Erhard Eppler? Ja, Erhard Eppler! Statements mit Erhard Eppler
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Ich bin mal wieder auf Beifang! Im Netz - gerade noch so, bevor es durch die Maschen meiner Schenkungsorgie flutscht - greife ich nach Erhard Eppler: Komplettes Stückwerk (Suhrkamp, damals noch Frankfurt 2001). Aus mehreren Gründen und Motiven wird mir überaus deutlich, warum ich - als alter Mann - auf die letzte Patrone aus meiner Argumentationsbatterie zurückgreife; ich nenne es ja: Lebenslauf mit Liedern. Auch hier wird es so sein, dass die Lieder uns begleiten werden. Lange bin ich in mich gegangen mit Blick auf das Argument meines Neffen, das sei doch nicht ich. Mit der Hommage an meinen Großvater - seinen Urgroßvater - ist mir vor Augen und vor Ohren geführt worden, dass ich nie näher bei mir und in mir war, als mit meinem Klärwerk-Ballädchen. Sie wird ja im Übrigen Bestandteil meines geplanten lyrischen Klärwerks sein; so wie viele meiner Gedichte und Balladen. In ihnen verdichten sich meine politischen Statements und meine persönlichsten Erfahrungen. Nur aus dieser Melange heraus gewinnen wir Überzeugunskraft und Authentizität!
Nun aber zurück zu Erhard Eppler: Im Vorwort zu den 12 Kapiteln, in denen er uns "Erfahrungen aus 50 Jahren Politik schildert", ist zu lesen:
"Die Briefe an Lisa, mein ältestes Enkelkind, 1994 erschienen haben manche Leserinnen und Leser zu der Frage veranlaßt, wie es denn nun nach 1945 weitergegangen sei. Diese Briefe, in denen ich aus meiner Kindheit und Jugend berichte, von einer Zeit, >als Wahrheit verordnet wurde<, lassen sich aber so nicht fortsetzen."
Wenige Jahre später lässt er seine Enkelin Lisa - und uns alle - teilhaben an einer Einsicht, deren essentiellen Kern ich dem letzten, zwölften Kapitel entnehme. Es handelt sich um Unterkapitel 9 (Seite 316-317):
"Noch etwas gibt es zu lernen: Der Rechtsstaat ist eine der genialsten Erfindungen der Menschheit. Er ist die einzige Methode, die Gewalt dem Recht zu unterwerfen. Eine andere gibt es nicht. Daher läßt sich der Rechtsstaat auch nicht privatisieren. Europa ist der Kontinent, in dem die Ent-Staatlichung der Gewalt am wenigsten weit gediehen ist. Die Europäer beginnen, über eine gemeinsame Verfassung zu diskutieren. Das müsste sich verbinden lassen mit dem, was Jaques Delors das europäische Modell nennt. Dabei meint er eine spezifisch europäische Aufgabenteilung zwischen Markt, Zivilgesellschaft und staatlichen Institutionen. So wie Kommunisten scheitern mußten bei dem Versuch, den Markt durch den Staat zu ersetzen, läßt sich der Staat auch nicht durch den Markt ersetzen. Europa ist da, wo keiner der drei Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität mißachtet wird, wo keiner der drei Grundwerte die anderen erdrücken kann. Als ich 1961 in den Bundestag gewählt wurde, war da noch Adolf Arndt, der große Rechtspolitiker der Sozialdemokratie. Er, der am eigenen Leib erfahren hatte, wozu staatliche Gewalt imstande ist, hat viel über den Staat nachgedacht. Er lehrte uns Jüngere, der Staat müsse das Kleid der Gesellschaft sein. Ein bequemes, passendes Kleid, in dem man sich bewegen könne, das im Winter wärme und das auch ein wenig hübsch sei, so daß andere ihre Freude daran hätten. Das Bild paßte besonders gut auf den föderalen Staat: Wir brauchen Unterkleidung, einen Anzug, manchmal einen Mantel. Jede staatliche Ebene hat ihre Aufgaben, von der Gemeinde bis zur Europäischen Union. Keine dieser Aufgaben läßt sich im Kern privatisieren. Wo die Gewalt sich privatisiert, ist nicht nur der Kaiser nackt. Wir alle sind nackt. Inzwischen rückt die Generation meiner Kinder in die politischen Schlüsselpositionen ein. Vielleicht wird sie, jenseits von Staatsvergottung und Staatsverspottung, darüber streiten können, wie das passende Kleid für unsere Gesellschaft aussehen könnte."
Bevor ich den letztlich unergründlichen und kryptischen Inititationsritus aufleben lasse, soll demonstriert werden, wie sehr ich inzwischen der Überzeugung bin, dass dem geschriebenen Wort - zumal, wenn man ein vollkommener No-Name im besten Wortsinn ist - keinerlei Aufmerksamkeit und Reichweite zukommt. Sprache stößt immer an Grenzen. Musik ist vermutlich das einzige Medium, das alle Grenzen zu überschreiten vermag. Ein Beleg für diese - Epochen überspannende -Vorstellung mag man in der von Platon vor fast 2400 Jahren formulierten Idee sehen, dass Rhythmen und Töne am tiefsten in die Seele des Menschen eindringen und sie am gewaltigsten zu erschüttern vermögen: "Sie haben gutes Betragen im Gefolge und machen bei richtiger Erziehung den Menschen gut oder verderben ihn im anderen Fall." (Platon, Der Staat, 401 c-d)
ist Leon Weintraub, Tova Friedman und Margot Friedländer zugedacht - und endet mit dem immer wiederholten prophetischen Appell: Der Staat wird niemals ihre Beute! Meine Tochter hat gemeint, ich solle diese ständigen Wiederholungen einklürzen. Nach Erhard Epplers Statment bin ich zur gegenteiligen Überzeugung gelangt!
nimmt Klaus Theweleits These von der "halbgeborenen Brut" auf, die im Sinne "nicht zu Ende geborener Männer" immer wieder darauf hinweist, dass - neben der dem Bios geschuldeten Gebürtlichkeit - die soziale Geburt des Menschen keine Selbstverständlichkeit ist, sondern an Voraussetzungen gebunden ist. Um diese grobe These im Feinschliff nachvollziehen zu können, lohnt sich die Lektüre Studie von Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey: ZERSTÖRUNGSLUST - ELEMENTE DES DEMOKRATISCHEN FASCHISMUS (bei Suhrkamp, Berlin 2025).
Damit folge ich Platons These auf brutalste Weise. Ich habe lange danach gesucht, wie ich diesem Text Glaubwürdigkeit und Gehör verschaffen könnte. Folgende Antwort drängt sich auf:
"Industrial Metal ist ein Musikgenre, das Ende der 1980er Jahre durch die Verschmelzung von Industrial, Thrash Metal und Punk entstand. Typisch sind repetitive, elektronische Rhythmen, harte Gitarrenriffs und düstere Texte. Stilprägende Bands wie Ministry und Nine Inch Nails feierten besonders in den 1990ern Erfolge." Ich wünsche meiner metal-version von Wie kann das sein allen nur erdenklichen Erfolg!
Die Gülser Lausbubengeschichte
Mit dieser Moritat stelle ich mich unter die Patenschaft Erich Kästners, indem ich sein Marschliedchen (Weltbühne 1932) in unsere Gegenwart transponiere.
Und nun endlich zur Hommage an meinen Großvater Josef Lahnstein! (zu weiteren Erläuterungen siehe: hier)
Aus dem Ofen in den Laden - Das Klärwerk
Nun schreibe ich in der Tat seit mehr als vierzig Jahren Texte. Meine Schubladen sind voll. Meine Kinder und ehemalige StudentInnen haben mich überredet einen Instagram-Account zu starten. Nun ja, seit etwa drei Wochen bin ich da online und habe das folgendermaßen kommentiert:
Ab 5.45 Uhr wird nun zurückgesungen und Lied mit Lied vergolten: Aktuelle Verlautbarung aus dem Hauptquartier von RedHotChillyJupp - die Offensive gegen Unbelehrbare, Rechte und Nazis wurde erfolgreich eingeleitet!
Es wurden bereits erhebliche Landgewinne erzielt; zumindest träume ich nachts davon!
Ach ja, es ist ja Ostern.
Begeben wir uns noch rechtzeitig auf
Eine Reise mit dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen
Ach ja: Und warum Liebe weht tut!?
Damit verbinde ich ein eigenes Genre
Und nun noch eine Bemerkung ganz zum Schluss - meinem Freund Herbert und meinem Neffen Michael mit den Worten Erhard Epplers zugedacht:
"Wo die Gewalt sich privatisiert, ist nicht nur der Kaiser nackt. Wir alle sind nackt. Inzwischen rückt die Generation meiner Kinder in die politischen Schlüsselpositionen ein. Vielleicht wird sie, jenseits von Staatsvergottung und Staatsverspottung, darüber streiten können, wie das passende Kleid für unsere Gesellschaft aussehen könnte."