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Roger Willemsen I

"Doch damit will ich nicht enden, sondern mit jenen Menschen, die ehemals in eine Vorstellung der Zukunft aufbrachen, indem sie, in einen Stahlmantel eingeschlossen, befeuert von einer haushohen Stichflamme explodierenden Treibstoffs in den erdnahen Weltraum katapultiert wurden, jene paar hundert Menschen, die außerhalb der Erdatmosphäre geatmet haben, in der Schwärze des Orbits, in jenem Raum, der solange die Zentralperspektive aller Zukunftsvisionen bildete. Vergessen wir für einen Augenblick das Technische daran und konzentrieren wir uns auf das Ästhetische. Nichts scheint die ersten Weltraum-Reisenden vorbereitet zu haben auf das, was die Anschauung des Alls und der Erde im All in ihnen auslösen würde, demütig und poetisch haben sie sich dem quasi Religiösen einer Erfahrung des Exterritorialen zu stellen versucht und wieder einen ersten Blick geworfen.

Einige haben für diese Erfahrung das alte Wort 'Ehrfurcht' verwendet, haben im Angesicht der unendlich empfindlichen Hülle der Biosphäre von 'Respekt' und 'Achtung' vor der Schöpfung und der 'persönlichen Beziehung' zum 'Heimatplaneten' gesprochen, haben aus diesem Erleben ein Gefühl der Verantwortung abgeleitet und sich in einer tieferen Bedeutung als 'Erdenbürger' erkannt.

'Ich schwebte, als sei ich im Inneren einer Seifenblase', sagte der polnische Kosmonaut Miroslaw Hermanszewski. "Wie ein Säugling im Schoß der Mutter. In meinem Raumschiff bleibe ich immer das Kind der Mutter Erde.' Es gab Kosmonauten, die auf ihre Reise Musik mitnahmen, aber zuletzt nur noch Kassetten mit Naturgeräuschen hörten: Donnergrollen, Regen, Vogelgesang. Andere hatten ein Gemüsebeet im All und züchteten Hafer, Erbsen, Rüben, Radieschen und Gurken, strichem mit der Handfläche beseligt über die frischen Pflänzchen oder empfanden tiefe Trauer als Fische in einem Becken die Reise nicht überstanden. Am äußersten Ende der Exkursion zu den Grenzen des Erreichbaren, die technologische Rationalität mit einer Meisterleistung krönend, entdeckten sie das Kreatürliche, das Spirituelle und das Moralische und kehrten zurück zum Anfang, zum Kind, zum Säugling, der da liegt wie der zusammengekauerte Todesschläferm, der letzte komplette Mensch. Seine Zukunft muss ihm unvorstellbar gewesen sein. Sie ist es noch."

Ja - wie so oft - das Letzte zuerst. Roger Willemsen ist tot. Er hat es in den Orbit geschafft. Möglicherweise schaut er nun von außen auf uns. Seine letzten Worte in "Wer wir waren" können wir inzwischen übertragen. Die Situation der Raumfahrer ist die unsere. Auf dem "Raumschiff Erde" setzen wir uns jenen Erfahrungen aus, die in vielen unserer Kosmonauten immerhin Gefühle von Ehrfurcht auslösten, die ihre Sinne schärften und so etwas wie Respekt und Achtung vor der Schöpfung - der unendlich empfindlichen Biosphäre zur Folge hatten. In den weiteren Folgen "Roger Willemsen" (Roger Willemsen II) wird er weniger pfleglich und sentimental mit uns umgehen. Er darf dies ganz besonders. Seine Glaubwürdigkeit steht hier nicht mehr zur Disposition. Er ist tot. Wir leben (noch).

   

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© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund