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Bert Hellinger: „Es gehört zu den Grundrechten des Menschen, dass er weiß, wer sein Vater und wer seine Mutter ist."

(Dies ist eine Auskopplung aus meinem Buch: Ich sehe was, was du nicht siehst – Komm in den totgesagten Park und schau, Koblenz 2002 – hinsichtlich der Literatur- und Quellenverweise empfehle ich auf die Buchpublikation unter „Eigene und fremde Bücher" zurückzugreifen)

Tagebuchauszug (2001):

Ich nähere mich an dieser Stelle einem Aspekt unserer Familiendynamik, von dem ich sage, dass er sich die längste Zeit meines Lebens – insbesondere mit dem Blick auf meine Kindheit und Jugend jeder Deutungssensibilität, ja mehr noch jeder Deutungsmöglichkeit entzogen hat. Erst nachdem mich meine eigenen Lebenskrisen für drei Jahre nach Heidelberg geführt hatten, holte ich die Dynamik in meiner Familie ein, so wie die Dynamik innerhalb meiner Familie mich gleichzeitig dabei wieder ein– und überholte. Im Rahmen meines Grundkurses in systemischer Familientherapie, den ich das Glück hatte bei Gunthard Weber in Wiesloch zu absolvieren, begegnete ich der von Bert Hellinger im Wesentlichen begründeten Methode des Familienstellens.

Eine intensive Woche der Selbsterfahrung im Februar 1998 hatte mir mit eigenen Aufstellungen einen nachhaltigen Zugang zu dieser Möglichkeit der Kurzzeittherapie erschlossen. Dies kann und will ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Entscheidend sind die Wirkungen und Zugänge, etwas zu verstehen von den Bedingungen für das Gelingen von Beziehungen. Aspekte der „Bindung", des „Ausgleichs von Geben und Nehmen", „systemische Verstrickungen und ihre Lösungen" ermöglichen einen anderen Blick auf die Dynamik von Beziehungen.

Gunthard Weber hat die Arbeit Bert Hellingers in dem Buch „Zweierlei Glück - Die systemische Psychotherapie Bert Hellingers" (9. Auflage, Heidelberg 1997) dokumentiert und entwickelt diese Arbeit in einem eigenen „Institut für systemische Lösungen" (in Wiesloch) auf beeindruckende Weise weiter. Die Komplexität und die Tiefendimension dieser Arbeit kann nur anderer Stelle eine angemessene Würdigung finden.

Hier nehme ich Bezug auf ein Buch, das sich explizit mit der „Lebendigkeit der Totgeschwiegenen" auseinandersetzt. In diesem Buch geht es, wie Willi Butollo selbst sagt, um die seelischen Aus-wirkungen der Trennung von Eltern und Kindern, die einander nicht kennengelernt haben: „Wenn Paare nach der Zeugung eines Kindes für immer auseinandergehen, wenn ein Kind bei Stiefeltern aufwächst, die biologische Elternschaft mimen. Da entsteht eine Atmosphäre von Unwahrhaftigkeit, von ‚Als ob', die eine tiefgehende Beeinträchtigung für das in Unwissenheit heranwachsende Kind, aber auch für den verschwiegenen Elternteil bedeutet. Verleugnete Beziehungen verursachen so, wie alle Verdrängung, hohe psychische Kosten; sie können die Entstehung von Identität, die Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen, verhindern."

Im Folgenden gebe ich das Nachwort, sowie einen Ausschnitt aus einem von Willi Buttolo wiedergegebenen Fall im Originalwortlaut wieder:

Nachwort zu Willi Butollo: Die Suche nach dem verlorenen Sohn – Von der Lebendigkeit des Totgeschwiegenen, Piper-Verlag, München 1993

„Die geschilderten Ereignisse sprechen für sich.

Es war nicht meine Absicht, den Menschen, die in ähnlichen Bedingungen unklarer Identität leben, neue Soll-Vorschriften, neue Normen vorzusetzen: So und so musst du dich in dieser Lage verhalten.

Jeder ist verantwortlich dafür, was er tut, und er kann die Handlungen nur so setzen, wie er es vor dem Hintergrund seiner Entwicklung und seines Wertesystems ertragen kann.

Wohl aber war es mir mit der Schilderung dieser Schicksale ein Anliegen, Menschen zu sensibilisieren: für das nach wie vor heftig tabuisierte oder oft ins Lächerliche geschobene Thema der persönlichen Identität.

Die Berichte zeigen, wie wichtig es für die betroffenen Kinder und ihre Eltern ist, zu wissen, wer sie sind und woher sie kommen. Der emotionale Aufwand vor und während der Aufklärung ist enorm und für den nicht Betroffenen unvorstellbar. Die Erleichterung danach, die Klarheit, die Reife im Angesicht der Fakten des eigenen Lebens sind überzeugend. Meist – und zu Recht – ist von den Auswirkungen auf die Kinder gesprochen worden. Hier vertrete ich aber zudem die These, dass auch die persönliche Entwicklung der Eltern behindert ist, die ein Kind verloren haben, indem sie es verleugnen, den Kontakt zu ihm abbrachen oder vom Kontakt ferngehalten wurden.

Ähnlich wie dem Kind in seiner Seele die Repräsentanz der wirklichen Eltern fehlt, so fehlt dem Vater oder der Mutter in ihrer Seele die Repräsentanz ihres Kindes. Erst wenn die Verbindung wieder hergestellt, die real existierende Beziehung bestätigt, anerkannt wird, schließt sich diese Lücke, wird nun auch die elterliche Seele ganz.

Dabei geht es nicht um die Aufnahme von emotionalen Bindungen, die dürfen und sollen ruhig bei den Zieheltern bleiben. Es geht darum, einander zu sehen und zu bestätigen: Ja, du bist mein Kind. Ja, du bist mein Vater, meine Mutter. Vielleicht reicht es, wenn diese Sätze ein einziges Mal im Leben gesagt werden.

Oft aber ist dieses Gegenüberstehen real nicht mehr möglich, weil etwa die Person, die es angeht, schon verstorben ist. Dann bleibt Weg über den Dialog in der Vorstellung. Auch dabei kann die reale Beziehung bestätigt werden, so als würde man zu dem anderen direkt sprechen. Ein Ersatz zwar, aber immerhin ein Weg.

Spinnt man diesen Gedanken weiter, so können auf diese Weise alle Arten von Beziehungen, die verleugnet oder tabuisiert wurden, wieder anerkannt und gewissermaßen in die Familie und damit in die Repräsentanz der eigenen Psyche ‚heimgeholt', das heißt integriert werden. Das betrifft vor allem auch Kinder, deren Leben sich nicht voll entfalten konnte, und wo die Umstände ihres Todes es verhinderten, dass sie in einem angemessenen Trauerprozess in die Familie aufgenommen wurden: früher, oft tragischer Tod, Fehlgeburt, Abtreibung. Diejenigen, die da sein können, sind durch diejenigen, die nicht da sein können, betroffen – und fühlen sich in der Regel auch in deren Schuld. Wer dies anzuerkennen vermag und die Ausgeschlossenen, die ‚Platz machen mussten', wieder ‚aufnimmt', schafft Lösung und persönlichen Frieden. Auch zerstörte oder fragmentierte Familien können wieder ganz werden, wenn die Abgespaltenen, die verlorenen Mitglieder anerkannt, eben wieder gefunden werden. Das entspannt die realen Beziehungen der verbliebenen Mitglieder, vor allem aber auch ihre Befindlichkeit. Sie finden inneren Frieden nach langer Zeit der chronischen, subjektiv oft gar nicht mehr wahrnehmbaren Anstrengung, deren Ursachen ihnen verborgen geblieben waren. Energie, die zum Schutze des Tabus verwendet wurde, wird frei für gegenwärtiges Leben. Der Bann unerledigter vergangener Konflikte erlischt.

Nicht Gleichschaltung, nicht Unterdrückung von Verschiedenheit ermöglicht reife Formen der Begegnungen und damit auch von Harmonie, sondern die Fähigkeit, den, der anders ist, anzuerkennen, in seiner Existenz zu bejahen."

„... Und Gott hat keinem Menschen zwei Herzen in seinem Inneren gegeben... noch macht er eure Adoptivsöhne zu euren wirklichen Söhnen. Dies ist nur eine Rede in eurem Mund... Nennt sie nach ihren wirklichen Vätern! Denn das ist gerechter vor Gott..."

Al Qur'an al Karim 33, 4-5

Fallbeispiel:

„Ein Mann, der mit seiner Mutter und seinen Halbgeschwistern aufgewachsen ist, und der erst spät im Alter von 12 Jahren davon erfahren hat, dass er einen anderen Vater als seine Geschwister hat, er-zählt folgendes: ‚Ich habe vier ältere Geschwister und bin mit denen bei meiner Mutter aufgewachsen. Das war unsere Familie. Ich bin allerdings unehelich geboren. Meine vier älteren Geschwister sind 10 bis 15 Jahre älter, ihr Vater ist drei Jahre vor meiner Geburt gestorben, also sind sie meine Halbgeschwister... Ich bin in dem Glauben aufgewachsen, wir hätten alle den gleichen Vater.'

In einer Therapiesitzung fragt der Therapeut: ‚Wenn du nun deine Verwandtschaftsbeziehungen anschaust, zu wem ist die Beziehung eher offen, unerledigt?'

‚Zu meinen Geschwistern überhaupt und zu den etwas entfernten Verwandten. Mir fällt jetzt spontan mein Patenonkel ein, eigenartig. Der lebte woanders, und ich habe ihn nicht oft gesehen. Er ist der Bruder meiner Mutter. Und meine älteste Schwester fällt mir ein. Da ist noch vieles unerledigt. Die Beziehung zu meinem Vater aber hat gegen Ende seines Lebens noch eine gute Wendung genommen. Er ist vor drei Jahren gestorben, mit 89 Jahren. Als es mit ihm zu Ende ging, habe ich ihn oft besucht, war auch eine Woche vor seinem Tod noch bei ihm. Damals träumte ich auch viel von ihm, sehr schöne Träume, kurz vor dem Tod. Ich träumte auch schon vor seinem Tod, dass er stirbt, bin damals weinend aufgewacht. Die letzte Begegnung mit ihm war sehr schön, ich spürte viel Sympathie und körperliche Nähe; leider sehr spät und wieder so sprachlos, soviel blieb unausgesprochen...

Ich bin sehr dankbar, dass es überhaupt möglich war, so weit zu kommen, ich habe ihn ja erst sehr spät als meinen Vater kennengelernt. Das heißt, dass es auch in der Zeit nach zwanzig noch möglich war, zu ihm eine Vater-Sohn-Beziehung aufzunehmen... Immerhin ist ein positives Bild von ihm geblieben. Ich glaube, er hat mich geliebt, auch wenn er es nie gesagt hat. Ich spüre auch Dankbarkeit, dass mir das noch möglich gemacht wurde, dass ich in Zeiten der Not auf ihn, auf die Erinnerung an ihn, zurückgreifen kann. Manchmal sind es Kleinigkeiten, dass ich ähnlich gehe oder ähnliche Vorlieben habe. Auch wenn ich nichts über unsere wahre Beziehung wusste, war er doch der Mann, der mir noch am nächsten war. Ich hatte nur als Kind eine starke Sehnsucht danach, einen Vater zu haben.'

Therapeut: ‚Hast du mit der Mutter einmal darüber gesprochen, warum sie die Identität des Vaters nicht früher gelüftet hat?'

‚Ja, aber sie hat nicht viel dazu gesagt. Eher in der Richtung, dass man halt damals nicht nachgedacht hat. Sie konnte mir nicht sagen, warum sie das nicht gemacht hat, das ist halt so passiert. Vielleicht war es auch nicht so wichtig, vielleicht hätte man es anders machen sollen, aber man hat halt nicht gewusst, wie man mit so einer Situation umgehen soll. Gedankenlosigkeit, Scham...'

Therapeut: ‚War die Scham in der Familie präsent? Du hast das schon im Zusammenhang mit deinen Geschwistern erwähnt.'

‚Meine jüngere Schwester hat mir erzählt, dass sie sich sehr geschämt hat. Der Lehrer hat sie damals getröstet, das sei doch ganz normal, nichts Schlimmes. Sie war dann sehr erleichtert. Sie konnte sich schließlich auch freuen an dem Buben. Die älteste Schwester hatte da größere Schwierigkeiten. Zu ihr habe ich das ungeklärteste Verhältnis. Von den anderen Geschwistern weiß ich das nicht so genau, ich vermute aber, dass es ihnen ähnlich erging.'

Therapeut: ‚Inwieweit ungeklärt?'

‚Von ihr fühlte ich mich insgeheim zurückgestoßen. Ich glaube, sie wollte nicht, dass ich zur Welt komme. Es ist eigenartig, dass ich besonders traurig werde, wenn ich an den Lehrer denke, der meine jüngere Schwester getröstet hat. Es tut mir leid, dass ich es ihnen so schwer machte. Heute ist mir das nicht mehr so präsent, aber irgendwo im Hinterkopf spielt es noch eine Rolle. Ich will es den Leuten nicht schwer machen, und doch geschieht es ständig.'

Therapeut: ‚Gibt es etwas, was du von deinem Vater brauchen würdest, das du dir von ihm gewünscht hättest, und was er aber nie gesagt, nie getan hat?'

‚Ich habe früher Fußball gespielt, und er war Funktionär im selben Sportverein. Ich hätte mir gewünscht, dass er mehr Mut gehabt hätte, zu mir auch öffentlich zu stehen und zu sagen: Ich bin dein Vater. Wenigstens irgendein Zeichen des Erkennens, eine persönliche Begegenung hätte ich mir gewünscht. Das hätte mir Kraft gegeben.'

Therapeut: ‚Er hat sich dort als dein Vater nicht zu erkennen gegeben. Er ist zwar vor dem Gesetz dafür eingestanden, aber gesellschaftlich nicht.'

‚Wo es darum ging, sich auch vor anderen offen zu bekennen, hat er sich entzogen. Ich habe ihn auch später immer wieder gesehen, aber er hat nur ‚grüß Gott' gesagt und ‚wie geht's?' Dann habe ich fünf Mark bekommen, und das war's dann. Da war er einfach feige. Ich vermisse eine gewisse männliche Rückenstärkung von ihm.'

Therapeut: ‚Später, als du ihn kurz vor seinem Tod besuchst hast, waren das für dich reichhaltige Begegnungen, ein guter, aber eher wortloser Abschluss. Gibt es etwas, das du von ihm noch gerne gehört hättest?'

‚Er hat bei meinen Besuchen stets ehrliche Freude gezeigt. Ich kann es jetzt selber gar nicht so richtig sagen. Aber der Satz dazu wäre einfach: ‚Ich freue mich, dass du da bist.' Das hätte ich mir gewünscht. Wortlos war diese Botschaft zwar da, ich habe seine Freundlichkeit und die Freude in diesen Momenten auch gespürt. Er war froh, dass ich da war und dass ich so war, wie ich war. So habe ich das erlebt, gesagt hat er es leider nicht' (Willi Butollo, 77ff.)."

Mein Tagebuch vom 15.9.2000 verzeichnet folgenden Eintrag:

Ich sitze in Ahrweiler auf der Terrasse bei meiner Schwester Ulla. Sie wird gleich von der Arbeit kommen. Gestern Abend rief sie mich noch spät - gegen 22.30 Uhr an, um mir - nahezu euphorisch - zu erzählen, dass sie endlich am Ziel ihrer jahrelangen vergeblichen Suche angelangt sei. Mit der beharrlichen und kenntnisreichen Unterstützung von Rolf, ihrem zweiten Ehemann, ist es ihr tatsächlich gelungen, Wohnort und Angehörige ihres Vaters, der 1943 in Russland gefallen ist, ausfindig zu machen: Zwei Söhne, also Halbbrüder für Ulla, die ihre endlich erfolgreiche Kontaktsuche überschwänglich begrüßt haben...

und einen Tag später hält mein Tagebuch fest:

Eine gute Fortsetzung war das gestern in Ahrweiler. Während des Gesprächs wurde mir klar, wie „haarscharf", wie „schnürsenkelseiden" das „Zustandekommen" von Willi und mir gewesen ist (Das ist im Übrigen der „existenzielle Schwindel" von dem ich im Anfangskapitel, in der Einleitung II spreche - Niklas Luhmann spricht ja von einem „extrem unwahrscheinlichen Zufall unserer Geburt"!). Ulla erwähnt, dass unsere Mama ihr zuletzt einen guten Erfolg und Ausgang ihrer Bemühungen gewünscht hat. Und nebenbei: Wenn sie denn endlich ans Ziel gelange und endlich dann auch einmal ein Foto ihres Vaters in Händen halte, würde sie verstehen, wie es zu all dem, und letztlich auch zu ihr gekommen sei. Und dies ist ein faszinierender und gleichermaßen erschreckender Gedankengang: Wir, Ulla und ich, stellen immer wieder fest, dass es außerordentlich bemerkenswert sei, dass unsere Mutter sich im Alter von 17 Jahren auf eine „finale" Beziehung eingelassen habe. Dass unsere Mutter eine Haltung eingenommen habe, die zum Abbruch dieser Beziehung geführt hat. Ullas Vater war ja offensichtlich mit unserer Großmutter noch einmal in Flammersfeld, wo Ulla am 5. Juni 1942 zur Welt kam. Und: The first cut is the deepest! Beziehung, Liebe, Geburt einer Tochter haben nicht nur bei unserer Mutter eine tiefe Wirkung hinterlassen; auch bei diesem verheirateten Mann, der bereits einen zweijährigen Sohn hatte, 1940 geboren, und der im Februar/März 1942 noch einen zweiten Sohn mit seiner Frau gezeugt hat, der im Dezember 1942, ein halbes Jahr nach Ulla zur Welt kam, hat all dies wohl tiefe Irritationen und Turbulenzen ausgelöst. Es war wohl unsere Mutter, die ihn zurückgewiesen und weggeschickt hat mit dem Argument, sie zerstöre keine Ehe und alles wäre nicht geschehen, hätte sie von alldem schon 1941 in Bad Neuenahr gewusst.

Andernfalls jedoch, und dies entspricht doch auch der konventionellen, der moralisch-sittlichen und der Liebeslogik, hätte Ullas Mutter diesen Berufsoffizier des Jahrgangs 1914 geheiratet und Willi und ich, wir beiden wären nie geboren worden - nicht auszudenken!!! Da wurde uns schon heiß und kalt. Ein wenig war blitzartig wohl die Vorstellung bei Ulla da, was wohl gewesen wäre, wenn es so gekommen wäre - und bei mir stellt sich schlagartig ein Betäubungsgefühl ein, eine Lähmung, die das Kontingente unserer Existenz zutiefst spürbar werden lässt.

Und Ulla hat nun zwei Brüder, Gerd (Jahrgang 1940) und Werner (Jahrgang 1942), die genauso ihre Brüder sind, wie ich es bin und Willi es war. Und mir kommt es wie ein großes Glück vor, dass diese beiden und ihre Familien an das Ende einer großen Sehnsucht gelangen, endlich einander gefunden haben. Wie schön und beeindruckend von allen zu hören: „Ja, wir wussten, dass da jemand war - aber wir haben keinen Weg gefunden. Gut, dass du, Ulla, ihn jetzt gefunden hast." (Es gibt im Übrigen wohl auch eine Nichte Ullas, die immer gesagt hat: „Es ist ein Drama, da hat man eine Tante irgendwo, und weiß sie nicht ausfindig zu machen.")

9.10.01: Hier möchte ich anfügen, dass Ulla mir vor 14 Tagen erzählt hat, dass ihre jahrzehntelangen Alpträume, die sie jede Nacht verfolgt haben, verschwunden sind.

 

   

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