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Endlich gibt es wieder was zu lesen in meinem Blog!

Aus der Welt der Fabeln und Märchen

Ein Märchen aus Deutschland, dem Land der Dichter und Denker – und auch der Professoren

Es war einmal ein Professor, der hatte einen alten väterlichen Freund – seines Zeichens ein über die Grenzen des Landes hinaus bekannter Professor. Als dieser starb hinterließ er eine große Bibliothek mit tausenden von Büchern. Da seine Erbin – die Enkelin des alten Professors – nichts damit anzufangen wusste, aber um die väterliche Freundschaft zu dem inzwischen auch schon betagten und im Ruhestand lebenden jüngeren Professor wusste, schenkte sie ihm einfach die Bücher und sagte:

„Mach etwas Gutes daraus! Dein Lohn soll ein kleines Zimmer im Haus der Bildung sein. Du darfst lesen, soviel Du magst, Dein Leben soll reicher werden, selbst in Tagen der Entbehrung und Armut.“

Der Professor war erfreut, und er scheute weder Mühe noch Kosten, den wertvollen Schatz zu bergen. Er nahm seinen treuesten Knecht, mietete ein Auto, kaufte Umzugskartons ein und nahm die weite Reise zur Höhle seines verstorbenen akademischen Freundes auf sich. Der Enkelin versprach er, würdig mit dem Erbe ihres Großvaters umzugehen. Sie arbeiteten viele Stunden und verpackten alle Bücher in die Kartons und fuhren den weiten Weg zurück. Der gerührte Professor steuerte den Kastenwagen sicher durch die Unbill des wilden Verkehrs über Landstraßen und Autobahnen bis hin zu jenem Ort, den er zur Aufbewahrung auserkoren hatte. Es war ein Verließ in einem alten Gemäuer mit sehr dicken Wänden. Es gehörte jenem Institut, dem er viele Jahre als Leiter vorgestanden hatte – an jener Universität, die er selbst vor Jahren so sang- und klanglos verlassen hatte. Als sie endlich dort ankamen, wartete ein weiterer Gefährte, den er auch schon lange kannte, und mit dem er viele Wanderungen unternommen hatte. Sie entluden die kostbare Fracht und brachten sie in das Verließ. Der Professor, der müde war, verließ seine beiden treuen Gefährten und sagte:

„Nun gebt gut acht, ich hab Euch etwas mitgebracht. Es sind der Bücher gar so viele – und sorgt mir gut für diese Gaben, Ihr dürft Euch auch an ihnen laben.“

Er zog von dannen, hoch in seinen heiligen Gral und ward von da an nie mehr gesehen. Der büchergeile Gefährte rieb sich darauf die Hände. Was war das doch für ein unverhoffter Schatz. Er wusste selbst, dass er nicht mehr lange an diesem verwunschenen Ort sein würde und begann flugs die kostbaren Schätze zu bergen. Buch für Buch stellte er in freie Regale. Dabei triefte ihm der Mund vor lauter Lesefreude. Ab und zu schaute er sich um, und wenn er gewiss war, das niemand ihn sah, ließ er das ein oder andere Buch in einem Sack verschwinden. Heimlich trug er seine Beute aus dem Haus, bis ihn irgendwann das Gewissen plagte. Er rief den Gralshüter in seiner Klausnerei an und schlug ihm vor:

„Lieber Meister, gib mir bitte die Erlaubnis, den ein oder anderen dieser Schätze mit in meine Werkstatt zu nehmen. Du weißt, ich bin ein armer Tropf, der immer noch an die Macht des Wortes glaubt, seiner Schönheit und Strahlkraft verfallen ist.“

Großzügig gab der Meister ihm alle Rechte – selbst weiterverschenken an seine Studentinnen und Studenten sollte er die kostbaren Güter.

So vergingen die Jahre. Der Gefährte war fleißig und las und las. An so Vielem, was die Erweiterung seines Horizonts beflügelte, ließ er auch sein Umfeld teilhaben (fj-witsch-rothmund.de). Aber auch das Bleiberecht des büchergeilen Gefährten näherte sich seinem Ende. Er kränkelte inzwischen auch ein wenig und konnte an den langen Wanderungen des Meisters nicht mehr so teilnehmen wie früher. Er ließ sich zweimal operieren, um wieder zu gesunden. Zu Hause kümmerte er sich um Haus und Hof und die alte Schwiegermutter, die nicht mehr alleine in ihrem Hexenhäuschen leben konnte.

Mit großer Betroffenheit musste der Gefährte dann erleben, wie dem Meister ein schwerer Schicksalsschlag fast den ganzen Lebensmut nahm. Sie gingen nun wieder gemeinsam ein Stück des schweren und holprigen Weges. Nicht lange nach diesem Schicksalsschlag dachte der Gefährte das Gemüt seines Freundes aufzuhellen, indem er ihm zeigte, wie sehr doch das Erbe des Altvorderen auch ein wenig Trost in eine trostlose Welt tragen könnte. So schrieb er wenige Wochen nach den tragischen Ereignissen in seinen Blog – gespeist aus dem nachgelassenen Bücherschatz des alten Professors – im September 2016

Das Heilige - Und seine Spur in der Moderne

Written by dkwitsch

Das Heilige - Und seine Spur in der Moderne

Einleitung

In der Rücksicht auf das Heilige - so Kamper/Wulf - gäbe es die von Max Weber angedeutete und in der Folge immer wieder unterstrichene These, dass eine Entzauberung der Welt durch die Wissenschaft stattgefunden habe und somit das Heilige zu einer vor-modernen Angelegenheit geworden sei. In der Einleitung des vor mir liegenden Buches (Dietmar Kamper/Christoph Wulf, Frankfurt 1987): Das Heilige - Seine Spur in der Moderne ist zu lesen, dass auf fast 700 Seiten eine Gegenthese Gestalt annehmen soll: "Das Heilige ist nicht vergangen, sondern es ist als Verschobenes, Verborgenes, Verdrängtes und Vergessenes durchaus aktuell. Man muss es nur kenntlich zu machen verstehen, d.h. man muss es entdecken, darstellen und noch aus seinen verwischten Spuren rekonstruieren können."

Das besagte Buch entstammt - wie so viele Bücher, die mir in den letzten Monaten auf vollkommen kontingente Weise zugekommen sind - dem Nachlass von E.B. Manchmal - man möge mir das Pathos nachsehen - kommt es mir so vor, als enthüllten sich Schatten des Heiligen in der Kontingenz der Ereignisse, besser - zumindest zutreffender im vorliegenden Fall - der Zukommnisse. R.K. [PDF], der den bibliothekarischen Nachlass von Ernst Begemann gesichert hat, und dem ich diese Zukommnisse gewissermaßen verdanke, wird mich verstehen.

Das erwähnte Buch ist von Dietmar Kamper und Christoph Wulf herausgegeben worden. Der vorstehende Link zu Dietmar Kamper eröffnet den Zugang zu einer kurzen Würdigung des Wissenschaftlers Dietmar Kamper, der 2001 verstarb, durch Christoph Wulf. Näher kommt man Dietmar Kamper durch Roman Herzog, der Kampers Traumbuch bespricht. Mehr als paradox mutet dabei in der Zusammenschau die von Kamper und Wulf in der Einleitung des erwähnten Buches zentral gesetzte These an, dass die Leere des Computerscreen auf die bestimmende Leere der Zeit verweise, die nur selten von Ereignissen und Erlebnissen der Fülle unterbrochen werde. Natürlich hat diese These fast zwanzig Jahre nach Veröffentlichung alle Argumente auf ihrer Seite. Dass mir Dietmar Kamper aber zum Ereignis wird, hat eben paradoxerweise auch mit dem von ihm und Wulf sogenannten Computerscreen zu tun. Aber der Reihe nach:

Aus den nachgelassenen Bänden in unserem Archiv fiel mir gelegentlich der von Kamper und Wulf herausgegeben Sammelband in die Hände. Ich kannte zwar Wulf aus der Literatur, Kamper hingegen war mir weitegehend unbekannt. Von den 41 Beiträgen in diesem Sammelband lud mich auf den ersten Blick der Beitrag von Dietmar Kamper ein: Das Ereignis und die Ekstasen der Zeit (S. 665-674). Vordergründig betrachtet mag das zusammenhängen mit der von Kamper rückhaltlos vorgetragenen Kritik an Heideggers Bemächtigungswahn (zu Be- und Ermächtigungsphantasien weiter unten mehr): Hier könnt ihr lesen, wie es im Blogbeitrag zu Kampers Heiderggerkritik weitergeht: http://fj-witsch-rothmund.de/index.php/component/k2/item/517-das-heilige-und-seine-spur-in-der-moderne

So mühte sich der büchergeile Weggefährte um eine nachhaltige Würdigung der nachgelassenen Bibliothek – nichts ahnend, auf welchen Eklat das Ganze hinauslaufen würde. Aber der Enttäuschungen gab es auch jetzt schon spürbare und nachhaltige: In den letzten Semestern nahm der Weggefährte die Erlaubnis seines Meisters wahr und verschenkte viele der nachgelassenen Bücher an seine Studenten. Aber was vor seiner Studienzeit noch ein Hauen und Stechen ausgelöst hätte, nahm sich unterdessen aus, wie der hilflose Versuch aus Wasser Wein zu machen und aus bedrucktem Papier ein Tor zur Welt oder gar zur Weisheit. Trotz dieser Unbill wechselten hunderte von Büchern die Seiten und fanden gnädige Aufnahme in den Regalen mildtätiger Studentinnen und Studenten. Und nicht zu vergessen: Der inzwischen grau und alt gewordene Büchernarr rettete – zugegeben nach gusto – so manchen Papier gewordenen Geistesblitzen die schiere Existenz als Buch. Die wenigen überlebenden Exemplare wird er seinem Meister gelegentlich demütig übergeben.

So kam es, wie es kommen musste: An der Uni – im ehrwürdigen Institut kehrten inzwischen neue Besen und die Auskehr des Verließes war lange beschlossen und angekündigt – vollzog sich der Neubeginn mit Macht. Vollkommen zu Recht und ohne Kenntnis des Vermächtnisses – der Nachlassverwalter hatte versäumt sich der Institutsleitung zu erklären – wurden die Bücher entsorgt und Papier wurde zu Papier im ewigen Kreislauf der Dinge.

Die Kunde davon kam auch zum Meister in seiner Klausnerei und gleichermaßen getroffen wie betroffen meldete er sich nun endlich machtvoll und spontan zu Wort. Und eine gewaltige Schelte ging über die Knechte und Gefährten hernieder – nicht ohne seinen seinerzeitigen Nachfolger in der Leitung des ehrwürdigen Instituts mit in die Haftung für alle Unbill zu nehmen:

Lieber J., lieber P. und lieber P. (in der Folge Knecht genannt), 

...man stelle sich folgende Schlagzeile vor: "Universität 4.0 - Institut 'entsorgt' 10.000 Bände Fachliteratur im Papiercontainer".

Jetzt gerade erst erfahre ich die ganze Wahrheit. Ihr habt die Bücher von meinem alten ehrwürdigen akademischen Freund weggeworfen! Kein Bücherbazar zugunsten von Bildungsmaßnahmen für Flüchtlingskinder, kein Angebot an Studierende oder Forschende und Lehrende, sich zu bedienen oder eine andere kreative Aktion. Nein, einfach weggeworfen. Dass man mich hätte fragen können - auf den Gedanken kam auch keiner.

Was sage ich der Erbin von E.B., die uns diesen Bestand anvertraut hat?

Wie geht unsere Universität mit dem Andenken eines ihrer renommiertesten Repräsentanten der Sonderpädagogik um?   

Werft jetzt bitte auch die letzten Exemplare unseres gemeinsamen Bandes "Bildung im Haus des Lernens" ins Altpapier. Denn sollte Euer Institut noch ein Haus des Lernens sein, so habt ihr euch darin von "Bildung" im Sinne Wolfgang Klafkis verabschiedet. Und wir hatten doch 1997 mit unserer Festschrift zur Emeritierung von Anton Menke versprochen, die bildungstheoretische Grundorientierung zu bewahren:

"Anläßlich Ihrer Emeritierung legen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seminars Allgemeine Didaktik Ihnen zu Ehren diesen Sammelband vor. Wir möchten damit der interessierten pädagogischen Öffentlichkeit zeigen, daß die von Ihnen geprägte bildungstheoretische Konzeption der Koblenzer Schulpädagogik von uns sorgfältig bewahrt aber auch innovativ weiterentwickelt wird." (aus dem Vorwort)

Impulsiv, wie ich - leider - ab und zu immer noch reagiere, im Intercity geschrieben, auf dem Weg zur TU Dortmund, wo gerade ein universitätsübergreifendes Projekt des Stifterverbandes läuft, das die Studierenden 'ans Buch' heranführen will:

https://www.stifterverband.org/eine-uni-ein-buch

                               Und die TU (!) hat sich ausgerechnet die Fabeln von Äsop ausgesucht. 

Ich referiere über "Subversive Pädagogik" und erzähle einleitend die Fabel vom Löwen und dem Mäuslein. 

Bildung kann auch mit Texten 'geschehen', die älter als 2500 Jahre sind... wenn man sie nicht wegwirft... "Da beißt keine Maus nen Faden ab!"

R.K.

Das ließ natürlich der seinerzeitige Nachfolger in der Leitung des Instituts nicht auf sich sitzen und antwortete dem Meister in klarer und unnachgiebiger Diktion – nicht ohne Knechte und Gefährten ins cc – und vor allem ins Unrecht – zu setzen:

„Hallo R.,

jetzt bin ich aber doch wieder einmal heftig verärgert!

Auch wenn Du das wieder relativierend zurück nimmst ‚Impulsiv, wie ich - leider - ab und zu immer noch reagiere, im Intercity geschrieben‘: was Du geschrieben hast, das hast Du geschrieben. Und in unserem Alter sollte man langsam der pupertären Attitude entwachsen sein, das Umfeld mit den eigenen Emotionen zu überschwemmen ohne dafür letztlich Verantwortung zu übernehmen!

Wir hatten die Sache gestern am Telefon völlig geklärt (Du hast mir sogar am Telefon zugegeben, dass das Verhalten von P. und J. sehr unverständlich, wenn nicht intrigant ist!), weshalb dann also ein Tag später diese Mail, die Angesichts dieser Klärung gestern eben nicht spontan im Zug sondern gezielt plaziert ist!

Ich wiederhole meine Klärung gestern:

Mir war nie gesagt worden, dass dort die Bibliothek aus dem Nachlass von B. untergebracht wurde, noch habe ich von einer Aktion mit einem 3,5 Tonner erfahren (was für mich als Institutsleiter ja nicht unwichtig gewesen wäre)

  • weder damals von Dir - was eigentlich nicht nur kollegial wünschenswert gewesen wäre! Dann hätte man das nämlich auch so angehen können die Bibliothek zu katalogisieren und so nutzbar werden zu lassen und nicht tot im Keller rumstehen zu lassen! Bücher sind keine toten Symbole für irgendetwas sondern müssen gelesen werden und das war SO nicht sinnvoll möglich!
  • noch von P. oder J. die mich eigentlich hätten fragen müssen und dann hätte ich was sinnvolles draus machen können!

Für mich war das eine nach und nach entstandene Ansammlung von Büchern! Und so wie von Dir, P. und J. damit umgegangen wurde bis jetzt offensichtlich auch (niemand hat sich in den drei 2 1/2 Jahren je darum gekümmert oder dies angeregt). Keiner hat sich gerührt! Auch nich als wir im Februar die Aktion geplant haben (Originalmail s.u.) und ich in der Institutssitzung darauf hingewiesen haben, interessante Bücher zu sichern:

Am 13.2.2017 um 10:22 schrieb der seinerzeitige Institutsleiter via Adsch-mitarbeiter:

Liebe Alle,

wie schon angekündigt findet am 15.02.17 ab 12 Uhr eine Institutssitzung statt.

Tagesordnung:

  1. Dienstbesprechung ab 12:00 Uhr

* Ablauf zukünftiger Institutssitzungen

* Personalia

* Lehre einheitliche Verfahren über das Sekretariat: Einführung Losverfahren im Sommersemester

* Flurgestaltung

* Keller

* Anschaffungen für die Lehre: hierzu sollten sich alle im Vorfeld Gedanken machen

* sonstiges

  1. freiwillig (im Anschluss): gemeinsamer Mittagssnack, wie beim letzten Mal (jeder bringt was mit)
  1. freiwillig: gemeinsames Brainstorming zur Gestaltung der Homepage

Bis Mittwoch alles Gute

Der seinerzeitige Institutsleiter schreibt weiter:

Es wäre beiden ein Leichtes gewesen, hier auf die Tatsache der 'B.-Bibliothek' hinzuweisen und wir hätten auch dann noch Lösungen finden können, diese oder zumindest die relevanten Teile zum Leben zu erwecken! Auch bei den entsprechenden Hinweisen im Mai an alle haben Sie sich nicht gerührt und sich auch nicht ein bisschen um die Bilbliothek gekümmert auch nicht im Juli als die Aktion direkt anstand, keine Bemerkung, kein Hinweis, nichts!

Jetzt NACH der Aktion eine Art Bücherverbrennung daraus zu machen und das an die absehbar neue Leitung zu adressieren finde so was von unter aller ....

Das ist nicht Dialog nicht Rede und Gegenrede = Wissenschaft! Das ist reiner Monolog/Selbstbezug und höchst intrigant! (@J.: Ich erinnere an den ganz gleichen Vorwurf (Monolog) im Umkreis der Veranstaltungszuweisungsprobleme im April!) Kurz eine Haltung Ich(wir) haben die Wahrheit (noch mehr die Moral) und die anderen sind Böse! Das ist - auch nach Luhmann - nicht Wissenschaft sondern Stammtisch!

Ich bitte solche Aktionen in Zukunft zu unterlassen. Ich möchte auch keine lange Antwort oder Verteidigung oder was auch immer hierzu bekommen! Das ist mir einfach zu anstrengend und zu blöd und hier beende ich mal den Dialog in dieser Sache!“

 

Nun war die Sache schon böse entglitten! Knecht und Weggefährte sahen sich dem Wüten der Professoren ausgesetzt – zwischen die Mühlsteine der Highlander geraten: „Es kann nur einen geben!“ Aber es gab deren zweie, und beide hatten jedes Maß und Ziel verloren: Der eine dachte: Der dumme Knecht und der tapfere Weggefährte sollen mich nicht weiter kümmern – sie haben mir lange genug gedient, und ich brauch sie nicht mehr! Der andere arbeitete mit versteckten und offenen Seitenhieben und bezichtigte den Knecht und den tapferen Weggefährten des Meisters der Intrige und zeihte den Weggefährten zum wiederholten Male der unwissenschaftlichen Stammtischmentalität.

 

Das wollte der tapfere Weggefährte nicht auf sich sitzen lassen und schrieb an den Meister:

Nein, lieber Meister, so geht das nicht!!!

"Ihr habt die Bücher von E.B. weggeworfen!" - Die ganze Wahrheit!!! Ihr klebt immer noch an derselben Fliegenrute: Das Ganze ist das Wahre! Was ist denn das Ganze; was ist denn die "ganze Wahrheit"? Willst Du da bitte noch einmal genauer hinschauen – vielleicht die Brille wechseln?

Ja, Du verehrter Meister, hast keine Kosten und keine Mühe gescheut, die Bibliothek Deines verehrten Professorenkollegen nach Koblenz zu transportieren. Wir haben Sie dann gemeinsam in den Archivraum geschleppt. Ich habe die Bücher dann Buch für Buch - so wir ihr sie kartoniert habt - ausgepackt und in die freien Regale gestellt. Bei Durchsicht dieser Bücher habe ich nach Neigung und Interesse - und mit Deiner Genehmigung - Bücher entnommen und sie vielfach in meine Arbeit einbezogen. Dies ist über viele Blog-Beiträge dokumentiert (siehe weiter oben). Hier ist immer wieder der Name des Nachlassers und auch Deiner genannt worden. Selbst Deine Totenrede auf E.B. habe ich an entsprechender Stelle prominent verlinkt.

Was Du der Erbin - der Enkelin - sagen kannst?! Dass sich niemand - außer mir - für den bibliothekarischen Nachlass Ihres Großvaters interessiert hat; weder die unmittelbare Erbin noch der mittelbare Nachlassverwalter. Da fließen jetzt eine Menge Krokodilstränen. Für all die Vorschläge, die Du unterbreitest, verehrter Meister, stand ein beträchtliches Zeitfenster zur Verfügung. Dazu hätte dann aber in der Tat der Nachlassverwalter die Initiative ergreifen müssen. Formal hat P. – Dein seinerzeitiger Nachfolger in der Institutsleitung – Recht. Auch wenn er wider besseres Wissen behauptet vom Nachlass nichts zu wissen, war o f f i z i e l l niemandem bekannt, was dort unten lagert, erst Recht nicht der derzeitigen Institutsleiterin. Und einfach zu sagen: Ich leg Euch mal ein Ei (ins Archiv) - und nun brütet es auf die zuträglichste Weise aus! Wer sollte denn dafür die Verantwortung übernehmen (wir wissen doch beide, was die ursprüngliche Absicht war - aber offenkundig hat auch ein Knecht seine physischen und psychischen Grenzen). Es sind Bücher, nichts als Bücher, die jetzt den Weg ins Nirwana angetreten haben. Es sind keine Menschen! Du pisst aber Menschen an. Und Menschen müssten sich eigentlich Gedanken darüber machen, wie sie miteinander umgehen. Dein seinerzeitiger überforderter Nachfolger in der Institutsleitung steht Dir diesbezüglich in Nichts nach. Und ich kann Dich verstehen!

Denn was Du – verehrter Meister jetzt hier angezettelt hast, das ist die Externalisierung eines lange schwelenden Konflikts (mit aktuellem Anlass): Sag bitte Deinem Professorenkollegen und auch seiner Mitarbeiterin, dass es eine nicht heilbare Kränkung darstellt, Dich nicht zumindest formal gefragt zu haben nach Beiträgerschaft zur Festschrift eines wie auch immer zu würdigenden Angehörigen der Professorenschaft.

Jedenfalls habe ich habe keine Lust in die nachvollziehbaren Mühlsteine des schwelenden Altkonflikts der Highlander zu geraten. Dass nun aber auch noch der arme Knecht nolens volens zwischen die Mühlsteine Eurer unmäßigen Eitelkeit einbezogen wird, das ist der Gipfel. Ich hoffe, Du kannst wenigstens das heilen, denn der fühlt sich gegenwärtig auch von Dir verraten.

Mit einem gaudeamus igitur grüßt Dich

Dein Gefährte

Dies alles trägt sich also im akademischen Milieu zu – jenem Milieu, in dem sich die geistige Elite unseres Landes auch um die (Aus-)Bildung des akademischen Nachwuchses bemüht. Just in diesem Zusammenhang ist mir von Stefan Breuer vor vielen Jahren schon berichtet worden (in der FAZ vom 18.6.1999), wie einer unserer großen noch lebenden akademischen Lehrer mit weltweiter Anerkennung – Jürgen Habermas – universitäres Kleinklima im Kontext einer diskursethischen Verortung beschreibt. Stefan Breuer führt dazu aus:

„Umso rätselhafter, woher Habermas eigentlich sein Vertrauen in radikaldemokratische Öffentlichkeiten, gar den Glauben an die Möglichkeit eines vernünftigen Gemeinbewusstseins nimmt, aus dem sich seine Diskursethik speist. Wenn schon die Universität ein solcher Ort des Missverständnisses und Selbsthysterisierungen ist, als den Habermas ihn decouvriert hat, wie soll es dann erst die Gesellschaft, die hierfür wenig Zeit hat, zur Verschmelzung der Verständnishorizonte bringen?“

Nicht von Stefan Breuer, sondern von einem entfernten Bekannten ist mir folgende Geschichte überliefert worden: Sie spielt ebenfalls im akademischen Milieu an irgendeiner – wenn ich mich recht entsinne – deutschen Provinzuni. An deutschen Provinzunis ist es ja mit der Ehre und Ehrungen nicht weit her. Viele Mitarbeiter sind frustriert und überlastet (Reformruine Universität), manche sind auch abgestumpft und manchmal muss man ihrer Initiativkraft regelrecht auf die Sprünge helfen. Schenkt man den Gerüchten Glauben – was man ja grundsätzlich nicht tun sollte – hat doch kürzlich tatsächlich ein ehrenwertes Mitglied des höchsten Lehrkörpers – dort an dieser Provinzuni – seine eigene Festschrift angeregt. Es lässt sich sogar vernehmen, er habe eine Liste mit ausgewählten Beiträgerinnen und Beiträgern zusammengestellt – durchaus lückenhaft und in ihrer Lückenhaftigkeit delikat. Man stelle sich vor, wie nun diese Festschrift im Rahmen einer akademischen Feier überreicht wird. Da sind doch die Freude und die Überraschung groß. Also eigentlich halte ich dies nur für ein dummes Gerücht. Und wenn ich es recht bedenke, weiß ich nun wirklich auch nicht mehr, ob der entfernte Bekannte tatsächlich eine deutsche Provinzuni erwähnt hat, oder ob es sich nicht doch um eine Universität in Moldavien oder auf der Insel mit den zwei Bergen handelt. Ich muss da noch einmal nachfragen, denn vorstellen kann ich mir dies beim besten Willen nicht – obwohl, mein lieber Jürgen Habermas, Frankfurter Verhältnisse sind vielleicht überall?

Am akademischen Stammtisch haben sich übrigens Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Dirk Baecker, Norbert Bolz, Peter Fuchs, Hans Ulrich Gumbrecht und Peter Sloterdijk zusammengefunden. Herausgekommen ist eine Festschrift aus ganz besonderer Tinte, Der Tinte mit der der Anwalt des Teufels Gestalt annimmt und uns von der Erbsünde, dem Egoismus der Systeme und den neuen Ironien erzählt. Ihr könnt es nachlesen in: Luhmann Lektüren (Kulturverlag Kadmos), Berlin 2010 – oder in meinem Blog, in dessen Rahmen ich seit Jahren eine intensive Auseinandersetzung mit der Luhmann’schen Lektion führe. Wenn Ihr Euch wundert, dass zwischen dem Ableben Niklas Luhmanns (1998) und der Veröffentlichung der Totenreden mehr als 10 Jahr vergehen mussten – mich hat dies von Anfang an geärgert, und ich habe in mühsamer Transkriptionsarbeit die Hördokumente schon Ende der 90er Jahr versprachlicht und auch veröffentlicht (siehe dazu: Ich sehe was, was Du nicht siehst - Komm in den totgesagten Park und schau: Anhang). Dies gilt übrigens bis heute für gewichtige Teile der Totenrede des inzwischen verstorbenen Dietrich Schwanitz (siehe dazu: Gebrauche niemals den Imperativ!). Im Anschluss an Niklas Luhmann bemüht man sich zweifellos vergeblich um eine Erweiterung des akademischen Wörterbuchs. Dass es für die Luhmann zugeschriebene Haltung der "Selbstdesinteressierung" im akademischen Alltag keine semantischen und mentalitätsspezischen Äquivalente gibt, mag der weiter oben angedeutete Kampf der Highlander eindrücklich belegen.

Ich jedenfalls fühle mich seither am Stammtisch und als Wanderer in Luhmann-Land sehr wohl. Und vor allem: Ich bin so froh, dass ich kein Professor bin! So muss ich vor allem keine Festschrift einfordern, sondern konnte mir meine Schrift zum Fest selbst schreiben: Kurz vor Schluss – Eine kleine Sozialkunde (Fölbach-Verlag), Koblenz 2017 (927 Seiten), im Erscheinen (€ 35,-). 

 

   

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