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21 x 21 - die Quersumme von 21 ist

3

 

21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21

(2 + 1 = 3)

21 – 06 – 94            12 – 11 – 55

12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12 12

(1 + 2 = 3)

12 – 11 – 55           21 –06 – 94

21 x 21

– 06 – 94

21 x 21 = 441

441 – 6 – 94 = 341

3 = 4 – 1 = 3

 

(05.06.1942*) Ulla

(21.02.1952*) Franz Josef

(12.11.1955*) Wilfried (21.06.1994+)

Zum einundzwanzigsten Mal jährt sich am Sonntag der

einundzwanzigste Juni 1994;

jedes Jahr

S O M M E R S O N N E N W E N D E

seit Menschengedenken

– seit dem einundzwanzigsten Juni 1994

der Tag, an dem unsere Gedanken bei Willi sind;

der Tag, der als Wendepunkt einen tiefen Einschnitt im Leben aller bedeutet,

die Willi verwandtschaftlich und wahlverwandtschaftlich verbunden waren und sind

 als Eltern

(11.12.1922*) Theo (24.03.1988+) und

(03.07.1924*) Hilde (27.07.2003+)  

als Geschwister

Ulla und Franz Josef

als seine Töchter

(15.09.1986*) Ann-Christin

und

(29.04.1989*) Kathrin

als seine Nichten

(02.08.1987*) Laura

und

(21.07.1989*) Anne

 

als Ehefrau

Tanten und Onkel,

Cousin und Cousine,

Schwägerinnen und Schwäger

und

als Freundinnen und Freunde!

 

Eine Flucht in schlichte Zahlenspiele!? Ja, vielleicht. Und dennoch wird mir bewusst, wie sehr die Zahl 3 eingeht in meine persönliche Wahrnehmung und Deutung von Welt. In einer Welt der Einsen und Nullen eröffnet sie Zugang zu anderen Galaxien. Merkwürdig, wenn ein "Mathematikidiot" wie meine Wenigkeit (ich danke auch noch einmal den Herren Groß - alias "Goofy" - und Wehner) sich in zahlenphilosophischen Spielereien ergeht (die mir anvertrauten und sich mir anvertrauenden Studierenden mögen hier eine Ahnung davon bekommen, wie tief und nachhaltig fortgesetzte Kränkungserfahrungen durch Lehrer unsere Seelen als Schüler berühren). Aber es geht ja auch nicht um Mathematik, sondern schlicht um eine existentielle Grenzerfahrung, deren ich mich heute mit Zahlenspielereien bemächtige.

Vor "Kopfschmerzen und Herzflimmern" fiel mir ein Buch in die Hände, auf dessen 121 Seiten - außer den Seitenzahlen - nur auf der Titelseite die Zahl 3 eine weltbegründende, Paardynamiken erschließende Rolle einnimmt - und dies im übrigen in der Metamorphose, die die Zahl 3 auf ihrem Weg zur semantischen Spurenmächtigkeit vollzieht, indem sie Wort wird und als Zahl gar nicht mehr in Erscheinung tritt: Adam Phillips - Monogamie ...aber drei sind ein Paar, Fischer (Frankfurt/Main 1997).

Nicht nur, dass die Weltbeschreibung des Adam Phillips meinen Bruder Willi wenige Jahre vor seinem Tod und mich selbst just im Erscheinungsjahr dieses Büchleins im Sinne einer Handlungsanleitung zu einer gleichermaßen faszinierenden wie schmerzhaften - wie möglicherweise notwendigen - Überschreitung der Paargrenze: "Wir ZWEI/Rest der Welt" veranlasste, nein - viele, viele Jahre später sollte klar werden, wie sehr Ungleichgewichte zu einer Äquilibration zu einem Ausgleich drängen.

Die 2 ist langweilig. Sie symbolisiert Gleichgewicht, Verlässlichkeit - sie ist eine illusionsbehaftete Metapher für Stabilität: 1 + 1 = 2 (das würde jetzt meine Schwester freuen: "eins und eins das macht zwei" von Hildegard Knef)

Man stelle sich eine Waage vor mit verteilten Gewichten im Verhältnis 1 zu 1; ein stabiles Gleichgewicht, das manch einen zur Vorstellungswelt realer prästabiler Gewichtsverteilungen auch im Paarleben veranlassen könnte. "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib" hat seine idealisierende Wurzel vielleicht in der Vorstellung einer harmonischen (platonischen) Kugelgestalt - zusammengesetzt aus zwei komplementären Hälften.

Die 3 hingegen signalisiert ein Ungleichgewicht, möglicherweise eine Disharmonie. Die 3 verkörpert ein Produkt, das - sofern man ganze Zahlen in ihrem Eigenwert respektiert und sie nicht gewaltsam zerschlägt (zerteilt: z.B. 1,5 + 1,5 = 3) - nur Ungleiches zu einer Summe vereint (z.B.: 1 + 2 = 3 oder 2 + 1 = 3). Die Waage gerät aus dem Gleichgewicht und Paardynamiken nehmen Fahrt auf - Monogamie ...aber drei sind ein Paar. Rudi Krawitz, ein guter Freund, hat einmal gesagt, er wolle nicht mehr länger die 3 (im Sinne des Dritten) sein, oder die 5 (im Sinne des Fünften) oder die 7 oder die 9 oder die 11 usw.: "Du musst dein Leben ändern." Alles drängt nach Ausgleich, nach Gleichgewicht nach Äquilibration. Kaum jemand - weniger jedenfalls als die Vielen - setzt sich einer Dauerspannung aus, ist bereit und in der Lage zu einer permanenten Akkomodationsleistung. Eine solche Dauerdynamik überfordert - zumindest die meisten. Natürlich atmen wir auf und werden ruhiger, wenn Assimilation gelingt. Feinstofflich mag dies nie wirklich der Fall sein, aber im Großen und Ganzen gibt das Streben nach Gleichgewicht schon Sinn. Selbst im dynamischen Voranschreiten, also im permanenten Verletzen des Gleichgewichts bildet das Gleichgewicht den basso continuo, die - wenn auch nie erreichbare - Zielgröße.

Ich werde den Gedankengang weiterspinnen - mit der Sehnsucht nach der verlorenen Drei, die sich (auch) in einer Geschwisterkonstellation verkörperte, die uns alles geschenkt und alles abverlangt hat.

Ja, nun nimmt der Tag - der 21.6.2015 - seinen Lauf. In einem langen Telefongespräch mit meiner Cousine, Gaby, haben wir uns erinnert an Willi, ihren Cousin und meinen Bruder. Sie schrieb mir danach, es entspreche der Summe ihrer Lebenserfahrungen, immer die 3 gewesen zu sein - schon früh als Bindekitt für die gescheiterte Ehe ihrer Eltern. Während sich im letzten Jahr noch in Bad Neuenahr viele seiner alten Freunde und die Reste der Familie in einer seiner Stammkneipen getroffen haben, gestatten wir uns in diesem Jahr eher wieder in der Vereinzelung - manche mögen es auch als (trostlose) Einsamkeit erleben - eine Weile des Erinnerns. Je näher man die Ereignisse von 1994 an sich heranlässt, desto intensiver mag einen diese tiefe Trauer wieder ergreifen, die der Tod Willis ausgelöst hat. Heute morgen beim Frühstück übermannte uns wieder das Kontingente der Geschehnisse. Niklas Luhmann bietet uns ja die Vorstellung eines Lebenslaufs an - bestehend aus Wendepunkten, an denen etwas geschehen ist, was nicht hätte geschehen müssen. Claudia erinnerte sich, dass Willi eigentlich eher nolens volens - widerwillig, gar nicht überzeugt von dem Mehrwert dieses Dreitagetripps - und wie wir uns zu erinnern glauben, als Ersatzmann eingesprungen ist. Ein Augenzwinkern, der Flügelschlag eines Schmetterlings - ein Jota - entfernt hätte die Alternative gelegen. Hätte man mich - den fanatischen Reisemuffel und Tourismushasser - gefragt, ein anderer hätte den Flug ins Nirwana angetreten. Hätte, wennste, könnste haben wir uns lange abgeschminkt. Viel interessanter ist die Welt, die nach diesem Jota ihren Lauf genommen hat.

Gestern war ich lange noch auf dem Friedhof in Bad Neuenahr unterwegs und habe alle die Gräber besucht, die nach Willi besorgt - oder sollte ich eher sagen besargt - worden sind: Zuerst habe ich Peter Georg (1951-2010) besucht, den Freund aus Kinder- und frühen Jugendtagen. 2010 ist er einem langen Krebsleiden erlegen; er, der immer durch seine Vitalität und Sportlichkeit bestach - er, der zuletzt und lange seinen Broterwerb als Tennislehrer bestritten hat. Ich habe nach vielen, vielen Jahren dann das Grab von Jopa (1954-1995)  besucht (Bernd Jobst), von dem ich immer behauptet habe, er sei der klügste, intelligenteste, vielversprechendste von uns gewesen. Nein, klug war er nicht. Er ist ein Jahr nach Will, 1995 aus dem Leben geschieden - als Junkie, der all seine übergroßen Talente verschwendet hat. Während Willi und Peter Georg im Verein mit ihren Eltern die letzte Ruhe gefunden haben, liegt Jopa mit seinem Vater in einem Grab, seine Mutter lebt wohl noch - hochbetagt - in der Kreuzstraße; dort, wo wir alle unsere Kindheit und Jugend miteinander verbracht haben. Wie mag er diese Nähe wohl aushalten? Jene Nähe, die ihn um den Verstand gebracht hat. Mit einundvierzig Jahren bzw. in den Jahrzehnten zuvor verstand er seine Kunst als einen Aufschrei und den Versuch einer ziellosen Flucht aus dem Spießertum, dem er nie entkommen ist: "Gott erschuf die Langen zum Ersatz von Bohnenstangen!" Dieses frühe ehrenwerte Etikett, das mir Jopas Vater verliehen hat, begleitet mich bis heute, wäre ich doch gerne wieder jene Bohnenstange und nicht die von heute - die vermoppelte und ein wenig aus der Form geratene. Aber sei's drum: Ich bin weiter gewandert auf jenem Friedhof, der meinen Großvater als Totengräber gesehen hat. Ja, meine Großeltern - beiderseits - liegen auch dort auf dem Bad Neuenahrer Friedhof, so wie mein Vater und meine Mutter - mit all denen teilt Willi seine letzte Ruhestätte.

Die letzten Erinnerungen erinnern mich daran, dass mein nächstes größeres Projekt im Menü des BLOGs bereits eine Leerstelle besetzt. Ich freue mich auf die umfassende Lyrographie, die in Rudimenten und jeweils zwischen zwei Deckel gepackt, bereits existiert: "Das Leben ein Klang" und die "Mohnfrau". Gedichte habe ich schon lange keine mehr geschrieben. Aber die 80 bis 100 Gedichte, die aus meiner Feder die Welt beglückt haben, erscheinen mir inzwischen wie eine glückliche Anatomie meiner Lebensgeschichte. So habe ich mich entschlossen das Skelett wieder mit Fleisch zu behängen und zu modellieren. Aber ich schweife ab!

Von Jopas Grab aus habe ich mich noch ein paar Gräberreihen weiter bewegt und bin zuletzt am Grab von Jochemichs gestanden: Dort liegen Johann und Gertrud Jochemich - in der Ahnenreihe und teils mit Geschwistern. So durfte ich mich noch an Johann, den Schachtmeister erinnern, bei dem ich das Handlangern erlernt habe - Kompetenzen, von denen ich heute noch zehre; so wie ich mich gerne unserer Kindheit erinnere - in den fünfziger und sechziger Jahren einer untergegangenen Welt: "Ich sehe was, was Du nicht siehst - Komme in den totgesagten Park und schau!"


 

 

 

   

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