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RedHotChillyJupp live vom Gülser Plan - Podcast zweite Episode

Intro

Ja, von vorne wie von hinten, von oben wie von unten, von rechts wie von links:

RedHotChillyJupp geht heute zum zweiten Mal auf Sendung. Unter dem Motto: – „Bücherschränke – Wehrtürme gegen Rechts“ soll vor allem auch die Frage berührt werden, was uns Heimat bedeutet! Und wie wir sie durch eine rechtsextreme Inanspruchnahme und vor einem völkischen Gesabber schützen können!

Der heutige Podcast steht unter der Patenschaft Erich Kästners undCarl Zuckmayers (der im Übrigen in Nackenheim, in der Nähe von Mainz geboren und aufgewachsen ist).

Ich melde mich vom Plan, mitten in Güls, wo wir vor wenigen Wochen unser traditionelles Blütenfest gefeiert haben. Der Plan, auf dem die Festbühne stand, platzte an allen Festtagen aus den Nähten. Ich stehe vor der Servatius-Apotheke – wie gut, dass wir noch eine Apotheke im Dorf haben!!! Gut geschützt befindet neben dem Eingangsbereich der Apotheke der Bücherschrank, der heute im Mittelpunkt stehen wird.

Es sind im Übrigen nicht nur Eingeborene, wie Jonas Spurzem, der – zuletzt mit einer kleinen Kolumne im Koblenzer Stadtmagazin – betont, dass man sich überaus glücklich schätzen könne, dort leben und arbeiten zu dürfen, wo andere Urlaub machen. Jonas, der mit seinen Heimatfreunden in Güls nicht nur Heimatverbundenheit verkörpert, sondern dieser Heimatverbundenheit mit seinen MitstreiterInnen durch praktisches Handeln auch eine eindrucksvolle Gestalt verleiht – siehe das erwähnte Blütenfest oder das inzwischen etablierte Event „Kilometer 7“ – beschreibt ein Privileg, das viele nachvollziehen können, die hier leben; auch und gerade, wenn sie zugezogen sind: Jonas Spurzem spricht gleichzeitig verschmitzt von einem Koblenz-bezogenen Großstädtchen-Gefühl und einer nahezu noch dörflichen Gemeinschaft in Güls, wo „man sich eben kennt“; wo alle dazu gehören, die dazu gehören wollen, wo eine Vielzahl von Vereinen (unter dem Dach des Ortsrings) immer wieder an einem Strick ziehen, wenn es darum geht, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Dazu gehören inzwischen der Wochenmarkt, der Ende Mai stattfindende Dorfflohmarkt oder der Adventsbasar Anfang Dezember.

Aber es bedeutet eben noch ein wenig mehr, wenn man vom Rhein und von der Mosel kommt, wenn man die Menschen als weltoffen und gesellig erlebt, wenn man – wie Jonas Spurzem auch die Geschichte – unsere Geschichte - erwähnt.  Auf unsere Geschichte kann man sich allerdings auf redliche und ehrliche Weise nur besinnen, wenn man die dunkelste Epoche in unserer jüngeren Geschichte nicht aus dem Blick verliert. Lassen wir uns heute begleiten von zwei Großen der +

++++deutschen Literatur – von Carl Zuckmayer und von Erich Kästner.

Da ist zuerst einmal Carl Zuckmayer. Nicht nur im Hauptmann von Köpenick führt er uns vor Augen, wohin Kadavergehorsam und blinder Obrigkeitsglaube führen können. Noch aus dem Exil heraus – vor Kriegsende – legt Carl Zuckmayer mit dem Drama Des Teufels General (mit Curd Jürgens und der jungen Marianne Koch in den Hauptrollen von Helmut Käutner schon in den 50er Jahren verfilmt) eine Abrechnung mit dem Terrorregime der Nazis vor. Ich zitiere in der Folge aus der Schlüsselszene: General Harras versucht dem jungen Leutnant Hartmann den Kopf zu waschen. Der hat ein Problem mit seiner Ahnentafel. Seine Familie kommt nämlich vom Rhein. Eine seiner Urgroßmütter ist „unbestimmbar – sie scheint vom Ausland gekommen zu sein“, wie Hartmann General Harras zerknirscht mitteilt.

Was nun folgt, gleicht sozusagen einer Huldigung dem Rhein und der Tatsache gegenüber vom Rhein zu stammen: General Harras spricht vom Rhein, als „der großen Völkermühle“. Er entwirft eine Ahnentafel, die in der pathosgeschwängerten Feststellung endet: „Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost!

Lasst uns noch einmal gemeinsam anhören, worauf dieser „natürliche Adel“ – von dem General Harras spricht! Carl Zuckmayer, der 1977 gestorben ist, spricht hier vor allem zu den Biodeutschen von der A f D (mit Erstwohnsitz in der Schweiz)! Harras entzaubert die Rassenideologie der Nazis und das völkische Geschwafel eines Höcke oder eines Krah, den wir am Ende noch krähen lassen. Er schwört den jungen, zerknirschten Leutnant Hartmann, der seine Verbindung mit dem Fräulein von Mohrungen wegen der Unregelmäßigkeiten in seiner Ahnentafel gefährdet sieht, auf seine eigene adelige Herkunft ein. Ich zitiere aus dem großen Monolog des General Harras:

„Denken Sie doch – was kann da nicht alles vorgekommen sein in einer alten Familie. Vom Rhein – noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas. Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein Schwarzwälder Flözer, ein, ein dicker Schiffer aus Holland, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach, was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: Vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papier Ihrer Großmutter in den Abtritt.“

 

In Güls – dessen 1250-Jahr-Feier wir im letzten Jahr begangen haben, wissen wir das. Wir sind wahrhaft ein buntes Völkchen. Deshalb hat die Alternative für die Dummen in Güls auch bei den letzten Landtagswahlen im Februar eines der schlechtesten Wahlergebnisse innerhalb der Stadt Koblenz verbuchen müssen – und trotzdem war und ist auch hier jede Stimme für die AfD eine Stimme zu viel.

Und nun stehe ich hier – mitten in Güls – auf dem Plan – neben mir steht Erich Kästner. Die meisten von Euch kennen ihn vom Doppelten Lottchen, von den Drei Männern im Schnee oder von Emil und den Detektiven  - vielleicht noch von der Lyrischen Hausapotheke. Ich halte seine Bücher in meiner Hand. Wie der Komet vor wenigen Monaten schweben sein Geist und seine Seele über dem Plan. Ich hoffe, dass das, was er uns sagen will, noch ein wenig härter einschlagen wird als jenes Kometchen, das Güls weltbekannt gemacht hat. Dementsprechend hat Erich Kästner die Patenschaft für das übernommen, was nun geschieht. Vor 93 Jahren musste er selbst erleben, wie seine Bücher auf dem Berliner Opernplatz dem Feuer übergeben wurden als von den Nazis beschimpfte Schund- und Schmutzliteratur. Er war leibhaftiger Zeuge, als Der zweite Rufer dazu aufforderte, den Flammen die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner zu übergeben mit den Worten: „Gegen Dekadenz und moralischen Zerfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat!“

Nein, nein, das waren nicht Beatrix von Storch und Alice Weidel von der Alternative für die Dummen, es waren die Statthalter der Nazis – und vor allem deutsche Studenten und deutsche Professoren!

Heute übergeben wir dem Bücherschrank vor der Servatius-Apotheke die Werke Erich Kästners und Carl Zuckmayers – stellvertretend für alle, die als Republikaner und Demokraten einstehen und Schwarz-Rot-Gold hochalten für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Es ist nur folgerichtig, dass Carl Zuckmayer und Erich Kästner heute die Patenschaft für die zweite Ausgabe des Podcast von RedHotChillyJupp übernehmen. 1932 hat Kästner mit seinem Marschliedchen die Blaupause für den gleich zu hörenden Marsch geschrieben. Das Marschliedchen erschien wenige Monate vor der Machtergreifung der Nazis in der Weltbühne unter dem Titel: Denn ihr seid dumm. RedHotChillyJupp hat es mit einer Einleitung versehen und den 94 Jahre alten Text auf die Gegenwart zugeschnitten.

Gülser Lausbubengeschichte - einspielen

Und nun noch ein paar abschließende Bemerkungen zu der Geschichte hinter der Geschichte, und warum sie ausgerechnet auf dem Gülser Plan spielt:

Vor wenigen Monaten hat sich Moritz Hillesheim, ein Gülser Junge, zum stellvertretenden Vorsitzenden der Generation Deutschland wählen lassen. Das ist die Jugendorganisation der AfD. Er ist seither mit mehreren Interviews in Erscheinung getreten, in denen er sich mehrfach weigert, sich vom sogenannten Vorfeld der AfD zu distanzieren.

Bei meiner Recherche zur neu gegründeten Jugendorganisation (Generation Deutschland - GD) der rechtspopulistischen und rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland (AfD) - gegründet am 29. November 2025 in Gießen - stieß ich auf einen kurzen Ausschnitt eines Interviews von Simon Thiele mit Moritz Hillesheim (wenn sich das jemand im Wortlaut anhören will, kann er dies über den parallel erscheinenden Beitrag in meinem Blog tun.) In diesem kurzen Ausschnitt bezieht Moritz Hillesheim Stellung zum Verhältnis der Generation Deutschland zu rechtsextremistischen Gruppierungen im sogenannten Vorfeld (namentlich z.B. der Revolte Rheinland). Hillesheim bekennt eindeutig und unmissverständlich im Verlauf des Interviews, dass es keiner Distanzierung zum sogenannten Vorfeld bedürfe:

Ich zitiere aus dem Wortlaut: "Wir distanzieren uns nicht vom Vorfeld. Wir marschieren getrennt, aber schlagen gemeinsam, zusammen, und warum sollten wir uns von Leuten distanzieren, die politisch unsere Interessen teilen, die politisch ähnlich aufgestellt sind, warum sollten wir uns von denen distanzieren. Natürlich sind wir getrennt in der Partei mit dem Vorfeld - selbstverständlich. Aber ich würde sagen, viele Vorfeld-Organisationen handeln in unserem Interesse. Und auch die die Jungs von der Revolte Rheinland, ja ich finde, das sind stabile Jungs, die auch gute Veranstaltungen gemacht haben - wovon soll man sich denn da distanzieren."

Seit Jahren verfolge ich die Radikalisierung der AfD und habe in meinem Blog vielfach dazu Stellung genommen. Wie lässt sich die Entwicklung der AfD von ihren konservativen Gründervätern wie Hans Olaf Henkel, Bernd Lucke, Konrad Adam (auch Alexander Gauland) über Frauke Petry und Jürgen Meuthen hin zu einer in Teilen gesichert rechtsradikalen Partei erklären. In dem Gedicht und dem gleichnamigen Lied Wer wir sind geht es auch und immer wieder um die Frage, welche Sozialisation, welche Entwicklungen dazu beitragen, dass sich vor allem junge Männer rechtsradikal orientieren und organisieren.

Darauf werde ich in meinem nächsten Podcast eingehen.

Der Schlussakkord des heutigen Podcastes nimmt sich einen der Gesinnungsgenossen und Lehrmeister Moritz Hillesheims zu, Maximilian Krah vor: Wir lassen den Krah krähen! Hier kräht der Krah!

„Heute steht die AfD etwa dort, wo die anderen Parteien auch stehen – sie ist ein Zweckverband von Berufspolitikern für Berufspolitiker“. So urteilt Konrad Adam, 2013 war er Gründungssprecher der AfD, 2021 trat er aus der Partei aus. Das liegt vermutlich auch an Typen, wie Maximilian Krah, der Konrad Adam in der ZEIT vom 28. Mai 2026 wortwörtlich als „Gewaltmenschen“ bezeichnet.

Max und Moritz, diese Buben, lasst sie nicht in Eure Stuben – und noch viel weniger in Eure Köpfe. Lasst uns unsere Synapsen mit den klaren, unverseuchten Wassern der Demokratie immunisieren – und vor allem daran denken, dass sich nur die dümmsten Kälber ihre Schlächter selber wählen! Euer

RedHotChillyJupp