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Covid 19 -Oder: Hol uns der Teufel

Man kann es so sehen – und die Mehrheit sieht es genauso, mehr oder weniger:

Wir alle leben in Zeiten des corona-virus (covid 19). Wir alle erleben die Auswirkungen einer Pandemie und die mehr oder weniger drastischen Maßnahmen, mit denen die Politik die Ausbreitung des Virus verzögern will. Wir alle erfahren von maßgeblichen Experten, dass der Durchseuchungsgrad in Deutschland zwischen 70 und 80 % der Bevölkerung erfassen wird. Die Mortalitätsquote bleibt vorläufig noch im Dunkeln, liegt laut Expertise zwischen 5 und 10%. Alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sind am meisten gefährdet. Wir alle werden die notwendigen Einschränkungen mehr oder weniger akzeptieren. Das öffentliche Leben schrumpft auf notwendige, eher unvermeidbare und symbolische Akte zusammen. Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern sind zu unterlassen. Schulen und Universitäten werden geschlossen. Ganz Italien steht unter Quarantäne. Die Vereinigten Staaten schränken Einreisemöglichkeiten drastisch ein. Israel verweist Ausländer des Landes.

Die Regierungen, die EZB suchen nach wirksamen Maßnahmen,  um den wirtschaftlichen Kollaps zu verhindern. Die Lufthansa streicht 27000 Flüge. Betriebe melden Kurzarbeit an – Lieferketten droht Unterbrechung, Medikamentenverknappung tangiert die medizinische Grundversorgung.

Was ist besonders auffällig in dieser pandemischen Krise? Die Menschen – nicht alle, aber immer mehr bekommen Angst – bis zur Hysterie. Hamsterkäufe leeren die Regale der Supermärkte. Die Angst ist greifbar, sie ist eine zuvorderst ganz und gar individuelle. Jeder hat Angst um sich und seine nächsten Angehörigen. Das Virus – so Bernd Ulrich in der ZEIT 12/20 – werfe ein grelles Licht auf die Nebenfolgen der Globalisierung: „Der Tourismus verbreitet die Seuche binnen weniger Wochen über die ganze Erde, was dann unverzüglich globale Lieferketten zerreißt wie Papiergirlanden; internationale Messen werden abgesagt, Millionen Reisen storniert… die Wirtschaft geht auf Talfahrt.“

Dann kann man es vielleicht auch so sehen:

Ein Planet beginnt aufzuatmen, und die Natur schlägt zurück. Sie zeigt vermittelt über virale Mutation, dass unsere Naturbeherrschung enge Grenzen hat. Zwingt sie uns gar zur Besinnung? Versetzt sie uns möglicherweise sogar in die unfassbare Einsicht, dass den Folgen einer seit 40 Jahren als Menetekel gegenwärtigen Warnung mit Blick auf die Zerstörung und Verwüstung unseres Heimatplaneten spätestens jetzt Einhalt zu gebieten ist???

Oder passt individuelle Angst und Hysterie nicht zu einer ethischen Grundorientierung, die mehr im Blick hat als das individuelle Überleben des Einzelnen im Hier und Jetzt? Jens Spahns Hinweis, dass die Jungen und Starken sich im Ausdruck ihrer individuellen Bedürfnisse und Lebensstile zurücknehmen sollten, um Alte und Kranke nicht zu gefährden, könnte leicht die Frage aufwerfen, was denn in Sonderheit die Alten – die zwischen 60 und 100jährigen bislang für die Jungen bereit sind zu tun? Wo bleiben der Verzicht und die grundlegende Kurskorrektur eines Lebenswandels, der so tut, als habe er nicht nur eine, sondern die Ressourcen dreier Erden zu Verfügung, um sich hemmungslos seinen Obsessionen hinzugeben. Ich habe an anderer Stelle bereits betont, dass sich in einer globalisierten Cyberwelt niemand mehr auf die Position zurückziehen kann, von alldem nichts gewusst zu haben: nicht die kerosingetränkten Vielflieger mit kinetischer Verschwendungssucht; auch nicht die mitleidserweckende, jammernde Rentergang, die glaubt unter dem Motto: Ich will noch was von der Welt sehen mit 80 um die Welt jetten zu müssen, nicht die Malle-um-die-Ecke-Vollpfosten, genausowenig wie die Fleisch-ist-mein-Gemüse-Vandalen oder die an fossiler und kinetischer Verschwendungssucht leidenden SUV-Protzer!

Aus der Sicht der Ungeborenen, sowie der aktuellen Enkel- und Kindergeneration müsste man eigentlich sagen: „Covid-19 mach deinen Job, mach ihn nachhaltig und konsequent und erlaube uns ein grundlegendes Resetting.“

Wie gesagt, das müsste man sagen, wenn – wie Bernd Ulrich bemerkt – unsere Gefühle für die exponentielle Krise gemacht wären. Sind sie aber nicht! Die Enkel werden ihre Großeltern vermissen und selbst die Kinder werden sich besinnen, dass es nicht so schlecht ist noch Eltern zu haben.

Und die Eltern und die Großeltern??? Werden wir armseligen, egoistischen Kleingeister endlich die Lehren ziehen, aus dem, was uns die Natur gewissermaßen unvermittelt offeriert??? Wenn wir armen Würstchen angesichts eines Corona-Virus in die Knie gehen und um unser Leben zittern, werden wir dann nicht auch bereit sein, Greta Glauben zu schenken in der Mahnung, dass unsere Hütte brennt? Und werden wir endlich damit beginnen, das Feuer zu löschen und dafür zu sorgen, dass die Hütte auch für unsere Kinder und Kindeskinder noch Schutz bietet und bewohnbar bleibt? Wenn nicht, dann soll, nein dann wird uns der Teufel holen!

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund