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Danke für Hildes Geschichte (15)
Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Die beiden Kapitel 15 und 16 bilden den essentiellen und den existenziellen Kern von Hildes Geschichte - allein, weil aus meiner bescheidenen Perspektive die ganze Erzählung ihren Sinn und ihre Berechtigung allein aus der Tatsache beziehen, dass am 9. September 1941 eine Leben angestoßen wurde, das sich in diesem Jahr 2025 zum 83sten Mal gejährt hat. Lange habe ich sinniert über Henning Sußebachs Formulierung, dass jemand für uns in Vorleistung gegangen ist. Selbst wenn sich Scham, Schuld, Lust, Begierde - meinetwegen Verantwortungslosigkeit - zusammentun in einem einvernehmlichen Akt, aus dem neues Leben entsteht, will ich genau dies - ex post factum - als Vorleistung begreifen. So unfassbar trivial prozessiert der Bios, beginnt Zellteilung, die wiederum zu einem vollkommen neuen Kosmos von Möglichkeiten führt, aus dem Kinder und Kindeskinder hervorgehen, und ein jedes muss für sich jene sinnkonstituierende Leistung vollbringen, die aus der trivialen und gleichermaßen so faszinierenden voranschreitenden Zellteilung schließlich ein ganzes Leben konstituiert und schöpft.
Und es ist an dieser Stelle - exakt mit Blick auf die Trivialität, mit der sich milliardenfach Leben auf den Weg (ge-) macht (hat), zu konstatieren, dass Franz schon zwei Jahre und zwei Wochen nach diesem Akt sein Leben verwirkt haben wird. Und ich habe immer dafür geworben, genauer hinzuschauen, was es für Hilde bedeutet haben mag, ihre Tochter auszutragen, zu gebären, zu hegen und zu pflegen, zu umsorgen und nach Bad Neuenahr zurückzukehren. Wir werden noch genügend Gelegenheit haben, dies genauer zu betrachten.
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Danke für Hildes Geschichte (16)
Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
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Danke für Hildes Geschichte (17) und ab hier immer mit dem Verweis auf J. Lear!
Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
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Danke für Hildes Geschichte (18) - immer mit dem Verweis auf J. Lear!
Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Franz Streit hat am 3. September 1914 das Licht der Welt erblickt - in Oer-Erkenschwick. Das Wenige, was ich zu Franz Streit zusammengetragen habe, findet sich im Gespräch mit Franz Streit. Eine Kindheit hinein in den Ersten Weltkrieg, in die Weimarer Republik hinein muss man spiegeln in den Schwierigkeiten und Restriktionen, die sich in der Region, in der die Zeche Ewald größter Arbeitgeber war, auf recht brutale Weise zeigten: Auf der 1904 in Betrieb genommenen Schachtanlage Ewald Fortsetzung der damaligen Landgemeinde Erkenschwick wurde 1931-1938 die Kohleförderung im Zuge einer schweren Wirtschaftskrise eingestellt, was die rund 16000 Einwohner der Gemeinde zu 80% zu sog. Wohlfahrtsempfängern machte. Bereits 1933 stellten die Nationalsozialisten die absolute Mehrheit im Gemeinderat.
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Danke für Hildes Geschichte (19) - immer mit dem Verweis auf J. Lear!
Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
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Danke für Hildes Geschichte (20) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Erst nach Drucklegung von Hildes Geschichte hatte ich Zugang zu den Auskünften der WASt. Aus diesen Informationen geht hervor, dass Franz Streit nicht unmittelbar nach Rußland zurückverlegt wurde. Er hatte als Anghöriger der 4. Kompanie, dem Panzer-Regiment 39 zugehörig im Juli/August 1941 an den Kämpfen im Raum Smolensk teilgenommen, bevor er dem Reservelazarett Ahrweiler am 15. August 1941 zugeführt wurde. Nach seiner Genesung wurde er dann - nach einem längeren Aufenthalt in St. Pölten der 1. Kompanie der Panzer-Abteilung 212 zugewiesen, die der Heerestruppe in Kreta unterstand. Über Saloniki, Chania gelangte er am 04.03. ins motorisierte Feldlazarett Athen, von wo aus er dann am 17.03.1942 als "garnisonsverwendungsfähig" in die "Heimat, Ersatz-Truppe" verlegt wurde. Am 16. Juni wurde er "dienstfähig" zur Truppe entlassen. Bis dahin war er der "Genesenden-Kompanie Panzer-Ersatz-Abteilung 33, Standort: St. Pölten zugeordnet. Die letzten Zugehörigkeitsdaten beziehen sich vom 31.07.1943 bis zum 23.09.1943 auf die "4. Kompanie des Panzer-Regiments 33 = Feldpost-Nummer: 05474 - das Panzer-Regiment 33 unterstand der 9. Panzer-Division".
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Danke für Hildes Geschichte (21) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Dieses 21. Kapitel sollte wohl eines sein, das für sich und aus sich selbst spricht. Ich habe es aufgespannt zwischen den beiden Polen Hoffnung und Verzweiflung. Beginnen wir bei letzterem: Von dem Zeitpunkt an, wo Hildes Schwangerschaft - auch für sie selbst - als unabweisbar im Raum stand, müssen die Selbstzweifel und die damit ausgelöste sittlich-moralische Klemme wie ein Tsunami über Hilde hereingebrochen sein. Änne hatte ihr wohl in aller Behutsamkeit vor Augen geführt, dass sie in der Tat ein Kind in sich austrug, dass sie in weniger als neun Monaten niederkommen würde, dass sie in wenigen Monaten ihre Schwangerschaft nicht mehr werde verheimlichen können, und dass Vorsorge zu treffen sei für ihre Niederkunft.
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Danke für Hildes Geschichte (22) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Es gibt - mit Blick auf den Kommentar zu Kapitel 21 - wenig zu ergänzen. Hier soll lediglich deutlich werden, dass - so hat es unsere Mutter verbürgt - einen Briefwechsel gab. Viele der von mir unterstellten Details sind korrekturbedürftig. Ich habe ja - aufgrund der Dokumente, die die WASt für uns ausgewertet und zusammengestellt hat - bereits eingeräumt, dass der Einsatzweg Franz Streits abweicht von dem, den ich angenommen habe. Aber für die in Kapitel 21 aufgezeigten Spannungsmomente ist es unerheblich, ob die Briefe ihren Weg von Kreta aus oder von der Ukraine aus nach Bad Neuenahr (und umgekehrt) genommen haben. Vielleicht hat es Franz jenen einen Besuch in Flammersfeld noch ermöglicht, der ihm von Rußland aus möglicherweise versagt geblieben wäre. Kontingenz in jeder Lebenslage, sind wir doch bei alledem weit mehr unsere Zufälle als unsere Wahl.
Der Besuch Franz Streits in Flammersfeld im März 1942 aber ist wohl entscheidend dafür, dass sich Franz seiner Mutter noch anvertrauen konnte, die sich ihrerseits ihrer Tochter Juli, Franzens Lieblingsschwester, anvertraute. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass dieses Wissen in den frühen 60er Jahren zum Eklat zwischen Gerda Streit, der Mutter Gerts und Werners, und ihrer Schwägerin führte. Von da an tickte jene Zeitbombe, für die am 9. September 1941 die Lunte gelegt worden war. Die Zerstörung aller Hoffnungen Hildes vollzog sich mit der Offenbarung Franzens. Der im Anschluss daran vollzogene Bruch, die Einäscherung aller Erinnerung und die Konsequenz eines jahrzehntelangen don't ask - don't tell sollte erst 60 Jahre später geheilt werden.
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Danke für Hildes Geschichte (23) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Hilde hat Franz vermutlich viele Briefe geschrieben. Der für ihn bedeutsamste enthielt die Offenbarung, dass Hilde schwanger war. Wir können nur - gewissermaßen ex post factum - erahnen, dass Franz diese Offenbarung angenommen hat, sie in gewisser Weise dazu geführt hat, dass Franz Hilde in Flammersfeld noch einmal besucht hat. Da hatte das Wüten der Welt allerdings bereits jenes Ausmaß angenommen, das den Niedergang Nazi-Deutschlands - jenseits seiner Blitz-Krieg-Erfolge - für aufmerksame Beobachter erahnen ließ; jedoch nicht für eine gleichgeschaltete und manipulierte Öffentlichkeit, für die der Endsieg unmittelbar bevorstand: „Die große Stunde hat geschlagen: Der Feldzug im Osten entschieden! Das militärische Ende des Bolschewismus!“ So war es Anfang Oktober im Völkischen Beobachter zu lesen. Dementsprechend mag es ein gewisses Zeitfenster gegeben haben, in dem die Hoffnungen Hildes überwogen; Hoffnung auf ein Ende des Krieges, Hoffnung auf eine Heimkehr von Franz, Hoffnung auf eine Heirat, Hoffnung auf die Gründung einer Familie.
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Danke für Hildes Geschichte (24) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Es wird Franz Streits Geheimnis bleiben, wie er im Frühjahr 1942 nach Bad Neuenahr bzw. nach Flammersfeld gelangt ist. Mir bleibt nur der Versuch, dieses Faktum rein spekulativ in einem operativen Sinn zu gestalten. Wir bewegen uns ja hier noch an einem Punkt, an dem für Hilde der ernüchternde und dramatische Ausgang ihrer Liaison noch völlig im Dunkeln lag. Hingegen spitzte sich für Franz die Situation zu. Da mag es eher verwundern, dass er, der seine Familie in Mistelbach hatte, tatsächlich diesen Kraftakt auf sich nahm und erneut nach Bad Neuenahr fuhr - diesmal allerdings unter denkbar belastenderen Vorzeichen. Sollte er sich Hilde erklären? Und - wenn ja - mit welcher Zielsetzung? Was waren seine Absichten? Rein interessengeleitet hätte man eher vermuten müssen, dass er sich sang- und klanglos aus diesem Dreieck - einer Art ausweglosen Dilemma - verabschiedet hätte. Er wäre gewiss nicht der Erste gewesen, der sich in Kriegszeiten jeglicher Verantwortung für eine Stunde der Seligkeit, die sich auch noch als Moment der gesegneten Erfüllung herausstellen sollte, konsequent entzogen hätte. Auf diese Weise sind tausende und abertausende Kinder gezeugt und in eine vaterlose Welt gesetzt worden.
Gewiss muss man Franz Streit zugestehen, dass er von sich aus diesen radikalen Schnitt nicht vollzogen hat. Es war letztendlich die eben erst 18jährige Hilde, die im Scheitern jeglicher ihrer Hoffnungen diese Zäsur herbeiführte. Die spärlichen Schilderungen Hildes liefen auch 60 Jahre nach dem Tod Franz Streits immer noch auf die Kernbotschaft hinaus, Ihre Tochter Ursula hätte ihre Mutter schon verstehen können, wenn sie ihren Vater kennengelernt hätte. Sie hat in keiner Weise - auch den Söhnen Franz Streits gegenüber - in Frage gestellt, dass sie dem Charme und der Überzeugungskraft Franz Streits erlegen sei.
Es ist an dieser Stelle noch einmal zu erklären, dass wohl Änne als Vermittlerin eine zentrale Rolle zukam. Sie hat die Kontakte zur Familie hergestellt, genauso wie sie dafür gesorgt hat, dass Hilde Aufnahme fand im Entbindungsheim der NSV in Flammersfeld. Aus den Schilderungen Hildes wissen bzw. vermuten wir, dass Änne Hilde eben nicht nur gewogen war, sondern dass hier auch ein rein persönlich, wie auch immer geartetes Interesse, eine Rolle spielte. So wird sie Franz Streit eben auch als Konkurrenten gesehen haben und sehr schnell realisiert haben, dass sie in diesem Kräftespiel die Unterlegene war. Es ehrt sie um so mehr, dass sie Hilde auch über die Geburt Ursulas begleitet hat und schließlich ihre Patentante wurde.
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Danke für Hildes Geschichte (25) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Es ist mir schwer gefallen, und es übersteigt meine Vorstellungskraft, wie miteinander vollkommen inkompatible Menschen ein gemeinsames Vorhaben planten und in die Tat umsetzten. Dass die weltgewandte Änne den Franz Streit und Hildes Mutter irgendwie zusammenbrachte, dass die beiden schließlich eine gemeinsame Fahrt nach Flammersfeld ins Werk setzten - das alles ist schwer vorstellbar, muss sich aber wohl in etwa so zugetragen haben. Wenn meine Großmutter auch eine eher zurückhaltende, reservierte Frau war, so kann man sich nahezu sicher sein, dass sie den Herrn Streit zur Rede gestellt hat. Dass der sich wiederum einen gordischen Knoten um den Hals legte, mag angesichts der gegebenen Situation auch irgendwie vorstellbar sein.
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Danke für Hildes Geschichte (26) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
Es ist in gewisser Weise beschämend, wie sehr eine Welt sich uns gänzlich entzieht, wenn niemand dafür sorgt, dass ehemals identitätsstiftende Phänomene Erinnerung und die Erinnerung Gestaltung erfahren. So könnte manch einer in der Versuchung stehen, zu bestreiten, dass es im Luftkurort Flammersfeld jenes Braune Haus gegeben hat, das der NSV als Entbindungsheim diente, in dem Ursula am 5.6.1942 das Licht der Welt erblickte, und dass in den letzten Kriegswochen sogar noch dem Stab von Franz Streits Regiment (33) als Quartier gedient hat. Auf den nachstehend erwähnten und zitierten Postkarten ist im Übrigen das Braune Haus, so wie es nachstehend in Erscheinung tritt, deutlich zu erkennen.
Im Juli 1960 verbrachte Hilde mit ihren Söhnen, Franz Josef und Wilfried, eine knappe Woche dort in Flammersfeld, wo sie 18 Jahre zuvor ihre Tochter Ursula geboren hatte. Diesen gemeinsamen Kurzurlaub habe ich in Kurz vor Schluss II (Seite 45-50) zum Anlass genommen, noch einmal über Hildes Zwangsevakuierung nach Flammersfeld nachzudenken - wie im nachstehenden Kapitel erwogen -, Hypothek und Belastung für die werdende Mutter zugleich. Dort, in Flammersfeld, widerfuhr ihr Fürsorge, Betreuung, möglicherweise sogar eine Form von Wertschätzung. Meine Erinnerungen an diesen Aufenthalt in Flammersfeld sind in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Wir haben Flammersfeld und die Umgebung in kleinen Wanderungen erkundet. Dabei spielt im Nachhinein eine Bemerkung Hildes eine markante Rolle. Sie schreibt auf der Ansichtskarte vom 20.7.1960: "Der Herr mit Auto ist mir auch schon begegnet - war mir sehr peinlich." Darauf vermag ich mir keinen Reim zu machen. Jahrzehnte später wird mir aber immerhin klar, dass Hilde in den ersten Jahren, vielleicht Jahrzehnten, immer damit gerechnet hat bzw. rechnen musste, dass irgendwann ein Mann auftauchen würde, um Kontakt zu seiner Tochter aufnehmen zu wollen. Was aus Franz Streit, mit dem die letzte Begegnung so ziemlich genau vor 18 Jahren hier in Flammersfeld stattgefunden hatte, entzog sich ja gänzlich ihrer Kenntnis. Du hast ein Kind, weißt wer sein Vater ist, hast aber keine Ahnung, was aus ihm geworden ist! Ihrer Tochter schreibt Hilde am 22.7.1960: "Aus Deinem Geburtsort herzliche Grüße sendet Dir Deine Mutter und Geschwister. Hast Du auch schon Post von Deinem Ernst. Ich habe gedacht, wenn der Ernst Dir vielleicht nicht, schreibt, will ich Dir wenigstens eine Karte schreiben."
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Danke für Hildes Geschichte (27) - immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
"Natürlich wollte sie davon nichts wissen und klammerte sich an die Hoffnung, wenn Franz nun käme, würde sich dieses ganze Wirr-Warr mit einem Mal auflösen. Jeden Tag machte sie ausgedehnte Spaziergänge durch den nahen Wald und malte sich aus, dass Franz endlich da wäre, dass er ihr die baldige Heirat in Aussicht stellte, und dass ihr Kind einen rechtmäßigen Vater haben würde."
So endet das 26. Kapitel. Der Wirr-Warr in Hilde und um sie herum hatte auch zu tun mit der Konfrontation, der sich Hilde ausgesetzt sah: Den Entbindungsheimen der NSV (siehe dazu ausführlich: hier) war vor allem die Aufgabe zugedacht, „arische“ Schwangere, junge Mütter und deren Säuglinge zu betreuen. Zu den Aufgaben des „Hilfswerks“, das dem Hauptamt für Volkswohlfahrt in der Reichsleitung der NSDAP direkt unterstand und sich personell überwiegend aus der NS‑Frauenschaft und der NS‑Volkswohlfahrt rekrutierte, gehörten im Einzelnen: Familienhilfe und Gemeindepflege in Kooperation mit der NS‑Schwesternschaft, Wöchnerinnen- und Jungmütterfürsorge, Müttererholungsfürsorge sowie Erziehung und Gesundheitsfürsorge in Kindertagesstätten.
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Danke für Hildes Geschichte (28) -- immer mit dem Verweis auf J. Lear - Dankbar? Wofür?
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Henning Sußebach hat mich auf die Idee gebracht, meinen Blog zu nutzen und Hildes Geschichte noch einmal Kapitel für Kapitel zu erzählen - ganz im Sinne seiner Überzeugungen, die er mit dem Aufschreiben der Geschichte seiner Urgroßmutter verbindet. Hilde, meine Mutter ist inzwischen auch Urgroßmutter, und ich stelle mir vor, dass sie ihre Hand nicht nur über mich hält, sondern über alle, die aus ihr hervorgegangen sind. Bert Hellinger macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass zu diesem Hervorbringen unter Umständen - und Hilde hat solche Umstände erlebt - auch die schlimmen Gesellen gehören. Aber werden wir beispielsweise dem Vater meiner Schwester tatsächlich gerecht, wenn wir ihn als schlimmen Gesellen sehen. Der Ausschluss, das beharrliche Weigern auch jenen Ahnen zu sehen und anzunehmen, dem meine Mutter, die Mutter meiner Schwester, die Großmutter meines Neffen, meiner Kinder und meiner Nichten und die Urgroßmutter aller Enkel:innen in Hingebung und Liebe begegnete, verhindert dort anzukommen, wo ich mich wähne - als jemand der irgendwann die Augen öffnet, sich noch einmal umblickt, aufsteht und geht - im Einklang mit sich selbst und seiner Geschichte.
