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Gert Heidenreich, das Agelugel, Leo und ich und Oma und Mama und Papa - alle, alle sind sie da! Auch unsere Kinder

Der folgende Beitrag ist den schrägen Großeltern gewidmet, die ihre Großelternschaft als ein ganz besonderes Geschenk betrachten. Wenn ich mich u.a. auf Gert Heidenreich beziehe, dann einerseits aus Wertschätzung - seine Erotischen Mysterien (und hierin die Geschichte Blau, von ihm selbst gelesen) fand ich seinerzeit anregend, trotz der berechtigten Kritik in Richtung Altmännerphantasien. Sicherlich liegen zwischen Eltern- und Großelternwelten Galaxien. Lassen aber die Eltern die Großeltern teilhaben an der Faszination der ersten Jahre, und sind Großeltern bereit sich dieser Faszination auszusetzen, dann geschieht - cum grano salis - Wunderbares ohne das Salz in der Suppe zu ignorieren oder zu verleugnen; von diesem Salz wird unvermeidbarer Weise zu reden sein.

Deshalb möchte ich euch heute einen ganz anderen Gert Heidenreich vorstellen. In dem Sammelbändchen Geschichten aus der Frühzeit ist er mit einem kleinen Beitrag vertreten und spielt auf dem Klavier der Vaterschaft/Elternschaft ohne auch nur einen Ton auszulassen.

Er huldigt seinem Sohn Julian (Moritz) - 1980 geboren und von Heidenreich selbst mit einem merkwürdig bis geheimnisvoll daher kommenden Mysterium versehen. Gert Heidenreich bekennt, "Schriftstellerkinder haben's schwer... Bin ich im Arbeitszimmer, dann bin ich zwar da, aber weg. Unmöglich, dass Julian das begreift. Sein großer Bruder hat ja auch sechzehn Jahre dafür gebraucht." Es mag zwar kleinkariert anmuten, aber den biografischen Zugängen - sogar über die von ihm autorisierte Website - ist nur zu entnehmen, dass er Vater zweier Söhne ist, von denen Julian (*1980) der ältere ist. Als seinen zweiten Sohn nennt Heidenreich Johannes mit den Daten: (*1984 - +2001). Die Geschichte "Still, Vater, still!" jedenfalls ist Julian zugedacht. Gert Heidenreich, 1944 geboren, erlebt die Geburt Julians im Kreissaal, immerhin (1980!). Und immerhin mit Humor:

"Unsere 'Vater-Kind-Beziehung' begann damit, dass er mich anschrie, was mich nicht wunderte: Ich war in einen grünen Ärztekittel gesteckt worden, hatte die Hände desinfiziert, auch ein grünes Käppchen auf - ich muss schrecklich ausgesehen haben. Schön war er auch nicht." Julian erblickt per Kaiserschnitt das elektrische Licht des Operationssaals: "Ich nahm ihn zur Brust. Aha, schon wieder eine Übertreibung. Er muss geahnt haben: Das kann noch nicht alles sein; er krähte, wurde dann schweigsam. Ganz anders dagegen, als er zuum erstenmal an der Mutterbrust ruhte: Ich deutete sein Lächeln als genießerisch."

Fortan beschreibt Gert Heidenreich das Leben Julians als "Schriftstellerkind".

"Die Tür zum Arbeitszimmer ist die beliebteste der ganzen Wohnung. Mit seinen knapp zwei Jahren kann Julian ein niedliches Fäustchen machen und mit bewundernswerter Ausdauer gegen die Tür pochen. Seine begleitenden Lockrufe wechselt er hübsch zwischen 'Hallo?', 'Papa?', Paaapaaa!'... Aber natürlich, mein Sohn, ich eile, den Artikel kann ich ja weiß Gott auch heute nacht noch schreiben."

Hier macht sich bereits der galaktische Unterschied zwischen Elternschaft und Großelternschaft deutlich. Nicht dass Großeltern nicht Sorge verspürten und Fürsorge - im stetigen basso continuo liebevoller Zuwendung - auslebten. Gewiss tun sie dies im Übermaß; sie tun es - wie in unserem Fall - freigestellt von den Erwartungen und fordernden Gesetzmäßigkeiten des beruflichen Alltags und; das größte, unfassbare Glück in unserer Situation: Wir können im unmittelbaren, täglichen Erleben teilhaben an der Entwicklung unserer Enkelkinder! Gert Heidenreich schreibt mit Blick auf 1982 - Julian ist zwei Jahre alt - folgende Sätze auf:

"Zwei Jahre, die vorbeiglitten wie ein Augenblick; schon sind seine ersten Laute auf Tonband mir fast fremd. Seine dadaistische Phase bleibt mir allerdings in Erinnerung, "Gugel" löst "Gagel" ab, und mir schien sinnvoll - wenn ich schon nicht gestillt hatte -, ihm wenigstens etwas zu geben, was ich geben konnte: ein Lied. Er war immerhin dreieinhalb Monate alt, als ich es ihm mit gebührendem Lampenfieber vortrug:

Das kleine Agelugel

Der große grüne Gagelgugel
sitzt froh auf seinem Hagelhugel.
Beim Werfen mit der Kagelkugel
vergeht die Zeit ihm wie im Flugel.

Hingegen scheut die Gugelgagel
des Gagelgugels Kugelhagel.
Sowohl bei Nacht als auch bei Tagel
hört man ihr lautes Klugelklagel.

Als Gagelgugel, Gugelgagel
die Kinder kriegten: Gagelgagel
sowohl als auch den Gugelgugel,
vernahm man nie mehr Klugelklagel
auf ihrer beiden Hagelhugel:
Man hörte nur noch Nugelnugel
bei Nacht und auch bei Tageltagel.

Heidenreich räumt selbst ein, der Erfolg sei nicht überwältigend gewesen - vielleicht eine kleine Überforderung mit dreieinhalb Monaten; obwohl, wenn er's gut gemacht hat und den Lautmalereien das Regiment überlassen hat, dann hat er alles richtig gemacht. Und immerhin: "Ich bekam ein Lächeln geschenkt." Die Spätfolgen konnte Gert Heidenreich im übrigen nicht ahnen. Julian muss letztlich langzeitbeeindruckt gewesen sein. Er ist immerhin Musiker und Musikproduzent geworden".

Gert Heidenreich schreibt gewissermaßen just in time - im unaufhebbaren Präsens; er kann eben nicht wissen, was sein wird und was gewesen sein wird - heute (2021) weiß er es:

"Ich bin nicht sicher, ob ich ihm Sprache beibringen kann, aber ich weiß, dass er mir beigebracht hat, wieder zu sehen: auf der untersten Stufe im Treppenhaus zu sitzen und durch die offene Haustür in den Garten zu sehen; bei seinem Ruf 'Tärne!' (Sterne) zu entdecken, dass der dunkle Asphalt übersät ist von winzigen Blumensamen, tatsächlich ein Sternenhimmel vor meinen Füßen."

Das alles ist vierzig Jahre her - wie mag sich Gert Heidenreich heute fühlen? In seiner Geschichte hält er zwei bemerkenswerte Eindrücke fest: Der eine lautet so:

"Seit Julian auf der Welt ist, habe ich Angst. Um ihn. Und um die Welt, in die wir ihn gesetzt haben. Ungezählte Träume, in denen ihm etwas zustößt. Und keine politische Nachricht ohne den Gedanken, dass sie Teil auch seiner Geschichte ist. Ich erinnere mich wieder der Kriegserzählungen meiner Mutter, der verschwommenen Bilder meiner Kindheit. Und die Fernsehnachrichten treiben mich, in seinem Zimmer nachzusehen, ob er ruhig schläft. Was politisches Interesse war, ist eigentümlich verschärft worden, zugespitzt. Die Toleranz nimmt ab, aber die Kraft, etwas zu tun, nimmt zu."

Wir müssen die Angst beherrschen. Sie darf nicht übermächtig werden, sonst wirkt sie entwicklungshemmend, gar retardierend. Und dennoch - manchmal greift sie nach uns, indem sich ermbarmungslos Fakten ergeben, auch ganz ohne das der Krieg das Regiment führt; so am Beispiel meiner Mutter oder eines guten Freundes. Müßig darauf hinzuweisen, dass Gert Heidenreich vor Tschernobyl, vor Fukushima, vor Covid19 schreibt - aber immer schon im Angesicht der sich abzeichnenden Klimakatastrophe! Der zweite Eindruck liest sich folgendermaßen:

"Irgendwann wird Julian merken, dass ich eine fatale Neigung entwickelt habe, ihm die Welt unserer Illusionen so lange wie möglich zu erhalten. Früher habe ich anders gedacht, kühn die Idylle verachtet. Wären wir nicht zu zweit bei ihm, ich müsste noch mehr fürchten, keine Antworten zu haben, wenn seine ersten Träume brechen."

Ganz nebenbei bemerkt, würde es mich aus rein generativen Beweggründen interessieren, welchen Kontakt Julian bis heute mit seinen Eltern pflegt. Mit Blick auf die eigenen Kinder sind die Sorgen, die Fürsorge, die überbordende Liebe bis hinein in die kleinsten Gesten liebevoller Zuwendung lyrisch manifest geworden und stehen seit 25 Jahren wie ein Monolith in der Welt. Bevor ich zu Leo - und auch schon zu Jule - komme, sei es hier noch einmal abgedruckt, um deutlich zu machen, dass ich mit meiner Großvaterrolle nichts nachhole - nicht, aber auch gar nichts, sondern dass ich mich bewege auf der Höhe meiner Großvaterrolle, in der ich zugegebenermaßen vollkommen aufgehe:

Unsere Kinder (um 1998)

Unsere Kinder
waren schön von Anfang an.
An der Nabelschnur
schon (aus)gewogen,
ohne Makel
- kleine Druckstelle auf der Stirn die eine,
- die andere ein rötlich Mal im Nacken.

Welch ein großes,
welch ein grenzenloses Glück.
Und wie ängstlich und behutsam
das erste zaghafte Berühren.

Ungläubig,
dass sie aus eignem Atem leben nun.

Das Glück, den Unterschied erklären?
Wohl kaum
- und doch,
man kann ihn schon erahnen:
Vertrauen und Vertrautheit wachsen
Zug um Zug
mit jeder Windel, die bekackt
Entzücken weckt
und Zuversicht,
dass Leben lebt und sich vollzieht.

Und dann beginnt das Spiel der Liebe;
ein Spiel des Herzens und der Sinne,
das gleichermaßen uns betört.
Und so, wie eine dürre Steppe
blühen kann und sprießen,
wenn sie der Regengott erhört,
so kräht und strampelt ihr ins Leben.
Und wie die wilden Bächlein fließen
treibt’s euch voran – kein Wasser fließt zurück!

Dies ist der Kreislauf,
der alle tief entzückt
und wechselseitig uns beglückt.

So viel, so oft seid ihr geherzt,
wird eure Haut umschmeichelt,
dass unser aller Seelen stark und fest
in dieses Leben gehen,
in diesem Leben stehen,
als sei’s ein Fest.

Viel später sehen wir und hoffen,
dass dies ein guter Boden sei,
der lange nährt,
bis Leben sich erschöpft.
Doch bis dahin soll der Weg ein Weg sein.

Mein Blick erwischt noch mal den Punkt,
an dem ihr losgegangen seid.
Es sind die Plattitüden,
die heut mich noch erbaun:
Wohl mehr als 10 mal tausend Windeln
habt ihr grün und gelb und braun beschissen,
und jede war mir wohl ein Fest,
(obwohl die Hälfte hat
die Mama übernommen,
deren Nase feiner ist und nicht so grob!)

Das könnt ihr nicht verstehn?
Nun, ich hab als Baby schon bekommen
Und meinen Eltern was gegeben.
Und was sie von mir bekommen,
hab ich von euch genommen.
Wer Nehmer ist und Geber?
Zwischen Kind und Eltern?
Schwer zu sagen!
Und wenn es rund wird,
ist’s auch schnuppe!

Mit Niklas könnt man sagen: Kot hin, Kot her,
im Code der Liebe sind beide stets Gewinner!
Und merkt euch eins – in euren Herzen aufgehoben:
Die erste Liebe ist zu Hause –
bedingungslos und ohne Schranken!

Der Eros treibt euch dann hinaus
und lässt euch wanken
((Die Eltern (er)trugen meinen ersten Liebeswahn
Und auch ein Stück von meinem Kummer.))

Ich hoffe – wir sind für euch da,
wenn ihr im Rausch kein Ufer seht,
dass ihr im Sturm der ersten Liebe
nicht alleine steht!

Und später
sucht ihr einen Ort.
Vielleicht gebt ihr dem Mann (?) des Herzens
dann das Wort.
Und macht dann eure Welt
mit allem Mut und allen Fehlern,
denn Lernen könnt allein ihr nur und selbst
erfindet ihr das Rad dann neu
und häutet euch von Mal zu Mal.
Solange bis ihr groß und stark seid
und eignen Kindern putzt und streichelt dann den Po
(und auch die Seele)
und gebt das Leben weiter.

Dann kehrt vielleicht zurück
ein Stück des selbstverständlichen Verstehens,
wo heut sich Gräben auftun und auch Wut.
Die Liebe bleibt und langsam wächst ein Mut,
der uns die großen Dinge lehrt zu sehen.

aus: Das Leben ein Klang - Gedichte Aphorismen Gedankenspiele
Koblenz 2003

Hier klingt neben der Faszination unüberhörbar die Sorge mit. Gert Heidenreich schreibt ziemlich zum Schluss seiner Geschichte an einer Stelle "Ich schlich mich aus seinem Zimmer. Kaum schläft er endlich, schon fehlt uns was." Ich genieße das unglaubliche Privileg, Leo - oft mittags oder auch abends - zu Bett bringen zu dürfen. Meine Lieder sind schlichter und einfacher als das dadaistische Kunstwerk vom kleinen Agelugel. Von Laura, meiner älteren Tochter habe ich die von ihr kreierte Wortschöpfung der Gigagag für eine Ente, nein für alle Enten, tief verinnerlicht. Ein hölzernen Turm, bestehend aus wohlgeformten, mittig gelochten Holzscheiben wird gekrönt von einer kleinen Ente. Sie thront obenauf. Leo hat sie früh erkoren als seine Lokomotivführerin. Sie passt haargenau in das Führerhaus einer kleinen Lego-Lok. Gert Heidenreich hat mit seinem Epos natürlich Selbst- und Fremdüberforderung betrieben. Mein Lied von der Gigagag kommt  -wie gesagt - schlichter und monotoner daher:

"Die kleine Gigagag, die sitzt in ihrer Lock und macht tut-tut-tut-tut-tut-tut" - so oft zu wiederholen, wie gewünscht (die Partitur dazu liefere ich bei Gelegenheit nach).

Unser Hit ist allerdings folgender: Ausgehend von A-Dur wird über den Quint- und den Septakkord (in der Regel intoniert auf der Gitarre) folgender Text angestimmt (Leo und ich werden das bei nächster Gelegenheit aufzeichnen und zu Gehör bringen): "Mama-Mama-Mama-Mama-Papa-Papa-Pa-Oma-ma-ma-ma-ma-Opa-pa-pa-pa-pa, alle, alle, alle, sind sie da!"

Hole ich Leo morgens ab - er ist jetzt gut 20 Monate alt - und gehe mit ihm die 400 Meter, dann weiß ich inzwischen aus seinem Munde, wo Oma und Opa wohnen: Auf dem H e i a b e r g. Der Weg hin zum Heiaberg ist gespickt mit Ritualen und wir erfinden seine/unsere Welt gemeinsam - und immer kommt etwas Neues hinzu. Wir bringen Straßenschilder und die Einhausungen der Stromverteiler zum Klingen. Die große Treppe ist wie eine Hürde - ein kleines Gebirge - jeden Tag neu zu überwinden. Wir begrüßen den Frosch und den Papagei - und wir wecken die Anwohner mit dem trommelnden Stakkato, wenn Leo für wenige Sekunden auf einem der Verteilerkästen sitzt und die Kunststoffeinhausung mit seinen Fersen bearbeitet. Und dann kommt schon der Heiaberg, der neben so mancher Überraschung auch Beständiges offenbart. Leo ist ein Junge - und Leo liebt Autos - Omas rotes Auto ist natürlich weit und breit das schönste und weckt immer wieder Begeisterung, wenn wir in die Einfahrt abbiegen, dann ist die Rede von Omma-Auto und Oppa-Auto. Besonders aber haben es ihm Traktoren angetan. Das Wort Traktor ist noch zu schwierig. Das erste, was Leo perfekt beherrschte vom Eintakter bis zum Viertakter war die Zündfolge der Weinbergstraktoren, die uns im Sommer täglich begegneten: poh-poh-poh-poh-poh-poh-poh - und der Lanz, der noch fährt mit seinem poh---poh---poh---poh---poh. Und der Opa Hermann wurde früh schon begrüßt als Opa-poh-poh-poh-poh, weil er einen Traktor hat, auf dem Leo schon mit einem Jahr seine erste Fahrt genießen durfte. Leo spielt natürlich Klavier - mit seiner Oma, schwelgt in den höchsten Tönen, die haben es ihm angetan, um sogleich den tiefsten Ton, den das Klavier hergibt, zu entdecken. Die ersten Aquarelle entstehen, ohne dass wir ihm den Wunderkindstatus unterstellen, den selbstverständlich unsere Kinder noch erleiden mussten.

Dafür wird Leo ein großer Koch, der heute schon von der Pike auf alle Schritte bis zum fertigen Brei mitvollzieht: Der Opa schält Kartoffel und Möhren, Leo lädt die Schalen auf die Kippe seines Lasters, um dann alles in die braune Tonne oder auf den Kompost zu verbringen. Leo ist ein Wunder an Reinlichkeit, staubsaugen seine große Leidenschaft, auch mit Kehrschaufel und Besen weiß er schon umzugehen. Großeltern haben eben Zeit - nicht alles muss im Eilschritt erledigt werden. So hält Leo auch den Opa fit. Denn der geht wieder elegant zu Boden, wenn Leo ihn an die Hand nimmt und ihn zum nächsten Einsatzort geleitet. Und da der Opa ein Buchstabenmensch ist, gehören die Bilderbücher zu den täglichen Höhepunkten. Es gibt ein Traktorbuch - klar! Aber es gibt auch das "Nein-Buch", in dem ein kleines, soeben erst geschlüpftes Küken sich auf die Suche nach seiner Mama macht. Es fragt alle Tiere, die ihm begegnen, ob sie seine Mama sind. Und die sagen natürlich:  N e i n !!! Aber sie helfen dem Küken bei der Suche; und auf jeder Seite gibt es so unendlich viel zu entdecken. Und ja - Gert Heidenreich, wir folgen dir auch da:

"Irgendwann wird Julian merken, dass ich eine fatale Neigung entwickelt habe, ihm die Welt unserer Illusionen so lange wie möglich zu erhalten. Früher habe ich anders gedacht, kühn die Idylle verachtet. Wären wir nicht zu zweit bei ihm, ich müsste noch mehr fürchten, keine Antworten zu haben, wenn seine ersten Träume brechen."

Laura und Anne ist es nicht anders ergangen, und Leo und Jule wird es nicht anders ergehen. Und dennoch: Ein Wunder ist und bleibt es schon - jeden Tag auf's Neue; Generativität als Lebenselexier - immer verbunden mit der unverbrüchlichen Hoffnung:

Und später
sucht ihr einen Ort.
Vielleicht gebt ihr dem Mann (?) des Herzens
dann das Wort.
Und macht dann eure Welt
mit allem Mut und allen Fehlern,
denn Lernen könnt allein ihr nur und selbst
erfindet ihr das Rad dann neu
und häutet euch von Mal zu Mal.
Solange bis ihr groß und stark seid
und eignen Kindern putzt und streichelt dann den Po
(und auch die Seele)
und gebt das Leben weiter.

Dann kehrt vielleicht zurück
ein Stück des selbstverständlichen Verstehens,
wo heut sich Gräben auftun und auch Wut.
Die Liebe bleibt und langsam wächst ein Mut,
der uns die großen Dinge lehrt zu sehen.

 

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund