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Vier Männer in mir (6)

Wachgeküsst mit siebzehn.
Knospen, Triebe blühn.
Den Himmel rosa sehn,
Wie Feuerfunken sprühn.

Riechen, fühlen, flehen.
Das Fremde, unerreichbar fern,
Tastend sich ergehen,
Bliebst ein fremder Stern.

Im Liebesschmerz
Versinkt die Welt.
Zum Himmel steigt mein Herz
Und fällt, und fällt, und fällt.

Die zweite Liebe: tief -
Umworben!
Herz im Herzen schlief,
Ganz unverdorben!

Nun sollt ich wachsen,
Sehn die Grenze -
Will noch spielen, flachsen,
Keine Kränze.

Und wieder fallen,
Schnitt und Wende.
Blind für Fallen
Und das Ende.

Ende heißt Beginn!
Das Neue kann beginnen?
Schulden und Gewinn?
Wenn zweie nur gewinnen?

So hoch wir fliegen,
Tapfer träumen,
Schulden wiegen,
Denn wir säumen!

Ordnungen der Liebe
Weisen uns den Weg
Und wir werden Diebe,
Schmal und eng der Steg.

In der Lebensmitte
Darf ich wachsen!
Folgenreiche Dritte
Sind wir nun erwachsen?

Bin gelassen,
Seh die Grenzen!
Sich und andre lassen
An Gräben und vor Kränzen.

Die Lust zu leben?
Ja! Der Unterschied?
Nach jedem Beben
Sing ich nun mein Lied.

Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt! Nach mehr als vierzig Jahren kann man sagen, dass Herz hat den Kurs vorgegeben – flankiert von einem wachen Verstand, der letztlich dafür gesorgt hat, dass das Herz vor allem auch in seiner Not nicht alleine geblieben ist. Eine Minute besteht aus 60 Sekunden; ein Stunde aus 60 Minuten, ein Tag aus 24 Stunden, eine Woche aus sieben Tagen und ein Jahr aus 52 Wochen – alleine aus dieser Zeitspanne, auch wenn ein langes Leben nicht einmal eine Nanosekunde markieren mag im kosmischen Rauschen, lässt sich überzeugend ableiten, das zur Herzenswelt die Herzensfreude genauso gehört wie Herzesleid. Hinter 42 Jahren verbergen sich 367.920 Stunden; sie gelebt zu haben, sie erlebt zu haben – dies erst verleiht Körper und Seele jene Gestalt, vor der wir gleichermaßen erschrocken wie fasziniert innehalten, wenn wir zurückschauen – und vor allem, wenn wir in den Spiegel schauen. Zorn und Schmerz haben ihre Falten und Furchen gegraben, und wenn es gut geht, hinterlassen sie ihre sichtbaren Spuren ebenso wie die offene und verhaltene Freude, wenn wir die Früchte ernten und betrachten, die uns ein langes Leben geschenkt hat.

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund