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Der kleine König Dezember zu Besuch – in einer Adaption von Axel Hackes Der kleine König Dezember – mit Bildern von Michael Sowa, erschienen bei Antje Kunstmann (München 1993)

Seit ich im Dezember ein paar Gummibärchen auf’s Fensterbrett gelegt habe, bekomme ich regelmäßig Besuch. Der kleine König Dezember, der ja bei Axel sooooooo fett ist, kommt inzwischen auch in mein Haus und versucht mir die Welt zu erklären. Dabei kommen wir beide ganz schön ins Schwitzen - man kann hier schon den leichten Sog verspüren, der sich mit der Phantasie einstellt, noch einmal Kind sein zu dürfen!

Am Anfang ging es mir so wie Axel, und ich hatte Schwierigkeiten der Logik des kleinen, fetten Königs zu folgen. Vor allem als er mir weismachen wollte, bei ihm zu Hause käme man groß auf die Welt und würde dann immer kleiner, bis man irgendwann wieder aus dieser Welt verschwinde. Ich habe herzhaft gelacht und habe nur den Kopf geschüttelt. So ganz heimlich regte sich dann allerdings bei mir ein bisschen Neid, als er erzählte, wie das mit dem Kleinerwerden und dem Verschwinden sei. Das mit dem Kleinerwerden passiere ganz schmerzfrei und je kleiner man werde, umso mehr und umso schneller vergesse man alles, was man einmal gelernt habe.

Ich antwortete dem kleinen, fetten König, dass es das auch bei uns gebe – nur umgekehrt. Viele Leute, die ganz groß, und manchmal auch ganz fett sind, vergessen – wenn sie alt und älter werden – wer sie sind und wer sie waren, wer die anderen sind und wer sie waren, was die Dinge für Namen haben und was sie bedeuten und wozu sie nutze sind. Das Dumme bei uns – so kam es mir dann – wäre in der Tat, dass wir – so groß und so schwer wir dann seien – von den anderen betreut, gepflegt und ernährt werden müssten. Manchmal würden die alten, fetten, erinnerungslosen Menschen dann in ihren Betten liegen; sie würden alles unter sich gehen lassen, sabbern und manchmal auch die leckeren Sachen, die man ihnen gebe, einfach wieder ausspucken. Noch schlimmer wäre es, wenn sie noch bei wachem Verstand seien. Dann schämten sie sich oft. Und auch die Verwandten, meist die Kinder, oder die Frau oder der Mann, mit dem sie zusammenleben – oder auch umgekehrt oder wie auch immer – schämten sich oft und würden oft jammern und klagen, das alles wüchse ihnen über den Kopf. Deshalb gäbe es inzwischen viele große Häuser – meist am Rande der Städte oder Dörfer –, wo ganz viele alte, dünne und fette und auch ganz normale alte Menschen ein Zimmer bekämen, um dort auf ihren Tod zu warten. Als verantwortlicher Redakteur von Rund um den Laubenhof - das ist die Einrichtung, in der meine Schwiegermutter zuletzt gelebt hat und die dazugehörige Zeitung - kreisen meine Gedanken professionsbedingt häufig um diesen traurigen Umstand.

Ich bat den kleinen, fetten König Dezember, mir doch bitte das Geheimnis zu verraten, wie man zusammenschrumpfen könne – immer weiter – bis man einfach aus der Welt verschwinde – und dass der Bundesverband der Bestattungsunternehmer mir gerade am Arsch vorbei ginge. Ich hatte ja gar keine Ahnung, wie neidisch man sein kann. Vielleicht, so dachte ich, wäre es ja der größte Wunsch – vielleicht so etwas wie nachgetragene Liebe –, wenn mein Vater und meine Mutter, mein Schwiegervater und meine Schwiegermutter einfach so hätten aus der Welt verschwinden können – so wie eben der kleine König Dezember und alle seine glücklichen Mitverschwinder. Manchmal denke ich - sehr früh schon habe ich gedacht -, dass auch mein Bruder zu ihnen gehört.

Der kleine König Dezember lachte sich kaputt, pardon, er lachte sich einen ganzen Milimeter einfach weg und sagte zu mir in einer Überheblichkeit, dass mir der Atem stockte:

„Du dummer August, ach verzeih, Du heißt ja Josef, geh doch zu dem Axel hin! Der hat mich doch erfunden. Der muss doch wissen wie es geht; oder lass Dir selbst etwas einfallen! Im Land der Dichter und Denker dürfte das doch nicht so schwer sein. Da gab es doch schon einmal Spezialisten und Experten, die Gräber in den Lüften schaufeln konnten.“

Ich rang um Atem und versuchte den Spieß einfach umzudrehen:

„Du kleiner, fetter König“, sagte ich genüsslich. „Dem Axel hast du erzählt, ihr würdet alle irgendwann einfach in eurem Bett aufwachen und wäret damit in der Welt. Auf all sein Nachfragen fiel dir nichts anderes ein, als immer wieder zu sagen: ‚Man wacht auf, und los geht’s.' Erst als Axel immer weiter bohrte, fingst du an zu stottern und hast etwas gefaselt von einem König und einer Königin und hast verlegen gekichert. "Du kleines, fettes, dummes Dezemberchen", sagte ich, „glaubst Du eigentlich ihr alle wäret auf diese Welt gekommen wie das Jesuskind – durch eine sagenumwogende unbefleckte Empfängnis. Du hättest mal nicht kichern sollen. Auch bei euch wird ganz offensichtlich geschnuckelt und geschnackelt. Wahrscheinlich gibt es in euren kleinen niedlichen Behausungen jede Menge chambre separees, wo die Könige und Königinnen…“. Ich fing an zu kichern und bekam mich nicht mehr ein, bis ich einen regelrechten Lachkrampf bekam. Nach Fassung ringend fügte ich dann mit einem deutlichen Unterton des Bedauerns hinzu: „Eigentlich tust du mir unendlich leid. Wahrscheinlich kannst du dich nicht einmal erinnern, dass du nicht erinnern kannst! Weißt du noch was du zu Axel gesagt hast? ‚Warte mal‘, hast du zu Axel gesagt – und weiter: ‚ich glaube…, also ein König und eine Königin …ähm …wie? war? das? … Ich hab’s vergessen. Es war sehr schön, das weiß ich noch.‘ Ja, und dann hast du gekichert. Immerhin – fügte ich hinzu – hast du noch eine Ahnung, dass da was Schönes war.“

Ich überlegte und dachte so bei mir, indem sich der anfängliche Neid auf die Verschwindenskultur verflüchtigte: „Ne, also mit den Dezemberköniginnen und –königinnen möchte ich um alles in der Welt nicht tauschen. Wenn man’s gut macht und nicht allzu Ratzinger-katholisch ist, dann ist doch unsere Schnickel-Schnackel-Schnuckel-Welt eigentlich mit das Schönste, was unser Leben so zu bieten hat."

Nun hatte ich das Gefühl absolutes Oberwasser zu haben und ging in die Offensive, lehnte mich zurück und legte genüsslich nach:

„Du sagst, dass das Schrumpfen schmerzfrei vonstattengeht. Ich erinnere mich an eines deiner Beispiele: ‚Man merkt das Schrumpfen nur manchmal, wie neulich. Abends habe ich mein Teetäßchen gerade noch auf den Tisch stellen können, und am Morgen musste ich schon auf einen Stuhl klettern,  um es wieder herunternehmen zu können.‘ Und – provozierte ich den kleinen König Dezember – du fragst den Axel allen Ernstes, ob er das Größerwerden schön fände? Was habt ihr denn von eurem schmerzfreien Schwund, wenn bei euch alle Erinnerung grundsätzlich mitschwindet, bis ihr euch völlig verloren habt???“

Da hatte ich mich aber gründlich verrechnet. Dem kleinen fetten König Dezember platzten die Knöpfe von seinem Samtmäntelchen mit Hermelinbesatz. Er bließ sich auf, um mir dann die Frage um die Ohren zu hauen, was wir denn von unserer Erinnerungskultur hätten???

„Bei euch müssen die armen erinnerungstraumatisierten Psychokrüppel doch monatelang auf einen Therapieplatz warten, weil ihnen ihre Untaten zurecht die Seele vergiften, einmal ganz abgesehen von all den Jammerlappen, die ihr Leben lang eine schwere Kindheit wie eine Monstranz vor sich hertragen. Wer von euch ohne Erinnerungstrauma ist, der werfe die erste Runde. So klein und so fett ich bin – fügte Dezemberchen hinzu – und gewiss nur einen Fingerhut besten Spätburgunders benötige, um einen Filmriss zu riskieren, da kann ich sicherlich lange warten, bis mir jemand die Kanne gibt.“

So langsam dämmerte es mir. Ich begriff, was diese Mutantenkultur hervorgebracht hatte. Programmatisch hatte der kleine fette König Dezember Axel gegenüber auf die Frage hin, was sie denn wüssten, wenn sie zur Welt kämen, angefangen zu dozieren:

„Wir wissen fast alles. Wir wachen auf und erheben uns und können schreiben und infinitesimalrechnen, und kompjuterprogrammieren und zurarbeitgehen und geschäftsessen. Alles kein Problem. Aber nach und nach vergessen wir’s. Je kleiner wir werden, desto mehr vergessen wir’s. Wenn einer dann nicht mehr geschäftsessen kann, muss er nicht mehr ins Büro kommen, weil man ihn dort nicht mehr braucht. Dann darf er zu Hause bleiben und noch mehr vergessen. Sein Kopf wird leer, und es gibt Platz darin.“

„Platz wofür??? um Gottes Willen???“, blaffte ich ihn an, dass ihm das Krönchen fast von seinem Köpfchen fiel. „Erzähl mir doch bitte einmal, was denn in euren Köpfen nach einem langen Schrumpfleben übrigbleibt, wenn das Infinitesimalrechnen und das Kompjuterprogrammieren sich verflüchtigt haben? Ihr wisst ja noch nicht einmal, wo ihr herkommt, ihr wisst ja noch nicht einmal, wer euer Vater und wer eure Mutter sind!!! Ihr wisst ja noch nicht einmal, wer eure Geschwister, wer eure Tanten und Onkel sind!!!“

Ein herzerweichendes Mitleid überkam mich, und ich wollte mich gerade entschuldigen.

Da setzte sich der kleine fette König die Krone zurecht, knöpfte sein Samtmäntelchen mit Hermelinbesatz zu, nahm Haltung an und erwiderte in aller Seelenruhe:

„Jetzt hör mir einmal genau zu, du langer, alternder, präseniler Lulatsch. Seit Jahren lese ich deine Absonderungen in deinem Blog. Warum schreibst du denn immer und immer wieder dasselbe in ermüdender Variation? Ihr habt die Begriffe Bindung, Geborgenheit, Entschiedenheit und Zugehörigkeit doch nur erfunden, um eurem Elend auf die Schliche zu kommen. Alle Romane, alle Filme, alle Gedichte kreisen immer nur um die Frage, wer sich mit wem, wann und wo und warum vergessen hat! Wir können wenigstens nichts dafür, dass wir uns irgendwann vergessen und an nichts mehr erinnern. Aber ihr belügt euch doch in jeder Lebenslage. Und wenn euch die anderen nicht belügen, dann belügt ihr euch selbst. Ihr verstrickt euch doch ständig in Lügengespinste, wo jeder seine Lügen für die Wahrheit hält.“

Ich rang nach Atem und suchte nach einer schlüssigen Gegenrede. Aber der kleine fette Däumeling kam mir zuvor und meinte auf einmal mit einer entwaffnenden Naivität:

„Ich glaube, es stimmt gar nicht, dass ihr größer werdet. Ich glaube, es sieht nur so aus …] Ich glaube, ihr fangt auch ganz groß an. Ihr habt alle Möglichkeiten, und jeden Tag werden euch ein paar genommen.“

„So einfach ist es nicht“, entgegnete ich. Der Schweiß trat mir auf die Stirn. Ich fing an zu stottern und meinte schließlich mit bitterem Unterton: „Wir sind nicht alle gleich, wir haben nicht alle alle Möglichkeiten – und manche von uns werden zwar groß und manchmal auch richtig fett …ähm, aber nie wirklich erwachsen. Und das mit der Geborgenheit – ja vor allem das mit der Geborgenheit -, da sind wir Menschen nicht Gleiche unter Gleichen. Wenn wir uns zu erklären versuchen, wenn etwas schiefläuft unter uns, dann fragen sogar die Gerichte danach, ob jemand vielleicht eine schwere Kindheit gehabt hat. Es gibt bei uns schon ganz kleine Menschen, die nie so etwas wie Geborgenheit oder Zugehörigkeit erfahren haben. Es gibt sogar ganz kleine Menschen – ja sogar Säuglinge –, an denen sich andere Menschen versündigen und vergehen; die erfahren nicht nur keine Geborgenheit, nein in deren Seelen pflanzt man schon früh das Misstrauens- und Gewaltgen ein. Wir haben aufgehört uns darüber zu wundern, dass manche Menschen abgrundtief böse werden und wiederum anderen Menschen Gewalt antun. Und ich vermute, dass Eure Abart nur deshalb fett und irgendwann auch völlig vergesslich wird, damit ihr euch genau davor schützt. Ihr fresst euch rund und irgendwann lauft ihr als kleine und immer kleiner werdende Zombies durch die Welt, bis ihr alles vergessen habt und irgendwann verschwunden seid. Aber das ist doch keine Option. Das ist doch das Eingeständnis völliger Unfähigkeit. Kein Wunder, dass bei Euch auch immer nur vom Wissen die Rede ist – von Empathie und Mitgefühl, von wirklicher Liebe keine Spur, und an das Schönste, das Schnickel-Schnackel-Schnuckelige nur noch verschämte Erinnerungssplitterchen. Das ist doch Scheiße. Wenn Du noch richtig lange Beine hättest, würde ich sagen, steig mal endlich ab von deinem hohen Ross. Aber davon kannst du ja nicht einmal nachts träumen.“

Jetzt hatte ich doch wieder die Oberhand gewonnen – aber der vermeintliche Sieg in diesem Disput blieb mir quer im Halse stecken. Ich schwitzte immer noch und fühlte mich einfach nur scheiße. Und der kleine fette König hatte ja auch noch nicht fertig. Fertig war er nur mit seinem Gummibärchen. Er bestätigte ja meine Attacke. Während unseres Gespräches in der letzten halben Stunde hatte er ein ganzes Gummibärchen – halbsogroß wie er selbst – genüsslich verspeist  und die Knöpfe an seinem Samtmäntelchen waren inzwischen allesamt abgeplatzt. Ich hatte den Eindruck, dass er wie ein roter Riese seine größte Ausdehnung erreicht hatte und mir das Schauspiel eines typischen Frustfressers bot, der sich um Kopf, Kragen, Mäntelchen und seine schmale Identitätsspur fraß. Aber er holte aus zu seinem letzten Hieb, der mir gewaltig in die Glieder fuhr:

„Älter werdet ihr“ – sagte er schmatzend – „am Anfang wollt ihr noch Feuerwehrmänner werden oder ganz was anderes, und eines Tages seid ihr dann Feuerwehrmänner und Krankenschwestern. Und ganz was anderes könnt ihr nicht mehr werden, dazu ist es zu spät. Das ist auch ein Kleinerwerden, nicht?“

Axel hatte daraufhin nur geseufzt: „Ach ja, ja“ und resigniert zur Kenntnis genommen, wie der kleine Schwundriese genüsslich noch eins draufsetzte:

Nicht so ein schönes (Kleinerwerden) wie bei uns… Tut mir leid für dich, na, für euch alle natürlich.“

Mir ging es ähnlich wie Axel. Aber ich wollte es dabei nicht bewenden lassen, und vor allem ließ ich mich – ganz anders als Axel – auch nicht dazu verleiten, den kleinen, blöden fetten König Dezember hinter irgendeiner Regalritze zu besuchen, indem ich – ähnlich wie Axel – mich auf den Bauch legte, um meine inzwischen auch schon um zwei-drei Zentimeter geschrumpften stolzen 187 cm auf des kleinen Königs Format zu trimmen.

Ich hatte inzwischen eine ganze HARIBO-Vollversammlung zusammengetrommelt – die sitzen ja inzwischen auf der Grafschaft in meiner alten Heimat mit ihrer Mega-Factory – und inmitten einen kleinen Thron installiert und bat den immer noch daumengroßen kleinen Dezember dort Platz zu nehmen. Das mit dem Feuerwehrmann ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Mir war klar, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte zu überlegen. Ich wusste ja nicht einmal, wie lange es dauern würde, bis der kleine fette König so sehr geschrumpft wäre, dass mir letztlich nur noch ein Selbstgespräch blieb, weil der sich einfach verpisst hatte. Es war mir ehrlich gesagt inzwischen auch schnuppe. Aber der Nachhall blieb – „am Anfang wollt ihr noch Feuerwehrmänner werden…“.

Ich spiele seit Wochen schon  t a  t ü  t a  t a – t a  t ü  t a  t a  - hir kommt die Feuerwehr - mit meinem Enkel Leo. Ich werde wieder zum Kind – ich bin auf Augenhöhe mit Leo. Seit ich umgezogen bin und mein Leben, das ich auch in viele Kisten verpackt habe, aufräume, begreife ich so langsam, dass ich der Gnade des Vergessens nicht teilhaftig werden will. Und trotzdem merke ich, wie der kleine fette König immer lauter und vernehmlicher in mir nachhallt. Ich habe inzwischen sogar damit angefangen, die scheiß Gummibärchen selbst zu essen.

Jeden Tag frage ich mich auf’s Neue, warum mir der Feuerwehrmann so sehr zusetzt. Immer wenn ich gemeinsam mit Leo die Selbstfahrlafette aufrüste – zuerst die Leiter, dann die Spritze, dann der Feuerwehrmann – fällt es mir mehr und mehr wie Schuppen von den Augen. Pyromanisch veranlagt war ich schon immer, und ich habe in meinem Leben eine Menge Feuerchen gelegt und zu verantworten. Nun ist mir klargeworden, dass ich seit Jahren mit der Spritze rumlaufe und versuche die Glutnester zu löschen, die ich so  hinterlassen habe und die mir so begegnen. Manchmal habe ich dabei zu spät bemerkt, dass ich statt Wasser Benzin in meiner Spritze hatte (das ist auch jetzt so – und ich bin mir sicher, dass ich das einmal wieder erst herausfinden werde, wenn es zu spät ist).

Dem kleinen fetten König Dezember, den ich inzwischen lieb gewonnen habe – da oben auf seinem Thrönchen – habe ich aber noch geantwortet. Ich habe zu ihm in ganz ruhigem, versöhnlichen Ton gesagt:

„Lieber, kleiner fetter König Dezember, sei mir nicht böse. Aber euer Lebensmodell da hinter den Bücherritzen überzeugt mich nicht. Dennoch hast du mir die Augen und das Herz geöffnet. Bevor wir alles vergessen, was uns widerfahren ist – an Gutem wie an Schlechtem – wünsche ich uns allen, dass wir – wider das Vergessen – noch einmal hinschauen und uns besinnen. Natürlich weiß ich – auch wenn wir alle vor dem Gesetz gleich sind, dass die Bilanz eines jeden und einer jeden anders ausfallen wird. Und selbst mit den verrücktesten Tricks wird es nicht gelingen, ein Konto, das in den Miesen hängt, in hellem Licht erstrahlen zu lassen. Wie es trotzdem hell werden kann, wie ein Licht erstrahlt, das nicht erlischt, hat mir Michael Steinbrecher mit seinem letzten Nachtcafé gezeigt. Die Botschaft an dich, kleiner fetter König – und an alle, die meine Weihnachts-Mail bekommen und annehmen, liegt in den Worten und Erfahrungen von Lisa Federle und Michael Stahl. Es lohnt tatsächlich den beiden - und auch den anderen Gästen im Nachtcafé - einmal für 1 1/2 Stunden seine volle Aufmerksamkeit zu schenken.

 

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund