rasanz und Dynamik, die mich zutiefst bestürzt und überrascht! In den letzten 14 Tagen - eigentlich seit Kataryzina im Urlaub ist (ohne da einen ursächlichen Zusammenhang sehen zu wollen) hat Leo extrem abgebaut. Sein physischer Verfall ist erschreckend, wobei die Grundparameter (Herz, Kreislauf, Verdauung) erstaunlich stabil erscheinen. Mit "Verfall" sind die extremen Einschränkungen hinsichtlich seiner Mobilität gemeint. Vor allem die muskulären Voraussetzungen im Hinblick auf den gesamten Stützapparat erscheinen extrem reduziert: kein Gehen, kein Stehen - totale Reduktion der Feinmotorik. Leo liegt eigentlich nur noch im Bett. Auf Höhe des Steisbeins hat sich eine entzündete Stelle herausgebildet, die heute Morgen bereits die Größe einer Ein-Euro-Münze hat. Wir lagern ihn jetzt im Abstand von drei Stunden in Seitlage, um den Rücken zu entlasten. Heute Morgen - nach der Grundpflege - war Leo so kaputt, dass er ohne Frühstück eingeschlafen ist.

Wie es ausschaut, wird Leo nun zum umfassenden Pflegefall mit allen Konsequenzen. Ich war heute morgen bei unserem Sanitäthändler und habe eine "Wechsel-Druck-Matraze nebst einem Lifter bestellt, weil wir nicht mehr in der Lage sind, ihn in der erforderlichen und dabei schonenden Weise zu bewegen.

Ansonsten haben wir eigentlich eine kleine intime Sylvester-Feier geplant - in weiser Vorraussicht natürlich bei uns zu Hause: Frank ist seit gestern da, Rudi kommt dazu, Marisa und Peter, Gisela und Henry. Gestern habe ich bei unserem Dreier-Ritual noch gemeint: "Warum bleiben wir nicht in der uns so vertrauten und von der so überaus geschätzten Vierer-Konstellation?" Diese Konstellation ist zwar unzweifelhaft delikat, aber sie ist bewährt und bietet bei aller Vielfarbigkeit nicht wirklich Überraschungen. Was ist schon überraschend daran, wenn Claudia und Frank sozusagen das Entree in den 31. Dezember mal wieder bis 4 Uhr in der Frühe verlängern und leckerem Rotwein frönen. Mein eigenes Konzept für den Tag wird halt von Leo "gestört".

 

Aktuelle Einlassung vom 15.1.2016: Die Entscheidung ist nicht nur gefallen. Gestern hat Claudia die Installation eines Treppenlifters veranlasst. Ihr geht es besser. Es zeigt sich, dass klare Entscheidungen das Durcheinander lichten und die Verunsicherung wieder einer klaren Entschiedenheit weicht!

Demenztagebuch vom 10.1.2008

Das ist die erste Eintragung im Jahr 2008 und mehr als 1/52 des Jahres ist bereits um! Es gibt ja unterdessen ien "Konkurrenzunternehmen" zu diesem Tagebuch, indem ich noch einmal versuche, dem Jahresverlauf - relativ kleinmaschig - mit täglichen Vermerken beizukommen; vor allem, um die Veränderungen auf dem Heyerberg im Blick zu behalten. "Konkurrenz" steht in Anführungszeichen, weil es letztlich auf das Große Ganze ankommt, um rückblickend das Wesentliche vom Unwesentlichen scheiden zu können. Und was hat das Jahr 2008 bislang gebracht?

  • Relative Ruhe im privaten Raum. Stabiles Drei- bis Viereck: Claudia, Frank, Rudi und ich. Dies wird durch regelmäßige gemeinsame Unternehmungen bestätigt. Alte Konflikte beleben sich partiell, haben aber nicht wirklich eine Chance zu "Bestimmern" zu werden.
  • Der "Heyerberg" findet hier an zweiter Stelle Erwähnung. Dies entspricht allerdings nicht ganz der Realität. Der Rhythmus hat sich verschoben. Leo und Lisa (!) liegen spätestens gegen 18.30 Uhr im Bett. Die pflegerischen Aktivitäten und Notwendigkeiten haben sich intensiviert; ebenso wie die dazu nötige Infrastruktur. Seit Weihnachten macht uns die Schwiegermutter Sorgen. Nach einer Divertikulitis (laut Dr. Schmitt) hat sie sich - nach kurzer Erholung  - einen Virus eingefangen und liegt seit einigen Tagen fest im Bett.
  • Anne ist verliebt und bereitet sich auf die letzte intensive Schulphase vor. Im März nächsten Jahres ist die Schulzeit für sie zu Ende - so wie in Kürze für Kathrin. Laura versucht durch einen Fächerwechsel noch einmal Schwung in ihr Studium zu bringen.

Demenztagebuch vom 13.1.2008

Heute Nacht war es bei sternklarem Himmel kalt, die Autoscheiben waren morgens zugefroren. Ein sonniges, klares Wetter prägt den heutigen Sonntag. Ich sitze an der Stele (von den Gülser Winzern gestiftet) auf dem Heyerberg in der Sonne - ich kann heute einige Minuten hier sitzen und die ersten wärmenden Strahlen der Sonne genießen. Wir haben - wie immer in den letzten Monaten - auf dem Heyerberg gegessen. Heute Mittag habe ich Leo zum ersten Mal alleine frisch gemacht - im Liegen!!!

Demenztagebuch vom 26.1.2008

26/365 des Jahres 2008 - im übrigen ein Schaltjahr - sind bereits Vergangenheit - eine teils bedrückende, eine teils beglückende Vergangenheit. Leos Zustand verschlechtert sich kontinuierlich und merklich. Aber ich habe wenig Lust mich neuerlich darauf einzulassen. Nur soviel: Während seine physischen Parameter (Kreislauf, Stoffwechsel - auch Verdauung) auf erstaunlich positivem und stabilem Niveau bewegen, sind unterdessen seine Mobilität und seine sprachlichen Möglichkeiten fast auf dem Nullpunkt (für Sprache stimmt dies so absolut). Der Tagesrhythmus und damit auch meine Aktivitäten endet/enden gegen 18.00 Uhr. Die Nächte sind "ruhig" - zumindest haben wir Ruhe. Claudia fährt in der nächsten Woche zum dritten Mal mit Frank zum Schilaufen - dieses Mal nach Gargellen (Montafon). Ich bin gespannt, was mir die Tage - außer Leo - bringen. Leo und Lisas Nachbar, Aloys Geyermann, hat sich am vergangenen Wochende über Nacht verabschiedet und ist am vergangenen Dienstag beerdigt worden. Wie unterschiedlich doch Lebensläufe "verlaufen" und vor allem enden! Ist es eine Gnade - sozusagen mitten aus dem Leben - die Seiten zu wechseln? Wieso lös ich eigentlich noch keine Kreuzworträtsel, wo mir doch sowieso nichts mehr einfällt?

Aktuelle Einlassung vom 27.2.2016

 Seit dem 12.2.2016 lebt Lisa nun bei uns zu Hause. Anne und ich haben sie am fretags aus dem Laubenhof abgeholt und mit dem Rollstuhl quer durch Güls nach Hause gefahren. Gut 14 Tage später - heute am 27.2. haben wir bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein den ersten Rollstuhltripp an die Mosel gemacht; ich mit einer gerissenen "Supraspinatus" (Sehne) im linken Schultergelenk.

Innerhalb der letzten 14 Tage haben wir uns aneinander gewöhnt und finden langsam einen Rhythmus. Lisa hat meinen 64sten Geburtstag bei guter Konstitution mit uns gefeiert. Wir haben um 11 Uhr begonnen - um 15 Uhr war alles vorbei. Die Kinder unterstützen uns nach Kräften. Inzwischen hat endlich die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst stattgefunden, und wir finden auch in dieser Hinsicht in die Spur.

Das Projekt "Demenztagebuch" hängt beim 26.1.2008 fest. Bis zum 10. März 2010 sind noch mehr als zwei Jahre nachzuvollziehen - durchschossen von aktuellen Einschüben, die sich hoffentlich im Rückblick nicht als Parallelwelt darstellen werden.

Aktuelle Einlassung vom 31.3.2016

Ja, mein Gott - es ist ein einziger Durchschuss!!! Ich hätte genügend Stoff und Anregungen aus unserer aktuellen Situation ein eigenes Tagebuch zu gestalten. Unser Zusammleben ist eine einzige Herausforderung, und wir fragen uns - und lassen uns fragen, was uns eigentlich zu dieser Lösung treibt.

Demenztagebuch vom 21.3.2008

Ja, ich muss immer schreiben, wenn ich an Grenzen stoße, die mich (über-)fordern - ein Stück Klarheit, ein Stück meiner Klarheit in eine komplexe, undurchsichtige Welt bringen.

Aktuelle Einlassung vom 31.3.2016

Im Zusammenhang mit der Feststellung, dass wir gegenwärtig - cum grano salis - eine Wiederholung des schon Bekannten erleben, stellt sich sehr grundsätzlich die Frage, ob ein isoliertes "Demenztagebuch" irgendeinen Sinn ergibt. Unsere Entscheidungen, unser Handeln in einen halbwegs plausiblen Verstehenshorizont einzuordnen, erfordert eigentlich eine sehr viel umfassendere Herangehensweise. So kann ich - und will ich im Übrigen - hier nicht offenbaren, was mir letzlich auch die Kraft vermittelt hat, Leos häusliche Pflege mit zu tragen und welche Rahmen- und Randbedingungen entscheidenden Anteil daran hatten, dass wir den Kelch bis zum letzten Tropfen geleert haben und schließlich inwieweit all diese Erfahrungen uns dazu befähigen, den gefüllten Kelch ein zweites Mal in die Hand zu nehmen. Eigentlich böte erst eine literarische Aufarbeitung den notwendigen Abstand, um Diskretionsvorbehalte zu ignorieren. Aber ich bin ja (noch) kein Literat - vielleicht mit Ausnahme von "Hildes Geschichte".

Die teils erheblichen Zeitsprünge sind den sogenannten "Diskretionsvorbehalten" geschuldet!

Demenztagebuch vom 22.3.2008

Die letzten vier Wochen waren turbulent. Aber sie waren und sind geprägt durch vorwärtsweisnde Entwicklungschancen. Ich bin jetzt - eben erst seit einem Monat - 56 Jahre alt. Insofern schockt mich der Anruf von heute früh nachhaltig. Ann-Christin war die erste, die mich erreichte, nachdem mich Gabys sms nicht erreicht hatte: Heute morgen ist mein Neffe mit Verdacht auf kombinierten Herz- und Hirninfarkt in eine Bonner Klinik eingeliefert worden. Offendundig war sein Allgemeinbefinden die Woche über schon sehr eingeschränkt. Die Blutdruckwerte, die heute morgen gemessen wurden, passen dazu und sind mehr als Besorgnis erregend - der obere Wert lag wohl über 250. Das alles fügt sich wohl zu einem Gesamtbild, das wir seit geraumer Zeit schon mit Sorge wahrgenommen haben: Arbeitsstress, verbunden mit existentiellen Sorgen; seit ca. einem Jahr hat sich Michael vom Nikotin verabschiedet, verbunden mit der in der Regel einsetzenden Gewichtszunahme, kein Sport (?), eine in der Erblinie liegende Neigung zu Zorn und Jähzorn, schwierige familiäre Beziehungskonstellationen (Scheidungskind mit der Haltung, Vater und Mutter gegenüber insbesondere moralische Vorbehalte zu äußern).

Ich weiß noch nichts über seinen Zustand. Je nach Schwere und Verlauf kann dies alles bedeuten: Gesundung, was zu hoffen ist, Schädigungen - bis hin zu nachhaltigen Schädigungen und Beeinträchtigungen und schließlich Hirnschlag/Herzinfarkt mit letalem Ausgang - ein Horrorszenario. Karla wird in diesem Jahr vier!

Gaby und Barbara haben eben angerufen und eine erste kleine Entwarnung gegeben. Das MRT hat eine kleinere Blutung gezeigt und eine bereits im Vorfeld eingetretene kleinere Schädigung. Bei "normalem" Verlauf würde der Körper dies "absorbieren" und vollständige Genesung sei möglich. Aber ganz eindeutig auch hier: Es gibt dann ein Leben vor dem 22.3.2008 und eines danach!!!

Demenztagebuch vom 24.3.2008

Was ist los!? Heute bzw. vergangene Nacht ertaste ich in Claudias rechter Brust einen haselnuss- bis walnussgroßen Knoten. Das ist (auch) der Ultraschall-Befund. Wir waren heute morgen im Marienhof. Morgen werden wir die Termine für die weitere Vorgehensweise absprechen: Mammografie, Biopsie, Entfernung des Knotens. Es gibt mehrere Hypothesen über die Beschaffebheit des Knotens und Ursächlichkeit der Veränderung.

Vor zwei Stunden hat Gaby angerufen und mitgeteilt, dass man Michael in ein künstliches Koma versetzt hat - offensichtlich ein Zeichen dafür das man Zeit benötigt, um eine angemessene Therapie zu finden; sein Zustand ist wohl kritisch, Besorgnis erregend bis dramatisch.

Am Mittwoch, den 27.3. kam aus dem Marienhof die Entwarnung durch Dr. Dünnebacke - das entnommene Gewebe ist gutartig!!!

 

 

   

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