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Danke für Hildes Geschichte (28) -- immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
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Danke für Hildes Geschichte (27) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
"Natürlich wollte sie davon nichts wissen und klammerte sich an die Hoffnung, wenn Franz nun käme, würde sich dieses ganze Wirr-Warr mit einem Mal auflösen. Jeden Tag machte sie ausgedehnte Spaziergänge durch den nahen Wald und malte sich aus, dass Franz endlich da wäre, dass er ihr die baldige Heirat in Aussicht stellte, und dass ihr Kind einen rechtmäßigen Vater haben würde."
So endet das 26. Kapitel. Der Wirr-Warr in Hilde und um sie herum hatte auch zu tun mit der Konfrontation, der sich Hilde ausgesetzt sah: Den Entbindungsheimen der NSV (siehe dazu ausführlich: hier) war vor allem die Aufgabe zugedacht, „arische“ Schwangere, junge Mütter und deren Säuglinge zu betreuen. Zu den Aufgaben des „Hilfswerks“, das dem Hauptamt für Volkswohlfahrt in der Reichsleitung der NSDAP direkt unterstand und sich personell überwiegend aus der NS‑Frauenschaft und der NS‑Volkswohlfahrt rekrutierte, gehörten im Einzelnen: Familienhilfe und Gemeindepflege in Kooperation mit der NS‑Schwesternschaft, Wöchnerinnen- und Jungmütterfürsorge, Müttererholungsfürsorge sowie Erziehung und Gesundheitsfürsorge in Kindertagesstätten.
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Danke für Hildes Geschichte (26) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Es ist in gewisser Weise beschämend, wie sehr eine Welt sich uns gänzlich entzieht, wenn niemand dafür sorgt, dass ehemals identitätsstiftende Phänomene Erinnerung und die Erinnerung Gestaltung erfahren. So könnte manch einer in der Versuchung stehen, zu bestreiten, dass es im Luftkurort Flammersfeld jenes Braune Haus gegeben hat, das der NSV als Entbindungsheim diente, in dem Ursula am 5.6.1942 das Licht der Welt erblickte, und dass in den letzten Kriegswochen sogar noch dem Stab von Franz Streits Regiment (33) als Quartier gedient hat. Auf den nachstehend erwähnten und zitierten Postkarten ist im Übrigen das Braune Haus, so wie es nachstehend in Erscheinung tritt, deutlich zu erkennen.
Im Juli 1960 verbrachte Hilde mit ihren Söhnen, Franz Josef und Wilfried, eine knappe Woche dort in Flammersfeld, wo sie 18 Jahre zuvor ihre Tochter Ursula geboren hatte. Diesen gemeinsamen Kurzurlaub habe ich in Kurz vor Schluss II (Seite 45-50) zum Anlass genommen, noch einmal über Hildes Zwangsevakuierung nach Flammersfeld nachzudenken - wie im nachstehenden Kapitel erwogen -, Hypothek und Belastung für die werdende Mutter zugleich. Dort, in Flammersfeld, widerfuhr ihr Fürsorge, Betreuung, möglicherweise sogar eine Form von Wertschätzung. Meine Erinnerungen an diesen Aufenthalt in Flammersfeld sind in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Wir haben Flammersfeld und die Umgebung in kleinen Wanderungen erkundet. Dabei spielt im Nachhinein eine Bemerkung Hildes eine markante Rolle. Sie schreibt auf der Ansichtskarte vom 20.7.1960: "Der Herr mit Auto ist mir auch schon begegnet - war mir sehr peinlich." Darauf vermag ich mir keinen Reim zu machen. Jahrzehnte später wird mir aber immerhin klar, dass Hilde in den ersten Jahren, vielleicht Jahrzehnten, immer damit gerechnet hat bzw. rechnen musste, dass irgendwann ein Mann auftauchen würde, um Kontakt zu seiner Tochter aufnehmen zu wollen. Was aus Franz Streit, mit dem die letzte Begegnung so ziemlich genau vor 18 Jahren hier in Flammersfeld stattgefunden hatte, entzog sich ja gänzlich ihrer Kenntnis. Du hast ein Kind, weißt wer sein Vater ist, hast aber keine Ahnung, was aus ihm geworden ist! Ihrer Tochter schreibt Hilde am 22.7.1960: "Aus Deinem Geburtsort herzliche Grüße sendet Dir Deine Mutter und Geschwister. Hast Du auch schon Post von Deinem Ernst. Ich habe gedacht, wenn der Ernst Dir vielleicht nicht, schreibt, will ich Dir wenigstens eine Karte schreiben."
