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Heidi

Frank Walter Steinmeier, Bruno Ganz, Anuk Steffen und Quirin Agrippi vielen Dank und Holla - es ist Heilige Nacht

Zweitausendeins

Holla, da ist sie die Heilige Nacht! Und dann noch dies: Heute vor genau 200 Jahren erklang in der Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg erstmals das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Alles schläft, einsam wacht, eben. Dass die Weihnachts-Weise mittlerweile zu den bekanntesten und beliebtesten aller Songs zum Jahresendfest zählt, versteht sich von selbst. Und wir wollen heute niemanden - schon gar nicht das traute, hochheilige Paar - aus den Träumen reißen. Stattdessen wünschen wir Ihnen lediglich schöne Feiertage mit reichlich Gaben und besinnlichem Gesang. Schlafen Sie in himmlischer Ruh, Ihr Zweitausendeins

Es ist still geworden - stille Nacht oder stille Post in meinem E-Mail-Account - oder besser gar keine Post; die letzte e-mail kommt von Zweitausendeins. Etwa 9/10 meiner e-mails sind - trotz Filter - Werbung; vom restlichen Zehntel sind 9/10 Geschäftspost: Rechnungen, Angebote - davon hagelts ausreichend, denn wir sind aktuell ja noch Bauherren. Im restlichen Zehntel vom letzten Zehntel gibts ab und an auch einmal "Post". Zu Weihnachten habe ich Post bekommen von Bodo Jansen, der guten alten Seele, von Vanessa Stappen, das ist die Enkelin einer Cousine meiner Mutter - das hat mich besonders gefreut!

Na ja, die anderen habe ich ja noch persönlich gesehen und gesprochen vor Weihnachten - die große Familie habe ich am 2. Advent gesehen und die kleine Familie gestern Abend. Mit meiner Frau rede ich jeden Tag - vor allem morgens beim Frühstück, da wir ja beide inzwischen nicht mehr im aktiven Dienst sind, sogar ausgiebig. Manchmal streiten wir auch. Gestritten haben wir nicht, als wir vor einer halben Stunde die Weihnachtsansprache unseres Bundespräsidenten angehört haben. Wir waren uns lediglich etwas uneins in der Wahrnehmung seiner Körpersprache. Ich fand sie authentisch und angemessen; Claudia fand sie tendenziell hyperaktiv. Was er gesagt hat, hat uns gefallen: "Wir müssen miteinander reden"! (Ausrufezeichen von mir) Ja, "wir müssen uns auf die Socken machen" - denn es gibt etwas zu versäumen; sowohl in der Familie als auch in der Gesellschaft mit demokratischer Verfassung und Grundordnung. Steinmeier hat den Kompromiss als das Qualitätsmerkmal einer jeden Demokratie hervorgehoben - also die Kompromissfähigkeit als Grundhaltung eines jeden aufrechten Demokraten. Hat man das gefressen, ich meine verinnerlicht, dann ist im Sinn von Niklas Luhmann und Peter Sloterdijk der Weg versprerrt für jegliche ideologische Verblendung und Rechthaberei:

Peter Sloterdijk weist darauf hin, dass jene, „die für sich einen höheren Ernst reklamieren, weil sie als Fürsprecher einer Realität erster Ordnung auftreten“ – in der Regel distanzlos agieren. Eine distanzierte Grundhaltung – eingedenk unvermeidbarer blinder Flecken – fördere hingegen „eine Neigung zum Desengagement von fixen Meinungspositionen“. Hier komme zum Tragen, was Niklas Luhmann eine Haltung der Selbst-Desinteressierung nennt. Warum dies so ungemein wichtig ist, wird überdeutlich in der von Peter Sloterdijk vorgenommenen Unterscheidung von Weltbildern erster Ordnung auf der einen Seite und einer Haltung, die den Realitätsglauben als auswechselbare Größe begreift, auf der anderen Seite: „Denn es geht hier, möchte ich vermuten, um nichts Geringeres als das allen Weltbeschreibungen erster Ordnung inhärente Paranoia-Potential und die von ihm gebundene und entbundene Gewalt. Wo immer Menschen anfangen, ihre Weltbilder distanzlos zu bewohnen und ihre Einteilungen des Seienden im Ganzen als eine Arena realer Kämpfe zu erleben, dort sind sie der Versuchung ausgesetzt, für ihre Identitätskonstrukte bis zum bitteren Ende zu kämpfen und für ihre Fiktionen zu töten.“ (Peter Sloterdijk, in: Luhmann Lektüren, Berlin 2010, S. 153)

Aber eigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes erzählen. Vor der Ansprache des Bundespräsidenten haben wir gemeinsam "Heidi" angesehen - in der neuen Verfilmung von 2015 mit Bruno Ganz als Alpöhi (hier der offizielle Trailer).  Es liegt mir fern zu behaupten, nur weil Bruno Ganz brilliert in diesem Film - und im Übrigen auch alle anderen nicht von schlechten Eltern sind -, dass wir den Film aller Filme gesehen hätten. Andererseits hätten vermutlich alle, die sich nach Hause sehnen und nicht wissen wohin, eine Ahnung davon bekommen können, wie es sein könnte nach Hause zu kommen. Und je krasser und schroffer die Charaktere daherkommen und sich ausschließen, desto intensiver und ergreifender widerfahren uns Wandel und Annäherung. Heidi entfaltet die originäre ganz und gar unverbildete Aura der jungen Wilden, die - ohne dass sie eine Ahnung davon hätte - die Welt und die Menschen in ihr besänftigt und zu ihrer Eigentlichkeit führt:

  • Der knorrige, unheimliche, abgründige Großvater - ein echter Misanthrop - rührt uns in seiner Metamorphose vom Saulus zum Paulus zu Tränen. Aber auch hier dominieren der pure Egozentrismus und die Motive einer tiefgründigen eigenen Sehnsucht (incl. Eifersucht) nach Erfüllung.
  • In purer und reinster Form verkörpern sie (die egozentrischen Motive - vor allem auch die Eifersucht) sich im Ziegenpeter - hier gespielt von einem wunderbaren Quirin Agrippi. Ich lese in Wiki, dass Anuk und Qurin unter 500 Kindern gecastet wurden  und  zum ersten Mal vor der Kamera standen.
  • Anuk Steffen hat das Zeug zu einem typischen Kinderstar; sie spielt kraftvoll, vermutlich fällt bei ihr ineins, was sie spielen soll und was sie spielen kann. Man könnte es vollkommene Kongruenz nennen. Sie verwandelt den Großvater von einem bärbeißigen Menschenhasser in einen sanftmütigen, liebenswerten großväterlichen Beschützer, der endlich weiß, was er tun muss.

Bruno Ganz bemerkt wohl zutreffend, dass Johanna Spyris Vorlage einen Blick zurück gewährt in die Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die filmische Neuinterpretation leistet dies mit ihren Hochglanzimpressionen allenfalls nur sehr bedingt. Auch hier ist es die Differenz zu einer unaufhaltsamen Zerstörung und Betonierung eines Natur- und Kulturraumes, der für alle ein generalisiertes Motiv des Heimwehs und meinetwegen auch der Heimatliebe stimuliert. Und weil ich nun müde bin und ins Bett gehe, überlasse ich dem überaus glaubwürdigen - mit einer besonderen Beobachterperspektive ausgestatteten - Alexander Gerst einen dazu passenden Kommentar:

"Gerst rief wiederholt zu mehr Umweltschutz und Klimaschutz sowie zum Erhalt der Lebensgrundlagen auf. 2015 kritisierte er z. B. das fortgesetzte Abholzen des tropischen Regenwaldes, das er aus dem Weltall beobachten konnte. Während der Hitze- und Dürrewelle 2018 teilte er von der Internationalen Raumstation aus aufgenommene Fotos, in denen Mitteleuropa aufgrund vieler vertrockneter Pflanzen von Brauntönen dominiert war, und twitterte dazu: 'Schockierender Anblick. Alles vertrocknet und braun, was eigentlich grün sein sollte.' Im Dezember 2018, einen Tag vor seiner Rückkehr auf die Erde, verbreitete er ein ebenfalls von der ISS aufgenommenes Video, in dem er sich an seine zukünftigen Enkel richtete und sich im Namen seiner Generation bei ihnen entschuldigte. In Hinblick auf die menschengemachte globale Erwärmung, diverse Umweltzerstörungen und Kriege scheine es so, als hinterließe seine Generation den Planeten in keinem guten Zustand. Jeder solle nachdenken, wohin sein persönliches Verhalten führe. Er hoffe 'dass wir noch die Kurve kriegen.' Die Menschen heute wüssten, dass sie mit ihrem Kohlenstoffdioxidausstoß einen gefährlichen Klimawandel verursachten, Wälder zerstörten, die Meere mit Abfall verseuchten und kostbare Ressourcen verschwendeten. Er wünsche sich, 'dass wir nicht bei euch als die Generation in Erinnerung bleiben, die eure Lebensgrundlage egoistisch und rücksichtslos zerstört hat.' Zugleich äußerte er seine Hoffnung, dass zukünftige Generationen besser wüssten, wie klein die Erde tatsächlich sei und wie knapp auch die Ressourcen auf ihr seien."

Alexander Gerst appelliert also an uns alle darüber nachzudenken, wohin unser persönliches Verhalten führe. Das ist der Alexander Gerst, der die Lizenz zum Beobachten hat(te) - das Foto, der Erdaufgang, ist von den ersten Mondmenschen (Apollo 8-Mission) aufgenommen worden. Ich will es in einer (nach)weihnachtlichen sentimentalen Stimmungslage als Analogie verstanden wissen zu Matthias Claudius: Der Mond ist aufgegangen (alle sieben Strophen!). Und irgendwie hab ich das Gefühl, dass er uns eine zeitgemäße Weihnachstbotschaft sendet - zugleich die besten Vorsätze für das neue Jahr. Auch meine Cousine hat mir eine Weihnachtsbotschaft zukommen lassen. Sie wünscht mir und allen ihren Freunden:

  • eine traumhafte Weihnachtszeit,
  • denn die liebevollste Zeit im Jahr habe begonnen: "Nicht mehr lange und es ist Weihnachten";
  • es sei die Zeit der Nächstenliebe... die Zeit der Wünsche... Zeit der Familie und Freunde...
  • je älter man werde, je mehr wünsche man sich Dinge, die man mit Geld nicht kaufen könne!
  • drum wünscht man sich liebevolle Stunden in Geborgenheit der Familie und der Liebsten;
  • man wünscht sich gegenseitig die beste Gesundheit, denn ohne Gesundheit sei alles nichts;
  • man wünscht sich Liebe: "Denn Liebe ist Glück!"
  • und viel Freude: "Denn das ist Balsam für die Seele!"
  • und dann noch Zufriedenheit, Zuversicht...
  • "Möge Dich Dein Schutzengel begleiten & beschützen!"
  • All diese Wünsche kommen von Herzen
  • Ich soll dieses Video "an alle wundervollen Menschen senden, die ich lieb hab" - mit dem Hinweis:
  • "Schön, dass es Dich gibt! Du bist ein toller Mensch!"
  • Frohe und besinnliche Festtage!

Ich sende die Weihnachtsbotschaft an uns alle zurück, indem ich an Menschen erinnere, die ich zwar nicht "lieb hab", wie meine Nächsten, die ich aber für "tolle Menschen" halte. Ich fang mal an mit

 

   
   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund