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Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz

Anzeigentext für's Gölser Blättche

Franz Josef Witsch-Rothmund – Koblenz-Güls
Ich bin 74 Jahre alt und habe mein Lehrerberufsleben lang Sozialkunde als Fach unterrichtet und mich 25 Jahr um politische Bildung in der Lehrerausbildung bemüht. In der ZEIT vom 12. Februar 2026 lese ich im Dossier (S. 13): „Gymnasiasten, die Hitler feiern oder Waffen bauen. Lehrer, die nicht mehr weiterwissen. An Schulen überall in Deutschland kippt gerade etwas – ins Rechtsextreme.“ Während meiner Studienzeit in Koblenz wurde ich ins linksextreme Lager eingeordnet und musste mich wegen vermeintlichen Landfriedensbruch, Beleidigung und Nötigung vor dem Landgericht Koblenz verantworten. Ich schreibe dies hier bewusst auf, da ich nachvollziehen kann, dass der Identifikation mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unserer Republik durchaus ein Lernprozess zugrundliegen kann. Um diesen Lernprozess werbe ich heute mit meiner Anzeige. Mit Erich Kästner frage ich daher: Wie kann das sein? Gut 80 Jahre nach dem Ende des „Tausendjährigen Reiches“ – verbunden mit dem Zivilisationsbruch schlechthin (Holocaust) – frage ich, wie heute in Deutschland eine Partei an Zustimmung gewinnen kann, die in ihren Reihen Rechtsradikale und Faschisten duldet - politische Akteure, die mit ihren Umvolkungs- und Deutschtumsphantasien keinen Hehl daraus machen, dass sie insbesondere die Artikel 1 und 3 des Grundgesetzes radikal in Frage stellen? Wer die AfD wählt, muss sich darüber im Klaren sein, dass die Herren Krah und Höcke, um nur die bekanntesten zu nennen, unserer Republik ein anderes Gesicht geben wollen; ein Gesicht, dessen Spiegelbild Züge jener Fratze trägt, die wir mit Hitler, Himmler und anderen Nazi-Größen verbinden. Mit Erich Kästner, dessen Bücher 1933 von den Nazis verbrannt worden sind, und der nicht nur Das fliegende Klassenzimmer,  Das doppelte Lottchen oder Drei Männer im Schnee geschrieben hat, frage ich deshalb (Vorabdruck aus meinem Lyrischen Klärwerk - erscheint im Herbst 2026):

Erich Kästner: Wie kann das sein?

Wie kann das sein?
Mein Kopf sagt nein!
Mein Herz will schrein!
Wir sind die Kinder, die Enkel jener Schinder,
deren widerlichster sprach: zuerst die Kinder!

In Posen nahm er* sie beim Wort    *Heinrich Himmler (Reichsführer SS)
und sprach von Anstand vor den Schloten.
Sie schufen jenen Ort*,                                 *Auschwitz
belebt von Henkern und von Toten.
Sie hielten sich daran und töteten (zuerst) die Kinder!

Die Herrenrasse sagt: der Freund! - der Feind!
Und Carl der Schmitt* ermuntert sie, das Fremde auszumerzen.   *Kronjurist der Nazis
Der Herrenmensch marschiert im Wahn vereint
enthemmt, bar jeder Regung noch im Herzen.
Er mordet, was im Wege steht und tötet immer auch die Kinder - (zu allerst) die Kinder!

Und Schinder wachsen nach – aus Blubo und aus BrauSi*   *(Blut, Boden, Brauchtum und Sippe)
Der Abschaum pflanzt sich fort, gebiert den Bastard,
der tackert sich die Ahnentafel auf die Stirn;
hat ne Kloacke dort, wo andre haben Hirn.
Wer glaubt, dass die mal waren Kinder?

Nie wieder! Wer versteht das nicht?
Spricht RvW* doch von Befreiung!     *Richard von Weizsäcker           
Und Willy Brandt kniet nieder und bittet um Verzeihung;                                         
bekennt sich zu den Grenzen – zum Gewaltverzicht!
Wie kommen BluBo, BrauSi in das Hirn verführter Kinder?

Wenden wir’s mal kämpferisch mit Erich Kästner!
Der dichtete – bevor die Erste Republik zusammenbrach – das Marschliedchen
Und irrte sich fatal, der Kästner Erich!
Denn die SS marschierte bis nach Stalingrad und Auschwitz hörte ihre Liedchen.

Wir machen's besser – ein Ruck geht durch die Republik.
Nie wieder? Ja, das ist wohl heute, wir machen es publik!
Wir hören noch den Kästner rufen – nach über neunzig Jahren
und sind uns sicher, dass wir wachsam und auch klüger waren!

   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund