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Freunde... (das Leben ist lebenswert)

Hubert von Goisern erzählt uns die Geschichte des Librettisten und Lehár-Freundes Bedřich Löwy, der sich in Wien einfach Fritz den Löhner-Beda nannte und den sich im März 1938 die Nazi-Brut holte, denn er war ein Jud.

Und das ist die Geschichte von Bedřich Löwy
Er war geboren in Böhmen
Und hatte die Gabe mit seinen Reimen die Musik zu krönen
Er war gerade einmal fünf geworden
Da zog seine Familie nach Wien.

Denn in der Monarchie, so sagt manKonnte man überall hinziehen
In der Stadt an der Donau ging er zur Schule
Und studierte Jus, spielte Fußball,
doch früh schon empfing er den ersten Musenkuss
und nannte sich fortan nicht mehr Bedřich Löwy
Sondern einfach Fritz den Löhner-Beda

Er schrieb Stücke für's Theater
Gedichte, Lieder und auch Schlager
Über ein Platzerl in der Lobau
Und die Augen von sein Maderl
Von Leuten, die verliebt waren bis über die Ohren
Und daraufhin ihr Herz in Heidelberg verloren
1913 traf Fritz der Beda
Den damals schon berühmten Franzl Lehár
Mit seiner lustigen Witwee war der Gute
ein Superstar, und zwar der absolute
Mit Franz zusammen schrieb Fritz nun Operetten
Für die ganze Welt nun zu ihrer beider Ruhm
Werke wie: "Die Sternengucker" und "Friederika", "Das Land des Lächelns",
"Schön ist die Welt" und zuletzt "Giuditta"

Freunde, das Leben ist lebenswert...
Wer denkt schon gern bei so einem Gesang
An den nicht mehr fernen Weltuntergang

Franz hat das Werk mit einer Widmung versehen:
"Für Mussolini". Ich hätte ihn gern gefragt: "Warum?", um es zu verstehen
Und aus "Giuditta" stammt auch das Stück, das wir nun hören
Darüber, wie herrlich es ist, zu den Lebenden zu gehören
Ja, es war ein "Land des Lächelns", doch leider nicht lang
Denn die Zeichen standen auf Weltuntergang - Weltuntergang, Weltuntergang -

Fritz und Franz waren zwei Freunde doch als es drauf ankam
Und das Banale des Bösen sich dann auch Österreich annahm
Da wurde Franz, der große Meister plötzlich zum Hosenscheißer
Und statt zu helfen Schwieg er einfach weiter.
Denn obwohl er Göbbels und Hitler persönlich kannte
Und diesen seinen liebsten Komponisten nannte
Brachte er nicht den Mut auf, für seinen Freund zu sprechen
Aber es werfe den ersten Stein der oder die ohne Schwächen...
(Ohne Schwächen, ohne Schwächen, ohne Schwächen)

Es war im März 38 ich glaube am Zwölften
Da erwachte die Meute
Das Biest fiel über das Land und machte fette Beute
Nicht nur Gold, sondern auch standhafte Leute,
Gleich am nächsten Tag holte die Nazi-Brut auch Fritz Löhner-Beda,
denn er war ein Jud.
Und zwei Wochen später, im sogenannten Prominententransport
karrte man ihn zusammen mit 150 anderen fort
Zuerst ging es nach Dachau
und mit dem Zug schon bald
weiter Richtung Norden bis nach Buchenwald
Mit Hermann Leopoldi schrieb er dann dort sein letztes Lied
Quasi sein Abschiedswort...
(Sein Abschiedswort)
Von grauenden Morgen und Herzen voller Sorgen
Von kurzen Nächten und langen Tagen
Davon über das Schicksal nicht zu klagen
Trotzdem ja zum Leben zu sagen
Von einem Tag, der wenn auch noch weit,
Die Freiheit hielt für alle bereit
Davon sich von niemanden den Mut rauben zu lassen
Und nicht selber anfangen zu hassen
Und von den Liedern, die sie vor langem
In einer fernen, fernen Heimat sangen (sangen, sangen)

Freunde, das Leben ist lebenswert
Wer denkt schon gern bei so einem Gesang
An den nicht mehr fernen Weltuntergang

Von Buchenwald kam Fritz nach Auschwitz
dort hat man ihn erschlagen
Und was übrig war verbrannt oder begraben
Der Mann, der in diesen schicksalhaften Jahren
Der Welt so schöne Lieder gab, hat nie erfahren
Dass seine Töchter Eva und Lotti samt seiner Frau Helene
Schon zuvor himmelwärts geflogen sind, wie brennende Schwäne


Als alles vorbei war, beteuerte Franz, nichts gewusst zu haben
Von seiner Freunde Todestanz

Oh Seniora, Seniorina
Traurig klingt die Cavatina
Und die schönsten Lieder
Klingen immer noch so wie einst
Das Leben ist schön,
So schön!

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund